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Ermittler ohne Computer - oder mit Magie

03.12.2008 | 00:01 Uhr |

Ermittler ohne Computer - oder mit Magie

In den heutigen Medien scheinen, zumindest im Bereich der Computer, zwei Paralleluniversen zu existieren: In dem einen Universum benutzen zum Beispiel Ermittler praktisch gar keine Computer ( Monk , Der Bulle von Tölz , Die Rosenheim-Cops , Tatort und viele mehr), oder sie verweigern sich ihnen offen. So warb das Großstadtrevier jüngst im TV mit seiner urgemütlichen offline-Tätigkeit und dass der moderne Quatsch im ach so menschlichen Revier noch nicht Einzug gehalten habe. Dies freut alle Zuschauer, die selbst wenig mit Computer zu tun haben, sorgt aber beim Rest für Ablehnung.

Im Universum von CSI Las Vegas , New York und Miami , aber auch praktisch jeder andere Serie dieser Machart gibt es futuristische Benutzeroberflächen und Anwendungen, die an künstliche Intelligenz, wenn nicht gleich pure Magie heranzureichen scheinen. Anders lässt sich nicht erklären, wie eine Software aus einem verwaschenen Foto einer Überwachungskamera in VGA-Qualität das Kennzeichen eines Autos, das im Originalbild nur ein paar Pixel groß ist, auslesen kann. Auch ist es höchst faszinierend, wie jedes Handy auf den Meter genau zu orten ist, jeder Bauplan digital von der Stadtverwaltung abgerufen werden kann, die Kontobewegungen aller Menschen scheinbar problemlos für die Polizei einzusehen sind und vieles mehr. Dem Datenschützer rollen sich hierbei die Fußnägel auf, der Standard-User ahnt, dass sein Rechner daheim das irgendwie nicht auch alles zu können scheint.

Das schlimmste aber: Ständig piepen die Computer, fiepen und zwitschern. Als könnte man Fenster nicht auch still und leise öffnen oder eine Datenbank ohne ein Geräusch durchsuchen, das klingt, als ob etwas im Ventil der Dampfheizung klemmt. Auch die James Bond-Filme Casino Royale und mehr noch Ein Quantum Trost verfügen über wahrlich geheimdiensttaugliche Technik. Generell treiben diese, wohl von Minority Report ausgelösten fantasievollen Benutzeroberflächen, dem normalen Benutzer die Tränen in die Augen: Die einzige Interpretationsmöglichkeit dieser Technik besteht scheinbar darin, sie als so fremdartig und unverständlich anzunehmen, dass man sich nur noch auf das Ergebnis konzentriert, nicht mehr auf die Details der Technik selbst.

Schade, denn man könnte so gut spielen mit bekannter Hard- und Software und ihren Tücken, aber eben auch mit ihren mitunter gewaltigen realen Fähigkeiten.

Dumm nur, wenn Filmemacher sich so sehr als Künstler sehen, dass sie selbst keine Ahnung von den Möglichkeiten, aber auch Grenzen der verfügbaren Technik haben. Also wird entweder der Karren gleich an die Wand gefahren wie bei dieser Szene aus Alarm für Cobra 11 , die den deutschen Supergau in Sachen Computertechnik im TV darstellen dürfte. Oder aber man schreibt Menschen und Geräten gewaltige Fähigkeiten zu und pocht auf die Unkenntnis des Zuschauers, der schon glauben wird, was man ihm da vorsetzt.

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