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"Apple Pay in Deutschland? Nicht vor 2017"

31.05.2016 | 13:40 Uhr | Tillmann Braun

Deutschland gilt im Allgemeinen als ein E-Geld-Muffel. Was Apple Pay hierzulande noch hindert, haben wir einen Experten befragt.

Mit Apple Pay ist kontaktloses Bezahlen plötzlich in aller Munde. Noch kann man hierzulande jedoch nicht mit seinem iPhone zahlen. Und das, obwohl Bargeld in Deutschland lĂ€ngst nicht mehr die Stellung hat wie noch vor einigen Jahren. Der Handel ist ebenfalls gut vorbereitet. Dennoch dĂŒrfte es dauern, bis Apple Pay in Deutschland eingefĂŒhrt wird. ZunĂ€chst mĂŒssen unter anderem die Banken mitspielen.

Bis vor Kurzem waren lediglich rund 60.000 der deutschlandweit 800.000 Bezahlterminals fĂŒr kontaktloses Bezahlen bereit. Doch seitdem die Discounter Anfang des Jahres eingestiegen sind, steigt die Zahl der LĂ€den und Terminals stark an. Wer die bequeme Bezahlform nutzen möchte, findet in Deutschland mittlerweile in allen Lebenslagen Möglichkeiten dafĂŒr.

Diese Anbieter sind fĂŒr Apple Pay bereit

Mit Aldi Nord und Lidl setzen neuerdings auch zwei der grĂ¶ĂŸten Ketten auf kontaktloses Bezahlen. Auch in vielen Filialen von Kaufhof, Karstadt, Penny, OBI, Kaisers und Edeka lĂ€sst sich mittlerweile quasi im Vorbeigehen bezahlen. AuffĂ€llig ist allerdings, dass unter den großen Payback-HĂ€ndlern nur Aral kontaktloses Bezahlen flĂ€chendeckend unterstĂŒtzt. Bei Rewe sind es beispielsweise nur einzelne HĂ€ndler. Und das, obwohl Rewe wie auch dm und Penny bereits die Terminals flĂ€chendeckend getauscht haben. Eine ErklĂ€rung fĂŒr dieses Vorgehen könnte sein, dass die Unternehmen ihr eigenes Bezahlverfahren Payback Pay schĂŒtzen wollen, das am 1. Juni bei dm startet. Real wird im Juli dazu stoßen. Bei Rewe ist das System fĂŒr den Herbst geplant.

Lange Zeit galt Deutschland als das Bargeldland schlechthin. Und Bargeld ist auch weiterhin populĂ€r. Mittlerweile wird mit bargeldlosen Verfahren jedoch ebenso viel Umsatz erzielt wie mit MĂŒnzen und Scheinen. Die Girocard und das elektronische Lastschriftverfahren (ELV) bleiben dabei die populĂ€rsten Bezahlverfahren jenseits des Bargelds. Doch auch die KreditkartenumsĂ€tze stiegen 2015 laut EHI auf 22,9 Mrd. Euro, was einem Anteil am Gesamtumsatz von 5,7 Prozent (2014: 5,3 Prozent) entspricht.

Kompakt: Fragen und Antworten zu Apple Pay und mobilem Bezahlen

1. Wie verbreitet sind die kontaktlosen Zahlmöglichkeiten in Deutschland?

Genaue Zahlen kann ich leider nicht liefern, aber dadurch, dass die Discounter Anfang des Jahres auch eingestiegen sind, kann man sagen: Wer will, kann heute flĂ€chendeckend kontaktlose Bezahlmöglichkeiten fĂŒr alle Lebenslagen finden.

2. Welche große und kleinere Ketten sind mit NFC-Points-of-Payments ausgestattet?

Interessanter ist eigentlich, wer hier nicht mit macht. AuffĂ€llig ist, dass unter der den großen Payback-HĂ€ndlern nur Aral kontaktlose Zahlungen ĂŒberall anbietet. Real und dm stehen außen vor. Bei Rewe sind es nur einzelne HĂ€ndler, in der Masse aber nichts und auch die Rewe-Tochterunternehmen unterstĂŒtzen das kontaktlose Bezahlen trotz aktueller Terminals nicht.

