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Facebook sammelt Gegner auf einer Liste und ortet deren Standorte

11.03.2019 | 09:27 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Facebook führt eine Überwachungsliste für seine Gegner. Und kann sogar deren aktuellen Aufenthaltsort ermitteln. Deutsche Datenschützer sind entsetzt und verlangen Aufklärung.

Vor wenigen Tagen erst verblüffte Mark Zuckerberg die Öffentlichkeit mit seiner Ankündigung, dass ausgerechnet Facebook künftig den Schwerpunkt auf Datenschutz legen möchte. Jetzt berichtet das ZDF unter Berufung auf CNBC aber von einer genau gegenteiligen Entwicklung: Demnach überwacht und ortet Facebook seine "Gegner".

Facebook führe laut dem ZDF-Bericht eine "Beobachtungsliste" für Personen, die Facebook als seine „Gegner“ bezeichnet. Facebook soll die Existenz einer solchen „Gegnerliste“ gegenüber dem ZDF bestätigt haben. Das ZDF zitiert eine Facebook-Sprecherin folgendermaßen: "Es gab Fälle, in denen Personen öffentlich gegenüber Facebook Drohungen ausgesprochen haben." Facebook erklärt aber nicht den Inhalt der Drohungen.

Facebook soll die Überwachungsliste intern als "Bolo" ("be on outlook" - unter Beobachtung) bezeichnen. Diese Liste soll einmal pro Woche aktualisiert werden. Facebook soll diese Liste für seine „Gegner“ bereits 2008 eingerichtet haben und 2016 sollen mehrere Hundert Namen darauf gestanden sein. Zu jedem Namen stünde der Grund für die Aufnahme in die Liste sowie ein Foto der überwachten Person und deren Standort.

Wie viele Personen sich auf dieser Liste befinden, sagt Facebook nicht. Facebook räumt aber ein, dass es den „aktuellen Aufenthaltsort derjenigen orten kann, deren Namen sich auf der Beobachtungsliste befinden“. Das erfolge zum Beispiel über die Facebook-App auf dem Smartphone des oder der Überwachten. Über die IP-Adressen kann Facebook außerdem den PC des Kritikers identifizieren.

Professor Johannes Caspar, der hamburgische Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit, verlangt von Facebook eine Erklärung und hat Facebook einen Fragenkatalog dazu übermittelt. Caspar will unter anderem wissen, wie viele Personen aus Deutschland auf Facebooks Gegnerliste stehen. Außerdem will er die Gründe wissen, weswegen man auf Facebooks Überwachungsliste landen kann.

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