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Ein (un)moralisches Angebot

16.01.2007 | 15:59 Uhr |

Immer mehr Facetten zeigen sich bei dem Rechtsstreit zwischen Cisco und Apple um den Markennamen "iPhone".

FĂŒr einen Rechtsstreit gegen Cupertino habe man genug Geld, sagen Mitglieder des Cisco-Managements, doch habe man der Jobs-Company bis letzter Woche Kompromissangebote gemacht: Apple-KompatibilitĂ€t fĂŒr Cisco-Produkte im Tausch gegen Namensrechte. Jetzt aber ist eine deutsche Kanzlei offenbar dabei, Cisco die Namensrechte in Europa zu entreißen.

Seit 2001 in GesprÀchen mit Apple

Etwas unklar bleibt Cisco-Justitiar Mark Chandler in seinem Firmen-Blogeintrag. Das Vorstandsmitglied ist gleichzeitig Chef-Jurist des Netzwerk- und KommunikationsausrĂŒsters und hat in den zurĂŒckliegenden Monaten und Jahren mehrfach Kontakt mit Apple gehabt: Seit 2001 habe sich Cupertino mehrmals an Cisco gewandt, um die Rechte am Namen "iPhone" zu erhalten. Die Angebote, die Cisco gemacht hat, seien wohl nicht nach dem Geschmack von Steve Jobs und den Apple-AnwĂ€lten gewesen.  

Keine Frage des Geldes, sondern der Offenheit

In den Wochen vor der Macworld Expo mit der wachsenden Zahl von GerĂŒchten um Apples Handy-Erstlings habe Cisco in ernsthaften Verhandlungen mit Apple gestanden, um das sich abzeichnende Problem der Namensrechte zu lösen - eine Einigung habe man aber nicht mehr erreicht. Um so grĂ¶ĂŸer wĂ€re die EnttĂ€uschung und VerĂ€rgerung bei Cisco gewesen, als am Vorabend der PrĂ€sentation trotz einer greifbaren Einigung die Ansprechpartner bei Apple sich nur noch in Verlegenheitsfloskeln wie "Wir sind gerade zu beschĂ€ftigt" hĂŒllten. Cisco, so schreibt der Chef-Hausjurist im Blog, habe kein Geld gewollt, auch keine Lizenzabgabe pro verkauftem GerĂ€t oder einen Deal wie langfristige AusrĂŒstungsvertrĂ€ge. "Wir wollten im Grundsatz einen offenen Zugang und hatten die Hoffnung, unsere Produkte könnten in Zukunft zusammenarbeiten." Worum es sich bei der angestrebten Einigung jedoch konkret gehandelt hat, schreibt Chandler nicht: Integration von Voice-over-IP-Standards, gemeinsame Software- und Dienste-Entwicklung oder gar eine iTunes-KompatibilitĂ€t fĂŒr Linksys-Telefone inklusive Apples digitalem Rechtemanagement "FairPlay"? Cisco selbst benutzt offene Standards in seinen Produkten, den Routern und Switches, mit denen das Internet zusammengehalten wird - und wirbt mit dieser Offenheit auch.  

"Die meisten wissen nicht, womit Cisco sein Geld verdient"

Nicht ganz so vornehm und zurĂŒckhaltend wie der Hausjurist Ă€ußert sich Linksys-Chef Charlie Giancarlo. In der Londoner Times zeigt er mit den Worten "Wir sind nicht gerade knapp bei Kasse - und hatten bislang nur ein großes Verfahren" Apple die ZĂ€hne. Der Cisco-Chefentwickler beschreibt am Beispiel seiner Mutter und ihrer Verwechselung von LKWs der Marke Sysco mit Cisco, wie wichtig das Markenbewusstsein als GeschĂ€ftsgrundlage ist. "Vielleicht kennen uns einige, weil wir börsennotiert sind - aber die meisten wissen nicht, womit Cisco sein Geld verdient." Dabei hat in Charlie Giancarlos VerstĂ€ndnis die große Zeit der Firma erst begonnen - mit Internet-Fernsehen. Dieser Markt sei 20 Milliarden US-Dollar schwer, Cicso hat vergangenes Jahr den Set-Top-Box-Hersteller Scientific Atlanta aufgekauft und reibt sich schon jetzt die HĂ€nde, weil IPTV auch bedeutet, dass neue Cisco-Hardware den wachsenden Datenstrom vom Sender zum EmpfĂ€nger leitet. In drei Jahren, so prognostiziert der Linksys-Chef, verursachen 20 Haushalte genauso viel Datenverkehr wie alle Internetteilnehmer im Jahr 1995. Dem iPhone schreibt er in diesem Zusammenhang fast grenzenlose Möglichkeiten zu.  

EuropĂ€isches Recht könnte Apple ein HintertĂŒrchen öffnen

Die Londoner Juristen-Zeitschrift Out-Law hat zumindest im europĂ€ischen Recht ein HintertĂŒrchen gefunden, das Apple einen strategischen Vorteil gegenĂŒber Cisco bringen kann. Nach diesem Bericht hĂ€tte Cisco innerhalb von fĂŒnf Jahren, gerechnet vom Aufkauf des frĂŒheren Rechteinhabers Infogear im Jahr 2000 an, den Markennamen in Europa benutzen mĂŒssen. Das aber habe Cisco erst mit der AnkĂŒndigung seiner iPhone-Reihe am 18. Dezember vergangenen Jahres getan. Am selben Tag - und das könnte jetzt der Sargnagel fĂŒr den Namensstreit sein - habe eine deutsche AnwaltssozietĂ€t mit Namen CMS Antrag auf Aberkennung der Namensrechte gestellt. Unsere Anfrage an die einzige deutsche SoziĂ€tĂ€t der CMS-Allinanz, CMS Hasche Sigle , wird dort zur Zeit bearbeitet.

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