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Facebook will Selbstmorde verhindern

15.06.2016 | 11:51 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Facebook schaltet derzeit weltweit neue Funktionen frei, mit denen Selbstmorde verhindert werden sollen.

Am Dienstag stellte Facebook in einem Posting die neuen Mechanismen und Prozesse vor, mit denen Facebook-Mitglieder leichter ihren Facebook-Freunden helfen können sollen, wenn diese Statusmeldungen veröffentlichen, aus denen hervorgeht, dass sie mit dem Gedanken spielen sich umzubringen. Die Facebook-Nutzer können Postings von Facebook-Kontakten markieren, die sie fĂŒr Hinweise auf Selbstmordgedanken halten. Ein eigens eingerichtetes Team bei Facebook wird diese gekennzeichneten Postings dann unter die Lupe nehmen. Sollten die Facebook-Mitarbeiter zu dem Ergebnis kommen, dass der Facebook-Nutzer tatsĂ€chlich gefĂ€hrdet ist, dann nehmen sie mit diesem Kontakt auf.

Der Zeitpunkt fĂŒr die neue Facebook-Initiative kommt nicht von ungefĂ€hr. Denn die Selbstmordrate hat in den USA ein 30-Jahreshoch erreicht.

Das Selbstmordgefahr-Warn-Tool besteht aus einem Drop-Down-MenĂŒ, mit dem man bedenklich erscheinende Postings direkt melden kann. Diese Funktion gab es laut Facebook fĂŒr englisch sprechende Nutzer schon lĂ€nger, Facebook schaltet diese MenĂŒ nun aber weltweit und in allen Sprachen frei. Bisher mussten nicht englisch sprechende Nutzer fĂŒr die Meldung von Postings, die auf Selbstmordgedanken hinweisen, eine eigens eingerichtete Formularseite verwenden. Dieser Umweg ist nun nicht mehr nötig, stattdessen kann man bedenklich erscheinende Postings direkt markieren. In unserem Facebook-Account war die neue Funktion jedoch noch nicht frei geschaltet.

Die markierten Postings landen dann direkt bei Facebooks Suizid-PrÀventions-Team. Dieses rund um die Uhr arbeitende Team soll mehrere 100 Mitarbeiter umfassen und weltweit tÀtig sein. Diese Postings sollen bevorzugt begutachtet werden, insbesondere dann, wenn aus ihnen hervorzugehen scheint, dass sich jemand etwas antun will.

Wer das Selbstmord-Warntool nutzt und ein Posting darĂŒber meldet, kann ĂŒber das MenĂŒ dem gefĂ€hrdet erscheinenden Facebook-Freund auch direkt eine Nachricht schicken. Oder andere Facebook-Kontakte einschalten, damit man gemeinsam hilft. Facebook will dafĂŒr Textvorlagen bereitstellen. Man soll aber auch eigene Texte dafĂŒr eingeben können. ZusĂ€tzlich stellte Facebook Listen mit Notruf-Telefonnummern und Material zur PrĂ€vention bereit.

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Sofern das Facebook-Team die Meldung als tatsĂ€chlich suizid-gefĂ€hrdet beurteilt, wird dem gemeldeten Facebook-Nutzer bei diesen nĂ€chsten Login auf Facebook eine Liste von Hilfemöglichkeiten mit Telefonnummern und Materialien angezeigt. Außerdem nimmt das Facebook-PrĂ€ventionsteam mit ihm Kontakt auf. DrĂ€ngt die Gefahr will Facebook auch direkt die Polizei einschalten.

Facebook hat dafĂŒr mit verschiedenen Hilfs-Organisationen wie Forefront, Lifeline, und save.org zusammengearbeitet. Bei knapp 1,65 Milliarden Nutzern hat die neue Selbstmord-Verhinderungs-Technik das Potenzial viele Menschenleben retten zu können. Wobei das natĂŒrlich nur fĂŒr solche Facebook-Nutzer gilt, die aktiv auf Facebook schreiben. Reine Mitleser und völlig passive Facebook-Nutzer kann man mit den Tools natĂŒrlich nicht als potenzielle Selbstmörder erkennen.

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