Ich meine, die Anbieter wollen ihre eigene Bezahlverfahren Payback Pay, das am 1. Juni bei dm startet, schĂŒtzen und den Kunden erst mal nicht fĂŒr etwas anderes begeistern. Real wird im Juli dazu stoßen und bei Rewe ist das System fĂŒr den Herbst geplant.

3. Wie sieht die Ausstattung im Vergleich zu den anderen Nachbar-LĂ€ndern – UK, Frankreich oder Spanien?

Der Vorreiten Frankreich ist auf das Level von Deutschland zurĂŒck gefallen. Spanien und UK sind weiter, UK hat dann noch die Parade Anwendung TfL (Transport for London). UK bietet Apple Pay bereits an, Spanien soll bald darauf folgen.

4. Wie verbreitet ist die bargeldlose Zahlung in Deutschland bei den Endkunden?

Bargeldlos nach Umsatz ca. 50 Prozent

Nach Zahl der Transaktionen unter 30 Prozent, meine ich.

5. Wie sieht es aus im Vergleich mit den USA? (Vergleich EndgerĂ€te oder Zahlstellen oder Akzeptanz, oder eine Übersicht aus allen drei?)

Die USA sind gar nicht so der Überflieger im kontaktlosen Bezahlen, wie man meint. Spanien, UK und Polen sowie Australien oder Fernost sind da wesentlicher weiter. In den USA mĂŒssen die Banken gerade die Umstellung von Magnetstreifen auf Chip bewerkstelligen.

6. Ob Deutschland fĂŒr Apple Pay ein interessanter Markt ist? Gute Frage:

1. Apple hat nach GerÀten nur einen Marktanteil von unter 20 Prozent, durch Apple Pay könnte das vielleicht einen Push erfahren.

2. Die Banken mĂŒssen mitmachen. Das Problem löst sich, sobald eine Bank aus der Verweigerungshaltung ausschert. Dann knicken die anderen Wettbewerber ein. Das haben wir bereits in UK, Australien und Kanada gesehen.

3. Alle HĂ€ndler, die zur Zeit keine kontaktlosen Kreditkarten nehmen, werden innerhalb kĂŒrzester Zeit umschwenken, auch die Payback-HĂ€ndler!

Fokus auf Apple Pay:

1. Das ist meiner Meinung nach in erster Linie ein kommerzielles Problem. In den USA zahlen die Banken 0,15 Prozent einer Kreditkarten Transaktion an Apple. Dort sind die KartengebĂŒhren fĂŒr die Banken aber wesentlich höher. Nach der Regulierung bekommt die Bank 0,3 Prozent. Wenn in Europa die gleichen Preise kommen wie in den USA, wĂ€re das die HĂ€lfte. Deshalb wĂ€re es sehr interessant, wie viel Apple in UK verlangt. Da ist bisher aber noch nichts durchgedrungen.

2. Nach einer kommerziellen Einigung kommt noch die technische Integration. Auch wenn bei Apple Pay die Integration wesentlich einfacher ist , mit ca sechs Monaten muss eine Bank schon rechnen. Daher ist 2016 fĂŒr einen Deutschland-Launch nahezu ausgeschlossen.

3. Eine andere Variante wÀre dass Apple Pay wie in Kanada, Australien und Spanien erst mal nur mit AMEX (American Express) in den deutschen Markt geht.

Allerdings ist die AMEX-Karte ist nicht so stark verbreitet und von den Anbietern, die AMEX unterstĂŒtzen, haben die wichtigsten noch nicht auf kontaktlos umgestellt .

Interessant wĂ€ren hier dm, Real und Rewe. Die Supermarkt-Ketten fĂŒhren aber gerade Payback Pay, das auf einem gĂŒnstigen Lastschriftverfahren basiert. Die Anbieter wĂ€ren alles andere als erfreut, wenn Ihnen der Payback-Mutterkonzern AMEX mit einem Apple-Pay-Launch in die Parade fĂ€hrt.

Tillmann Braun

Wo steht Deutschland im Vergleich mit anderen LĂ€ndern?

Damit holt Deutschland im Vergleich zu anderen europĂ€ischen LĂ€ndern langsam aber sicher auf. Frankreich, ursprĂŒnglich der Vorreiter des kontaktlosen Bezahlen mit dem Handy, dĂŒrfte mittlerweile auf einem Level mit Deutschland liegen. Die Zugpferde heißen Spanien und das Vereinigte Königreich mit seinem Parade-Beispiel TfL ( Transport for London ). Hier kann man schon seit Jahren fĂŒr die U-Bahn und den Bus kontaktlos bezahlen. Nicht umsonst sind die beiden LĂ€nder so auch die ersten Anlaufstellen fĂŒr Apple Pay in Europa.

