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Entertainment pur

05.03.2004 | 15:00 Uhr | Peter Müller,

Entertainment pur

Müller: Steiger, 2006 habe ich leider schon etwas anderes vor. Im Februar olympische Winterspiele in Turin, in Juni und Juli Fußball-WM in diesem unserem Lande, das ist mir Entertainment genug. Sie meinen also, dass die halboffizielle Spielkonsole für Macianer die Xbox 2 sein wird? Das würde doch sehr viele eingefleischte Power-User im Kern ihres Wesens treffen - denen wäre nur zu helfen, wenn Apple das defizitäre Xbox-Geschäft von Microsoft übernimmt. Adoptieren und dann adaptieren, da war unser Lieblingshersteller schon immer groß, iTunes, das mal Soundjam hieß, Garageband, das seine Emagic-Wurzeln kaum verhehlt oder Shake, das einst einer Firma namens Nothing Real gehörte. Apple hat ja immer noch über vier Milliarden Dollar an Barreserven, da muss man nicht selbst für Innovationen sorgen, wenn man welche einkaufen kann. Was Bill Gates kann, erledigt Steve Jobs ja schon vor dem Frühstück.

Aber habe ich richtig gelesen? Sie halten die 11 Oscars für den Herrn der Ringe für gerechtfertigt? Dass ich nicht lache! Erstens ist das keine Literatur, also auch keine Literaturverfilmung sondern bloß ein mit (Apple-)Technik hochgerüstetes Ausstattungsspektakel, eine Geldmaschine sondergleichen, die Star Wars in den Schatten stellt. Und wofür waren die Oscars? Jedenfalls nicht für die ernsthaften Kategorien, keine der vier Darstellerpreise gingen an LOTR oder der für die Kamera. Bester Film? Dass ich nicht lache - das wäre Mystic River gewesen! Beste Regie? Die Statuette hätte Sofia Coppola für "Lost in Translation" verdient gehabt und nicht der kleine, bebrillte, moppelige, vollbärtige Peter Jackson, der auch noch eher einem Hobbit gleicht als seine Hauptdarsteller Elijah Wood und der Dings, na, der andere halt.

Steiger: Müller! Blasphemie! Ich fühle mich genötigt, Ihre Herr-der-Ringe-Hasstiraden zu zensieren! Lord of the Rings galt als unverfilmbar! Jackson hat einen der langweiligsten... äh... langatmigsten Literaturmeilensteine für die heutige Generation eindrucksvoll in Szene gesetzt! Sowas muss geehrt werden! So als hätte man die Bibel verfilmt! Die Fantasy-Bibel, in der alle heutigen Fantasy-Werke begründet sind! Ich muss ja zugeben, ich bin auch erst vor drei Jahren auf den Herrn der Ringe in Buchform gestossen, und dazu auch noch weihnachtstechnisch gezwungenermassen, mein Bruder hat Schuld. Und es ist ein durchaus gewöhnungsbedürftiges Konzept. Bis die Handlung in Gang kommt, vergehen in der gebundenen Ausgabe stolze 180 Seiten, da würde man manch andere zeitgenössische Werke schon längst in die Ecke geworfen haben. Aber, Müller, jetzt hören Sie mal auf, auf Jackson herumzuhacken! Der Mann hat Großes geleistet, und diese Ehrung war Pflichtprogramm für Hollywood, wenn auch leicht übertrieben. Wenn Sie auf Jackson herumhauen wollen, nehmen Sie doch den King of Pop! Oder seine brustfreie Schwester!

Müller: Ich hacke doch gar nicht auf Jackson herum, ich sage nur meine Meinung! Die dürfen Sie mir nicht zensieren, wo leben wir denn? Gut, ich habe das Buch nicht gelesen und auch die Filme nicht gesehen, aber das heißt doch noch lange nicht, dass ich mein Urteil unverrückbar fällen und es lautstark und aggressiv verteidigen kann. Sehen Sie sich doch die einschlägigen Internetforen an: Da hat jeder ein feste Meinung, trotz fehlender Fakten. Ja, das sind die modernen Zeiten! Und was Michael Jackson und seine keineswegs brustfreie, sondern *zensiert* Schwester, betrifft: Lassen Sie den Mann doch in Ruhe! Seine letzten Veröffentlichungen waren zwar eher in die Kategorie "Lieder, die die Welt nicht braucht" einzuordnen, aber er hat Großartiges und Bleibendes geschaffen. "Don't stop 'til you get enough", "Billie Jean", "Beat It", überhaupt die ganze "Thriller"-LP. Und das kann ich diesmal ganz locker behaupten, weil ich das alles zigmal gehört habe. Besonders gefallen mir aber die Bücher von Michael Jackson. Da staunen Sie jetzt, was?

Steiger: Bücher? Von Michael Jackson? Worüber sollte der denn schreiben? Die Gefahren von Nasenoperationen?

Müller: Steiger, ich meinte doch nicht den Michael Jackson. Sondern Michael Jackson, den Whisky-Papst und Werke wie " Whisky " oder " Schottland und seine Whiskys " . Zugegeben, das war jetzt eine kleine Finte, aber ich finde, wir hätten uns jetzt ein Gläschen Aberlour verdient, nach dieser anstrengenden Arbeitswoche. Rund im Abgang, wie Jackson schreibt, kaum torfig, ein idealer Digestif. Man muss ja wissen, wie einem die goldene Flüssigkeit zu schmecken hat, die man trinkt.

Steiger: Müller, bei Ihnen dreht sich alles nur ums Saufen! Ich bin dabei!

Müller: Bei mir dreht sich nicht alles ums Saufen. Aber zu meiner anderen Freizeitbeschäftigung nehme ich Sie nicht mit!

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