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Face App: Aufregung um die russische App wohl etwas übertrieben

20.07.2019 | 16:20 Uhr | Stephan Wiesend

Face App hat vor allem durch seine extremen Nutzungsbedingungen viel Aufsehen erregt, dabei ist es damit nicht allein.

„Lässt Putin uns alle alt aussehen“ titelte die Bild-Zeitung und warnte, wie viele andere Medien vor der App Face App aus Russland - eine beliebte App von Wireless Lab , mit der man sein Porträtfoto künstlich altern oder verjüngen kann. Bei der Nutzung erlaube man den Betreibern der App allerdings besonders weitgehende Nutzungrechte. Diese Woche sorgte das zu starker Kritik in sozialen Medien und Nachrichtenseiten. Ein US-Senator befürchtete sogar, Daten von US-Bürgern könnten in die Hände des russichen Staates geraten. Auch wir berichteten. 

Nicht nur Danny Bradbury von der Sicherheitsfirma Sophos wundert sich allerdings, wie es zu diesem großen Aufsehen kam. Probleme mit zu weitgehenden Nutzungsbedingungen sind nicht neu. So sind laut Bradbury die Datenschutzbestimmungen der App Accuweather ähnlich weitgehend, sammelt die Wetter-App doch sogar Standortdaten seiner Nutzer und darf laut seinen AGB Geräte-IDs und persönliche Daten sammeln. Die Auswertung von Privatfotos ist ebenfalls kein Einzelfall: Auch Youtube und IBM nutzten schließlich Millionen an Personenfotos für die Weiterentwicklung ihrer Anwendungen, IBM etwa Fotos von Flickr für das Trainieren der firmeneigenen Gesichtserkennung. Facebook kann Nutzerbilder für für Anzeigen und gesponserter Inhalte verwenden.

Wie Veit vermutet, hat das große Aufsehen andere Ursachen: Die Geschäftsbedingungen sind ungewöhnlich krass formuliert, so verlangt die App eine „perpetual, irrevocable, nonexclusive, royalty-free, worldwide, fully-paid, transferable sub-licensable license“ und das Herkunftsland der App ist eben Russland. Dabei hat das Unternehmen mittlerweile gegenüber der Presse mitgeteilt, dass Bilder meist nach 48 Stunden automatisch von den Servern gelöscht werden. Für die Bearbeitung müssen die Fotos aber hochgeladen werden, da die Umwandlung per Serverdienst erfolrt. Die Daten selbst werden außerdem gar nicht in Russland verarbeitet, sondern auf den Servern von Google Cloud und Amazon AWS.

Unsere Meinung

Bei einem ersten Blick in die Geschäftsbedingungen der App ist man zu Recht geschockt, wenn auch von der App offensichtlich keine echte Gefahr für die Daten der Nutzer ausging. Offenbar wurden die Fotos ja nicht ausgewertet, sondern zumeist nach der Bearbeitung automatisch wieder von den Servern gelöscht. Beim Thema persönliche Daten ist die Öffentlichkeit aber offensichtlich etwas sensibler geworden – was wir als ein gutes Zeichen sehen.

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