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Fazit

06.12.2006 | 13:05 Uhr | Peter Müller

Freundlich empfängt uns nach Einlegen der CD 2 mit den benötigten Daten das Multimedialexikon. Das Layout ist in freundlichen warmen Brauntönen gehalten, vor dem Bürofenster herbstelt es schließlich heftig. In der linken Spalte sind Hunderte von Bands alphabetisch aufgelistet, in der Mitte findet man die Informationen zu den Künstlern, rechts ein paar Links zu den auf der CD enthaltenen Soundbeispielen. Wir stürzen und gleich in den ersten Eintrag und hören kurz in 10cc’s „Dreadlock-Holiday“ herein. Fürwahr, die Band stammt aus dem kalten Manchester und nicht aus dem karibischen Kingston.... In einer frei schwebenden Palette öffnet sich ein Player, mit dem man die gehörten Titel in eine oder mehrere Playlisten packen oder die daraus entfernen kann. Soweit, so schön. Über ABBA lernen wir beim Überfliegen des informativen Lexikoneintrags, dass die Band Bedenken hatte, ihre Vornamen zu einem Akronym zu basteln, denn schließlich hieß in Schweden eine Fischfabrik genauso. Wollen wir mal so stehen lassen.

Bei unserer nächsten Stichprobe fällt uns gleich ein Fehler ins Auge: AC/DC-Sänger Bon Scott ist in der Nacht vom 18. auf den 19. Februar 1980 gestorben, und nicht, wie das Lexikon behauptet, am 20. Februar 1980. Gut, man kann sich ja vertippen. Aber dann finden wir weitere Fehler und vor allem jede Menge Lücken.

ABBA und AC/DC hat ja wohl jedes Vernünftige Rocklexikon, wie sieht es mit den Exoten aus? Die Kölsch-Rocker von BAP sind dabei, was uns besonders freut, schließlich beobachten wir die Band von Wolfgang Niedecken seit zwanzig Jahren. Die Autoren des Rock-Lexikosn haben jedoch zehn Jahre später schon ihre Beobachtungen eingestellt, 1996 endet die Geschichte der Band. Et ess viel passiert sick her! Verwundert sehen wir auf die Hörbeispiele, denn dort sind auch welche vom jüngsten Album „Dreimal zehn Jahre“ zu finden. Das Hörbeispiel aus BAP-Urzeiten ist jedoch falsch verlinkt, statt „Verdamp lang her“ gibt uns die CD einen Ausschnitt aus „Ne schöne Jroos“ zum Besten. Auch das kann passieren und stört außerhalb von Köln nur wenige Leute. Marillion fehlt komplett, aber eine Band, die nur einmal, und das vor 21 Jahren einen Top-Ten-Hit hatte, kann man in einem Lexikon, dass auf zwei CDs oder eine DVD passen muss, durchaus weglassen. Immerhin: Franz Ferdinand und Gorillaz sind aufgeführt, inklusive ihrer letzten Alben aus dem Jahr 2005, wie wir bei einer weitere Stichprobe feststellen.

Von Großbritannien wieder zurück nach Deutschland. Xavier Naidoo ist dabei, hat aber laut Lexikon seit 2003 nichts mehr veröffentlicht, zumindest nennt es keine Werke mehr. Dabei war Naidoos Jahr 2006 doch fast so erfolgreich wie das des DFB-Teams. Westernhagen? Hat man schon länger nichts mehr von gehört, das ist aber kein Grund, sein 2005er-Album „Nahaufnahmen“ wegzulassen. Und wenn wir schon mal bei „W“ sind: Natürlich fehlt auch das wundersame Comeback der Kim Wilde. Richtig hingegen ist, dass der größte Hit von „Wet Wet Wet“ ein Cover eines Songs der Troggs ist. Dass aber „Love is all around“ erst als Soundtrack von „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ zum Welterfolg wurde, unterschlägt das Nachschlagewerk. Gut, „The Who“ haben erst im Herbst 2006 sich wieder zurückgemeldet, so gnädig wollen wir diesen fehlerhaften Eintrag bewerten. Damit beenden wir unsere Stichproben unter „W“ und widmen uns der größten Band aller Zeiten, den Beatles.

Der Eintrag ist soweit wir sehen korrekt und vollständig, es fehlen auch nicht die Querverweise auf die Einträge zu John Lennon und Paul McCartney. Dass George Harrsion seit 2001 tot ist, weiß das Lexikon immerhin, widmet ihm aber leider keinen eigenen Eintrag. Aber hatten die Beatles nicht mehr veröffentlicht, als es uns die spärlich vorhandenen Hörbeispiele glauben lassen?

Hiermit kämen wir zum erfreulicheren Teil, denn neben dem Lexikon mit Einträgen zu Hunderten von Künstlern verfügt der Titel auch über einen Musikkatalog mit Hörbeispielen zu Tausenden von Bands und Sängern. Die uns nicht vorliegende DVD-Version bietet nach Verlagsangaben 42.000 Hörbeispiele, auf der CD sind es 1.000. Der große Rest ist auf der Website von Musicline.de hinterlegt, 1,2 Millionen Titel sollen es sein. Ob unser Rechner die Klangbeispiel von CD oder aus dem Web lädt, fällt bei unserer Breitbandleitung nicht auf. Im Musikkatalog finden wir erfreulich aktuelle Beispiele, die uns im Lexikon abgegangen sind. Sogar Marillion sind dabei, annähernd komplett, und auch Fish, der bis 1988 für den schottischen Einschlag bei der englischen Art-Rock-Band sorgte, hat ein eigenes Archiv. Da verschmerzen wir sogar, dass Fish’s erstes Solowerk „Vigil in a Wilderness of Mirrors“ nicht aufgeführt ist, denn sonst ist der Musikkatalog erfreulich umfangreich, was die Bands und annähernd komplett, was die einzelnen Oeuvres betrifft.

Fazit

Auch wenn schon ein PC oder ein Mac mit Windows-Partition auf dem Schreibtisch steht: „Das Neue Rock & Pop Lexikon“ erfüllt seinen Anspruch kaum. Einzig der umfangreiche Musikkatalog mag zu gefallen, die Informationen sind mehr als lückenhaft. So, und jetzt fahren wir wieder Mac-OS X hoch.

Info: USM

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