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Farbe und Feuerdraht

24.01.2009 | 00:00 Uhr

Farbe und Feuerdraht

Der Supercomputer Power Mac G4
Vergrößern Der Supercomputer Power Mac G4

Dass nicht nur Microsoft die Rolling Stones für die Werbung engagieren kann, bewies Apple mit dem Spot " Colors ", in dem das Unternehmen die Farben in die Industrie brachte. Schnell wurde Apple nicht nur unterstützt, sondern auch kopiert, halbtransparentes Plastik in frischen Farben war plötzlich en vogue. Apple hielt sich damit nicht lange auf, das Unternehmen hatte wieder zur Innovation gefunden und brachte neue Technologien in seine Produkte ein. Der G3 hatte als erster Desktoprechner den schnellen Standard IEEE1384 an Bord, den Apple " Firewire " nennt. Gegenüber USB 2 sollte sich Firewire im Endeffekt nicht durchsetzen, bis der neue schnellere Standard zur Marktreife kam, hatte Apple aber einen Geschwindigkeitsvorteil. 1999 verlor Apple jedoch allmählich den für das Marketing wichtigen Vorsprung bei den Prozessortaktraten, Motorola konnte immer weniger mit den Anforderungen des Marktes in Bezug auf hohe Taktraten Schritt halten. Stattdessen setzte Apples Chip-Lieferant auf andere Technologien, im G4-Chip, der ab September 1999 in die High-End-Desktops verbaut wurde, steckte eine Vektoreinheit, die Aufgaben mit Hilfe gleichzeitiger Berechnung von (Vektor-)Daten beschleunigte. "Velocity Engine" oder "Altivec" hieß diese Technologie. Dass Apple im Oktober schon die Spezifikationen reduzieren musste, dürfte auf das Verhältnis des Herstellers zu seinem Chip-Lieferanten nicht die besten Auswirkungen gehabt haben. Den 7400er-Chip konnte Motorola nicht in ausreichenden Stückzahlen liefern, statt 450 MHz für das Einsteigermodell und 500 MHz für das bessere der Power Macs G4 (AGP) bot Apple Konfigurationen mit 400 MHz respektive 450 MHz an - zu sonst gleichen Konditionen. Das war womöglich der erste und einzige "Speed-Dump" der PC-Geschichte. Dabei hatte Apple seinen neuen Rechner doch liebevoll "Supercomputer" bezeichnet, die Maschine sei so schnell, dass sie unter das US-Exportverbot fiel. Nicht wirklich - denn Power Macs G4 waren auch außerhalb der USA zu bekommen - aber Apples Werbeagentur hatte einen Aufmacher für einen etwas martialischen TV-Spot .

Keine Handtasche, kein Schminkspiegel: Das iBook in tangerine
Vergrößern Keine Handtasche, kein Schminkspiegel: Das iBook in tangerine

Ebenfalls im Jahr 1999 setzte das drahtlose Internet zu einem ersten Höhenflug an, Apple bot seine Consumernotebooks "iBook" optional mit einer Funkkarte an. Den WLAN-Standard IEEE 802.11 nannte Apple "Airport" und lieferte mit einer "Ufo" genannten Basisstation auch gleich die Verbindung ins Netz mit. Erfunden hat Apple den Drahtlosfunk nicht, aber sich als erster getraut, seine Produkte mit der Technologie einzusetzen.

iMac DV/SE
Vergrößern iMac DV/SE

Der im Herbst herausgekommene überarbeitete iMac hatte nicht nur Firewire mit eingebaut und war für Airportkarten gerüstet, auch ein Einzugslaufwerk, wie man es bis dato von Autostereoanlagen kannte, buhlte um die Kundschaft. Diese sollte aber eine Büroklammer stets bereit halten, denn im iMac DV war das Slot-loading-drive noch nicht so zuverlässig, gerne blieb einmal eine Scheibe hängen. Dann galt es, den winzigen Auswurfknopf neben dem Slot mit einer verbogenen Büroklammer zu treffen.

Das "DV" in der Produktbezeichnung stand für "Digital Video", denn damit sollten sich die mit Firewire ausgestatteten Rechner nach Apples Wünschen befassen. Zu den iMac DV, die es in den seit Januar bekannten fünf Farben gab, gesellte sich ein sechstes Modell, der besser ausgestattete iMac DV SE in einem transparenten schwarz-grau, das Apple Graphite nannte.

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