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Ferndiagnosen bleiben weiterhin verboten

14.05.2001 | 00:00 Uhr |

Wenn man einem bestimmten Internet-Gesundheitsdienst
eine Liste seiner Wehwehchen durchtippt, antwortet dieser Dienst nach
Darstellung seines Herausgebers mit differenzierten Empfehlungen: Ein
Arztbesuch sei ratsam, dringend notwendig - oder «in diesem Fall tut
es auch ein Wadenwickel».

Mit der Wadenwickel-Empfehlung hat das «Mediportal» sich nach
Ansicht der Bundesärztekammer bereits über das Verbot hinweggesetzt,
das Ärzten Ferndiagnosen ohne Inaugenscheinnahme von Patienten
untersagt. An diesem Verbot wolle die Bundesärztekammer auch in
Zukunft festhalten, betonte am Montag Otmar Kloiber, Dezernent in
der Geschäftsleitung der Bundesärztekammer, auf einer Pressekonferenz
über Internet-Gesundheitsdienste in Bonn.

Internet-Gesundheitsdienste, die derzeit wie Pilze aus dem Boden
schießen, verstoßen laut Kloiber nicht selten gegen die ärztliche
Berufsordnung, bisher habe die Bundesärztekammer aber noch keine
Abmahnungen verschickt und sehe in solchen Internetdiensten auch
keine Konkurrenz für Deutschlands Ärzte. Diese Dienste seien
allerdings qualitativ sehr unterschiedlich und unterlägen keinerlei
Zensur.

Die Verbraucherzentrale NRW in Düsseldorf sieht in der zunehmenden
Zahl von «Mediportalen» die Gefahr, dass die «Schere zwischen
Wissenden und Unwissenden immer weiter klafft», da nicht jeder Zugang
zum Internet habe. Den Internet-Usern müsse geholfen werden, Seriöses
von Unseriösem zu unterscheiden und die Informationen von
Pharmafirmen, die einseitig ihre Produkte darstellten, und von
Scharlatanen zu erkennen, die ihre Heilungsversprechen für Geld an
den Mann bringen wollten. Hierzu habe die Verbraucherzentrale NRW
Orientierungshilfen für den Angebotsdschungel Gesundheitsmarkt
erarbeitet.

Das Bundesgesundheitsministerium sieht auch positive Seiten der
Gesundheits-Informationsdienste im Internet, warnt aber gleichzeitig,
dass die Informationen solcher «Mediportale» Arztbesuche nicht
ersetzen könnten. «Sie haben aber eine Ergänzungsfunktion», meinte
Edwin Smigielski, Abteilungsleiter im Ministerium. Auch er ist
der Auffassung: «Ferndiagnosen haben im Internet nichts zu suchen».
dpa

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