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EUid: Wie die EU unsere Ausweise digitalisieren will

30.06.2021 | 08:30 Uhr | Stephan Wiesend

Mit einem Klick auf dem Handy soll man sich als EU-Bürger in ganz Europa ausweisen können, aber auch Konten eröffnen und Autos mieten.

Die Urlaubszeit naht und so mancher wird wieder viel lästige Zeit mit dem Buchen von Reisen, Ausfüllen von Verträgen mit Mietwagenfirmen und dem Verlängern von Personalausweisen verbringen. Das könnte aber bald einfacher werden: Die EU plant nicht nur einen digitalen Euro, sondern auch einen digitalen Ausweis, EUid genannt: Alle Bürger und Unternehmen sollen sich in der EU mit ihrem Handy ausweisen können – zumindest innerhalb von Europa. Das kann aber noch einige Zeit dauern, bis September 2022 sollen die Mitgliedsstaaten erst ein gemeinsames Instrumentarium geschaffen haben, das die verwendete Architektur, Normen festlegt. Jeder Bürger soll auf diesen Ausweis und die dazugehörige Wallet Anspruch haben können, das Konzept hatte die EU vor einigen Wochen vorgestellt. Parallel dazu will die Kommission mit Staaten und Unternehmen an den technischen Aspekten arbeiten. Eine Grundlage wurde bereits mit der eIDAS-Verordnung getroffen.

Wie die EU anführt, gibt es bereits 19 eID-Systeme in 14 Ländern, die fast 60 Prozent der EU ausmachten. Die tatsächliche Verbreitung sei jedoch gering "die Benutzung ist umständlich und es gibt auch kaum tragfähige Geschäftsmodelle dafür.“

Alternative zu Amazon, Apple und Google

Namen werden zwar nicht genannt, das Ziel der neuen digitalen Identifizierung ist es aber offensichtlich, ein Gegengewicht zu großen Plattformen zu bieten, die bereits digitale Identitäten für Einkauf, Nachrichten und Ähnliches bieten. Mit diesen Logins hätten „die Nutzer aber nicht die volle Kontrolle darüber, welche Daten an andere Dienste weitergegeben werden“. Sie sollen außerdem dazu verpflichtet werden, eine Identifizierung per EUid zu akzeptieren .

Was sind „EUid-Brieftaschen“

Das EUid soll auch eine digitale Brieftasche bzw. Wallet umfassen. Man  soll sich damit nicht nur ausweisen können, sondern auch Führerscheine, Rezepte oder Ausbildungsnachweise in digitaler Form speichern und verwalten können. Man soll damit aber auch einfach ein „persönliches Attribut“ wie sein Alter nachweisen können. Ein Vorteil gegenüber einen Personalausweis: Eine Besucherin eines Nachtclubs soll per Wallet ihre Volljährigkeit beweisen können, ohne dabei weitere Angaben über sich zu machen.

Ebenso soll man damit aber auch ein Bankkonto nutzen, eine Steuererklärung abgeben oder einen Kredit beantragen können. Beim Mieten eines Autos sollen dann dank digitaler ID umständliche Verifizierungen wie Kopieren des Passes und Unterschreiben des Vertrages entfallen können. Die geplante EUid ist ein Teil des sogenannten Digitalen Kompass 2030, der bis zu diesem Jahr bestimmte Ziele erreichen will – etwa öffentliche Dienste online verfügbar zu machen und eine eID-Lösung zu schaffen.

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