2556532

Facebook mit PR-Kampagne gegen Apple und iOS 14

17.12.2020 | 13:55 Uhr | Halyna Kubiv

Seit iOS 14.3 ist es für die App-Entwickler Pflicht, im App Store darauf hinzuweisen, welche Daten die App so sammelt.

Bereits im Sommer hat Facebook gegen eine Neuerung in iOS 14 protestiert: Die App-Entwickler sollen transparent zeigen, welche Daten die eigene App auf dem Gerät überhaupt sammelt und auswertet . Apple hat die Pflicht für diese Infos nicht im September mit iOS 14, sondern nur vor wenigen Tagen mit iOS 14.3 eingeführt. Als Reaktion darauf hat Facebook in den großen US-Zeitungen eine Werbe-Kampagne gestartet , die Anzeigen liefen teils über eine ganze Seite. Facebook wird Umsätze verlieren, weil Kleinunternehmen, die auf Facebook werben, mit der Neuerung die Möglichkeit verlieren, personalisierte Anzeigen zu schalten und relevanten Zielgruppen zu erreichen. Etwas ausführlicher als in den gedruckten Anzeigen beschreibt Facebook sein Anliegen in dem aktuellen Blogpost :

Die Hauptkritik-Punkte an Apples neuer Regelung:

  • Apples Tracking-Hinweis dient nicht der Transparenz, sondern dem Profit von Apple.

  • Diese Regelung ist schädlich vor allem für kleine Unternehmen und Inhalte-Anbieter, die schon eh unter Covid-19-Pandemie leiden

  • Apple hält sich nicht an seine eigenen Regeln

  • Facebook habe keine Wahl, als sich Apples Regeln zu beugen.

Facebooks Argumentation in den ersten zwei Punkten bezieht sich vor allem auf die personalisierte Werbung, wie die Nutzer, Firmen etc. über Facebooks Ad Manager schalten können. Die Prämisse dafür ist, dass nur über die personalisierte Werbung Firmen neue Kunden erreichen und so überleben oder gar wachsen können. Die Inhalte-Anbieter (auf Facebook und beteiligt an Facebooks Werbenetzwerken) würden fortan weniger Werbeumsätze erhalten und sich gezwungen sehen, ihre Inhalte gegen Abo-Zahlungen anzubieten.

Zudem weist Facebook auf Apples eigenes Werbenetzwerk im App Store hin, das ebenfalls eine personalisierte Werbung erlaube.

Unsere Meinung: Es ist gut und richtig, Apple für Verfehlungen zu kritisieren. Das Unternehmen ist mittlerweile so groß und einflussreich, dass einige Änderungen nur auf Druck von Behörden, Nutzer, Presse und der Konkurrenz passieren können. Allerdings ist auch Facebook schon längst kein cooles Startup aus dem Silicon Valley mehr, sondern ein digitaler Riese aus der Liga von Google, Apple & Co. Der Jahresumsatz des Unternehmens betrug 2019 70,7 Mrd. USD, der Jahresgewinn – 18,49 Mrd. USD .

Die Argumentation von Facebook erinnert sehr an die Argumentation von Epic Games im Prozess gegen Apple: Die kleinen Entwickler, oder in diesem Fall Kleinunternehmen, leiden unter Apples Regelungen, man wolle nur noch diesen Kleinunternehmen eine eigene Stimme verleihen. Facebook lässt in dieser Argumentation eigene Interessen aus, Facebooks Geschäftsmodell besteht jedoch fast ausschließlich aus Werbeumsätzen: 2019 hat das Unternehmen 69,655 Mrd. USD Dollar aus Werbung umgesetzt und nur 1,042 Mrd. USD aus anderen Quellen , was umgerechnet 98,6 Prozent aller Umsätze für Werbung bedeutet. Und die Transparenz-Hinweise in iOS 14.3 sind eben nur Hinweise: Der Nutzer kann einsehen, welche Daten die Dritt-App von dem Gerät bezieht, hat jedoch keine Möglichkeit, sämtliche oder einige der Daten-Quellen abzuschalten.

Macwelt Marktplatz

2556532