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Eine Frage der Haltbarkeit - müssen Airpods schon nach zwei Jahren in den Müll?

27.05.2022 | 15:45 Uhr | Peter Müller

Sie sind leicht, praktisch, klangstark: Apples Airpods (Pro) und die besseren der Alternativprodukte. Aber sie sind ein Umweltproblem.

Warum ich Apple-Produkte nutze? Weil sie das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bieten und wertbeständig sind. Ja, in der Anschaffung sind sie etwas teuer, aber sie funktionieren nicht nur von Tag eins an so, wie sie es sollten, sie halten auch lang, weit länger als billigere Produkte. Die Investition lohnt sich, auch wenn man aus beruflichen Gründen dann doch immer wieder das Neueste nutzen muss, obwohl das Produkt von gestern oder vorgestern immer noch perfekt läuft. Man kann nach einem oder zwei Jahren iPhone, iPad und Mac immer noch zu einem guten Preis verkaufen und das neueste Modell mitfinanzieren. Billig zu kaufen, muss man sich schon leisten können.

Doch stößt Apple in immer mehr Produktkategorien vor und in diesen an Grenzen. So wunderte mich bei der Vorstellung der Apple Watch vor fast acht Jahren, wer sich denn ein sündteures Goldmodell kaufen würde, wo die Technik doch nach einem Jahr veraltet sein würde und der kleine Akku einfach nicht mehr hält. Die Batterie kann man zwar bei Apple austauschen lassen, den Rest der Innereien aber nicht. Die schnell zu Altgold gewordene Apple Watch Edition hat Apple auch nur eine Generation lang verkauft, die Top-Modelle mit Keramik- und Titan-Gehäusen sind zu weit vernünftigeren Preisen zu bekommen. Die goldene Apple Watch Edition war wohl nur ein Demo-Produkt, um ein wenig Glanz in die Hütte zu bringen – das war aber gar nicht nötig, die Apple Watch hat ganz andere Vorteile.

Direkter Link auf die Umfrage

Obsoleszenz nicht geplant, aber systembedingt

Nun hat Apple aber auch ein Produkt im Angebot, bei dem nicht einmal die Profis noch den Akku tauschen können: die Airpods (Pro). Wir haben zudem mehrfach in Erfahrung zu bringen versucht, wie es denn mit dem Recycling oder wenigstens einer Art von Mülltrennung aussieht, Plastik zu Plastik, Lithiumzelle zu Lithiumzelle und ein paar wertvolle Edelmetalle oder seltene Erden sind auch noch drin. Details erfährt man wenig , aber ja, auch die Airpods lassen sich einigermaßen wieder in ihre Bestandteile zerlegen und diese getrennt wieder aufbereiten oder fachgerecht entsorgen. Es hängt eben viel davon ab, ob die Airpods (Pro) nach ihrem Lebensende zurück in den Apple Store kommen oder im Hausmüll landen. Bei iPhone käme man kaum auf diesen Gedanken, doch bekommt Apple offenbar weniger Gebrauchtgeräte zurück, als es verarbeiten könnte. Nicht von ungefähr hat Apple hingegen iPhone-Recycling-Roboter Daisy einer Youtuberin vorgeführt .

Das Lebensende der Airpods und anderer In-Ears kommt früher als erwartet, weit früher. Zwei Jahre gibt Apple Gewährleistung, für längere Zeiträume könnte man die Garantieverlängerung Apple Care+ erwerben, um danach auftretende Schäden beheben zu lassen. Leider geht dann der Preis noch weiter in die Höhe, sodass der Austausch durch ein Neugerät und die Entsorgung im Hausmüll für die alten Airpods schon beinahe attraktiv wird.

Verzerrung statt ANC - ein bekanntes Problem mit Austauschlösung

Zweieinhalb Jahre etwa haben unsere Airpods Pro durchgehalten. Seit zwei Wochen lässt aber einer der Ohrstöpsel seltsame Geräusch hören, in Form eines unerträglichen Verzerrens. Das hängt eindeutig mit dem Active Noise Cancelling zusammen, denn schaltet man das ab, wird der Klang besser. Aber nicht mehr richtig gut – und mit der Zeit verzerrt der Airpod immer mehr.

Offenbar ist das System aus Treiber und Mikrofon gestört, wodurch, habe ich noch nicht herausgefunden. Im Macwelt-Archiv habe ich Berichte von ähnlichen Fällen gelesen, die sich noch in der Garantiezeit ereigneten: Offenbar stand eine Firmwareversion in Verdacht, für die Verzerrungen verantwortlich zu sein . Und ja: Natürlich stört auch Schmutz das System. Umgebungsgeräusche, die nur verzerrt ankommen, werden eben mit Verzerrung gedämpft, respektive misst die automatische Klanganpassung nur Mist, wenn der Mikroeingang verstopft ist.

Das war es aber nicht, wie eine akribische Reinigung nach Apples Vorschriften ergibt . Auch das Zurücksetzen empfiehlt Apple bei Problemen mit dem Ton . Hat nur nichts gebracht. Conclusio: Der Ohrhörer ist defekt, Garantie ist abgelaufen und schon ein einzelner Ersatzhörer so teuer, dass man lieber zu anderen Geräten greifen möchte.

