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Erfolgsmodell iTunes Store

24.01.2009 | 00:00 Uhr

Erfolgsmodell iTunes Store

iTunes Store, bald komplett ohne DRM
Vergrößern iTunes Store, bald komplett ohne DRM
Greenpeace schaut Apple akribisch auf die Finger und ist mit dem Mac-Hersteller strenger als mit anderen Unternehmen.
Vergrößern Greenpeace schaut Apple akribisch auf die Finger und ist mit dem Mac-Hersteller strenger als mit anderen Unternehmen.

Das große Geheimnis hinter dem Erfolg des iPod ist und bleibt jedoch der iTunes Store. Als iTunes Music Store im April 2003 gestartet, wächst der Download-Service zum mittlerweile größten Musikanbieter in den USA. Unter seinesgleichen unangefochtener Marktführer, schlägt der iTunes Store seit 2006 nach und nach die Wettbewerber als der physischen Welt aus dem Feld. Weder Wal Mart, noch Amazon, noch Best Buy können mittlerweile via CD so viel Musik verkaufen wie der iTunes Store. Es bleibt den Unternehmen nur, ebenfalls in das Download-Geschäft einzusteigen. Wal Mart gibt das zwar schnell wieder auf, Amazon gelingt es jedoch noch vor Apple, alle großen Musikanbieter zu einem Verzicht auf Kopierschutztechniken zu überreden. Apple tut sich diesbezüglich schwerer, seit Mai 2007 bietet zwar der britische Musikkonzern EMI seinen Katalog über den iTunes Store als DRM-freie Songs an, die anderen drei ziehen nicht so schnell mit, wie sich Apple das vorgestellt haben mag. Insbesondere Universal streitet intensiv mit Apple über Preise, Beteiligungen und Preisstaffelungen, zeitweise zieht NBC/Universal gar seine Angebote von Fernsehserien aus dem iTunes Store zurück. Erst Anfang 2009 meldet Apple Vollzug: Alle Songs werde es noch im ersten Quartal frei von DRM geben, ab sofort schon der von den großen vier EMI, Sony BMG, Universal und Time Warner beigesteuerte Löwenanteil. Die Klagen von Verbraucherschützern, die im bis dato abgeschlossenen Öko-System iPod/iTunes eine den Wettbewerb behindernde Maßnahme sahen, werden somit Makulatur. Die Filmindustrie von den neuen Vertriebswegen zu überzeugen, ist weit schwieriger. Zwar verkauft Apple seit 2007 in den USA aktuelle und ältere Filme, seit 2008 bietet iTunes auch ein Mietmodel an, in Europa sind die Angebote aber bisher auf Großbritannien beschränkt. Technische Gründe bestehen dafür nicht, wohl aber rechtliche. In Europa fürchten die Konzerne wohl noch zu sehr, sich das Geschäft mit DVDs zu verhageln, einheitliche Verwertungs- und Urheberrechte hat die Europäische Union noch nicht geschaffen, Apple muss jedes Land einzeln verhandeln.

100 Millionen bis 2007 verkaufte iPods und jährlich sechs bis sieben Millionen verkaufte Macs sind nicht nur ein großer Erfolg für Apple, sondern auch eine Bürde. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace schaut besonders Apple, das immer besser sein will als die anderen, in Sachen Umweltschutz genau auf die Finger. Welche Materialien verwendet Apple? Sind diese umweltschädlich? Wie viel CO2 wird über die komplette Lebensdauer der Produkte freigesetzt? Warum lassen sich an iPods Akkus nur mit großem Aufwand wechseln, sodass der Kunde lieber zum Verbraucher wird, der sich ein Neugerät kauft, sobald das alte verbraucht ist? Und überhaupt: Wie organisiert Apple seine Recycling-Prozesse? Verantwortungslos wie so Manche, die ihren Elektronikschrott einfach als "Gebrauchtware" in die Dritte Welt verscherbeln, wo dieser unter nicht zu beschreibenden ökologischen und sozialen Umständen "verwertet" wird oder im Bewusstsein der Verantwortung für Mensch und Umwelt? Dass Greenpeace gerade Apple so her nimmt, hat zwei Gründe: Apples beharrliches Schweigen und der sagenhafte Erfolg der Firma, die in der iZeit wieder voll im Bewusstsein des Mainstreams als glänzende Marke angekommen ist. Die Mauern des Schweigens in Cupertino werden langsam durchlässig, mit offenen Briefen äußert sich Apple-CEO Steve Jobs zu Themen wie Umweltschutz, DRM-Freiheit von Musik oder zur Öffnung des iPhones für Entwickler. Zur Jahreswende 2008/2009 wird gar die Gesundheit des Apple-Chefs Thema öffentlicher Anschläge.

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