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Ein Jahr DSGVO: Bei Google, Amazon & Co. nur dürftig umgesetzt

03.12.2019 | 09:24 Uhr | Halyna Kubiv

Die Uni Göttingen hat in ein Studie geprüft, wie die großen Online-Anbieter die DSGVO umgesetzt haben.

Das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz hat eine Studie in Auftrag gegeben, die bewerten sollte, wie die größten Online-Anbieter auf dem deutschen Markt die Anforderungen der DSGVO umgesetzt haben. Die Herausgeber Prof. Dr. Andreas Wiebe und Dr. Céline Helmschrot haben sich die größten Anbieter aus den Bereichen Online-Shops (Amazon, Otto, Zalando, Mediamarkt, Ebay-Kleinanzeigen), Soziale Medien (Facebook, Youtube, Whatsapp, Instagram, Twitter, Pinterest, Snapchat, Signal), Buchungsportale (Booking, Tripadvisor, Check24, Verivox), Suchmaschinen (Google, Duckduckgo, Startpage, Cliqz), Webseiten (Bild, Spiegel, Focus, ARD, Wetter Online), E-Mail (Gmail, GMX, Web.de, Outlook), Unternehmen (Deutsche Bank, Paypal, Deutsche Bahn, Volkswagen, TK-Krankenversicherung) für ihre Untersuchungen ausgesucht.

Bewertet wurden die Darstellungen aller datenschutzrelevanten Inhalte wie die Datenschutzerklärung, Cookie-Beschreibung etc. Diese Informationen wurde nach fünf grundlegenden Themen aufgeteilt: Informationspflicht, Angaben zu Datenverarbeitung, Einwilligungserklärung, Umgang mit sensiblen Daten und datenschutzfreundliche Voreinstellungen (Privacy by Default). Jeder Aspekt bzw. dazu gehörende Punkte wurde von den Testern auf der Skala von eins bis fünf bewertet, wobei fünf Punkte die höchstmögliche Bewertung ist. Im Abschluss haben noch die Autoren der Studie einige Best-Practice-Beispiele einzelner Artikel aufgeführt.

Als Ergebnis hat kein der geprüften Unternehmen die neue Richtlinie perfekt umgesetzt, nur drei von 35 bewerteten Portalen haben eine Punktzahl von vier erreicht (Volkswagen, Otto und Zalando). Einen Sonderfall bilden die Suchmaschinen Duckduckgo und Startpage - die Anbieter sammeln keinerlei personenbezogenen Daten, deshalb lässt sich deren Datenschutzerklärung nicht bewerten, weil dafür keine Grundlage besteht. Der Messenger Signal wurde nur unter Vorbehalt bewertet: Alle relevanten Inhalte stehen nur auf Englisch zur Verfügung, allein dies verstößt schon gegen DSGVO.

Im Abschluss merken die Autoren an, dass die neue Datenschutzgrundverordnung so umzusetzen, dass sie den Nutzern zu Gute kommt, sei ein ständiger Prozess, die Online-Betreiber verändern immer wieder ihre Informationen hierzu. Besonders oft sind noch viel zu sehr ungenaue Angaben anzutreffen, wie die Fristangaben zur Speicherung der Daten: "Solange wie nötig" ist nicht transparent und nicht verständlich. Auch bei der Auffassung "berechtigtes Interesse an der Datenverarbeitung", wobei der Anbieter keine Einwilligung des Nutzers mehr einholen muss, erlauben sich manche Portal-Betreiber deutlich mehr Freiraum als eigentlich notwendig: Bei einem der untersuchten Anbieter besteht das berechtigte Interesse an Datenverarbeitung, weil der Dienst "kostenlos angeboten wird". Es gibt auch positive Beispiele: So nennen die Autoren Ebay-Kleinanzeigen als einen Anbieter, dem seine Datenschutzerklärung vorbildlich gelungen ist. Zu den Best Practice gehören ebenfalls Zalando, Cliqz, Otto, Bahn.de, Spiegel Online und Volkswagen. Die gesamte Studie kann man unter diesem Link herunterladen.

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