Mit der EinfĂŒhrung von Apple Pay gelten die USA in den Augen der Öffentlichkeit hĂ€ufig als Überflieger im Bereich des kontaktlosen Bezahlens. Dabei ist man nicht nur in Spanien und UK, sondern auch in Polen sowie Australien oder auch Fernost deutlich weiter. In den USA steht man derzeit unter anderem vor der Herausforderung, die Umstellung von Magnetstreifen auf Chip zu bewerkstelligen.

Ob Deutschland fĂŒr Apple Pay ein interessanter Markt ist, muss sich erst noch zeigen. Der Handel ist im Prinzip vorbereitet. Und selbst die HĂ€ndler, die zurzeit keine kontaktlosen Kreditkarten akzeptieren, wĂŒrden voraussichtlich innerhalb kĂŒrzester Zeit umschwenken – auch die, die nun auf Payback Pay setzen. Kreditkarten sind zwar immer noch teurer, aber durch die Regulierung ist der Abstand zur Girocard fĂŒr den Handel nicht mehr so groß.

Ein grĂ¶ĂŸeres Problem ist dagegen, dass Apple in Deutschland nach GerĂ€ten lediglich einen Marktanteil von unter 20 Prozent hat. Denkbar ist, dass sich dies durch Apple Pay Ă€ndert. ZunĂ€chst mĂŒssen jedoch die Banken mitspielen. Sobald eine Bank aus der Verweigerungshaltung ausschert, dĂŒrfte das Problem gelöst sein. Denn dann werden wohl auch alle anderen Banken folgen, das konnte man bereits in UK, Australien und Kanada beobachten.

Statistik: Marktanteil des Apple iPhone am Absatz von Smartphones in Deutschland von Januar 2012 bis MĂ€rz 2016 | Statista

GeschĂ€ftsbedingungen fĂŒr Apple Pay

Vor der EinfĂŒhrung von Apple Pay in Deutschland steht zunĂ€chst ein kommerzielles Problem. In den USA zahlen die Banken 0,15 Prozent einer Kreditkarten-Transaktion an Apple. Allerdings sind die KartengebĂŒhren fĂŒr die Banken in den USA wesentlich höher. Nach der Regulierung bekommt die Bank 0,3 Prozent. Wenn in Europa die gleichen Preise kommen wie in den USA, liefe dies also gerade einmal auf die HĂ€lfte hinaus. Wie viel Apple in UK verlangt, ist bislang leider nicht bekannt.

Nach einer kommerziellen Einigung muss mit der technischen Integration die nĂ€chste HĂŒrde genommen werden. „Auch wenn bei Apple Pay die Integration durch die Tokenisation wesentlich einfacher ist: mit ca. 6 Monaten muss eine Bank schon rechnen – eventuell sogar lĂ€nger“, prognostiziert Rudolf Linsenbarth vom Beratungsunternehmen Cocus. „Daher ist 2016 fĂŒr einen Deutschland-Launch von Apple Pay nahezu ausgeschlossen“, ist sich Linsenbarth sicher.

Denkbar wĂ€re auch, dass Apple Pay wie in Kanada, Australien und Spanien erst einmal nur mit AMEX in den deutschen Markt geht. Allerdings ist die AMEX-Karte nicht stark verbreitet. Und von den HĂ€ndlern, die AMEX akzeptieren, haben die wichtigsten noch nicht auf kontaktloses Bezahlen umgestellt. Hinzu kommt, dass dm, real und REWE derzeit Payback Pay einfĂŒhren, das auf einem gĂŒnstigen Lastschriftverfahren basiert. Folglich wĂ€ren die Unternehmen wohl wenig begeistert, wenn ihnen der Payback-Mutterkonzern AMEX mit einem Apple-Pay-Launch plötzlich in die Parade fĂ€hrt.

Vor diesen HintergrĂŒnden ist davon auszugehen, dass Apple Pay nicht vor 2017 nach Deutschland kommt. Viel lĂ€nger sollte es dann allerdings nicht mehr dauern.

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