Was mir noch ein wenig Hoffnung gibt: Apple scheint das konkrete Problem zu kennen, es gibt ein Austausch-Programm für Airpods Pro, die vor dem Oktober 2020 hergestellt wurden , das betroffene Modell ist aus der ersten Charge von Oktober 2019.  "Apple hat festgestellt, dass bei einem kleinen Prozentsatz von AirPods Pro Tonprobleme auftreten können", heißt es und dass man mit seinen Airpods Pro einen Apple Service Provider oder einen Apple Store aufsuchen sollte. Termin habe ich für diese Woche vereinbart, mal sehen, wie er läuft. Auch wenn ich dann mit neuen Airpods Pro aus dem Store in München herausgehen sollte, ist das Grundproblem nicht gelöst: Der kaputte Pod muss weg. Wenigstens scheint er bei Apple besser aufgehoben als auf dem Wertstoffhof oder gar dem Hausmüll - weit besser.

Update: Wie mir im Apple Store bestätigt wird, qualifizieren sich meine Airpods Pro für das genannte Austauschprogramm. Nach einer kurzen Überprüfung in der Werkstatt, in der sich der Verdacht bestätigt, bekomme ich gleich zwei neue Airpods Pro - wer weiß, wie lang der linke noch gehalten hätte. Auf meine Nachfrage, ob der Fall öfter auftrete, heißt es nur lapidar, ja, das sei doch recht häufig mit den Pros. "Kleiner Prozentsatz" ist also relativ. Die alten Airpods Pro werden jetzt nach allen Regeln der Kunst zerlegt, ein neues Ladecase bekomme ich nicht. Wozu auch, das ist ja noch völlig in Ordnung, muss man nicht austauschen.

In unserer Umfrage zur Haltbarkeit von InEars haben wir nach vier Tagen einige interessante Zwischenergebnisse. Die überwiegende Mehrheit der Teilnehmer (fast 90 Prozent) gibt an, Airpods zu nutzen, etwa 40 Prozent besitzen ihr Paar Ohrhörer schon länger als zwei Jahre. Bei fast einem Viertel der Befragten sind die InEars schon mal kaputtgegangen, knapp die Hälfte der Vorfälle passierten schon im ersten Jahr, nur rund ein Viertel nach zwei Jahren, wenn die Gewährleistung abgelaufen ist, aber etwaige Austauschprogramme noch laufen. Mit dem Akku sind die Nutzer mehrheitlich zufrieden,

Update Ende

Nicht der einzige Hersteller mit Problemen

Ist ja nicht so, dass wir keine anderen getestet hätten. Die Liberty Air 2 Pro von der Anker-Tochter Soundcore haben uns durchaus gefallen , der Preis ist zwar niedriger als der der Airpods Pro, aber auch noch recht ordentlich. Während ich also die Airpods eher privat nutze, habe ich die Soundcores mit dem Arbeitsrechner gekoppelt. Aber auch hier nach zwei Jahren: kaputt. Einer der Ohrhörer gibt gar keinen Ton mehr aus. Nun hatte uns Anker seinerzeit freundlicherweise gleich vier Paar Ohrhörer zur Verfügung gestellt, die wir auch nach und nach in Betrieb nahmen. Der am häufigsten genutzte blaue Ohrhörer ist als Erstes kaputtgegangen, die in den drei anderen Farben geben noch keinen Grund zur Klage. Durch Herumliegen waren die zwar nicht besser geworden, aber auch nicht schlechter.

Die Airpods der ersten Generation von 2016 erledigen ihren Job auch schon lange nicht mehr, in meinem Haushalt und in dem der Kollegin. Gut, nach fünf Jahren haben auch iPhones und Macs ihre Schuldigkeit getan und man sieht sich nach einem neuen Modell um, aber wenigstens kommen die Altgeräte ins Recycling – selbst im Apple Store bekommt man sogar noch ein Handvoll Euro, wenn das Gerät nicht schon viel zu alt ist.

Wie wir weiter oben gesehen haben, trifft das nicht nur Ohrhörer der Marke Apple – und nicht nur erst in der Drahtlos-Ära. Früher war es eben das Kabel der Earpods, das wir spätestens in zwei Jahren heruntergewirtschaftet hatten, jetzt den Akku. Natürlich landeten Kabellauscher nicht im Hausmüll, sondern auf dem Wertstoffhof, in der Hoffnung, dass Profis unter kontrollierten Bedingungen wenigstens noch ein bisschen Metall aus dem Plastikmüll extrahieren. In Airpods und Co steckt dann aber noch ein Akku drin.

Bei den Problemen nach Ende der Garantie haben wir das Thema Akku noch gar nicht mal behandelt. Natürlich halten die winzigen Zellen in den Ohrhörern nach zwei Jahren nicht mehr die volle Energie – aber dass sie bei praktisch keinem Hersteller austauschbar sind, lässt uns ins Grübeln kommen, ob nach den Airpods Pro und den Liberty Air 2 Pro es wieder drahtlose Lauscher werden sollen. Vielleicht lieber Over-Ears? Die Airpods Max machen einen guten Eindruck , auch was Recycling und Mülltrennung betrifft.

Wir haben bis hierhin für die Haltbarkeit von In-Ears nur anekdotische Evidenz, wobei es an sich völlig egal ist, ob die schon nach zwei oder erst nach fünf Jahren in den Müll müssen. Wir wollen nun von Ihnen wissen: Wie lange nutzen Sie Ihre In-Ears schon? Von Apple oder von einer anderen Marke? Wie gut ist der Akku noch? Oder haben Sie schon einen Totalausfall zu beklagen? Schreiben Sie uns gerne ausführlich unter redaktion@macwelt.de oder füllen Sie die kurze Umfrage hier aus .

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