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Fiese Datenbank könnte Wechsel zu günstigem Strom- & Gas-Tarif verhinden

08.09.2020 | 14:30 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Laut NDR und SZ entstehen gerade Datenbanken, anhand derer Strom- und Gasanbieter Kunden erkennen können, die häufig den Versorger wechseln. Solchen Kunden könnte dann ein Wechsel in einen günstigen Strom- oder Gastarif erschwert werden. Update: Die Stellungnahmen von Schufa & Co.

NDR und Süddeutsche Zeitung wollen herausgefunden haben, dass die Schufa und die Münchner Wirtschaftsauskunftei CRIF Bürgel Datenbanken entwickeln, in denen die Daten von Strom- und Gas-Kunden gespeichert sind. Diese Datenbanken könnten Strom- und Gasanbieter nutzen, um gezielt solche Kunden schon vor Vertragsabschluss zu identifizieren, die häufiger ihren Versorger wechseln. Und diese dann als Neukunden ablehnen. Oder aber diesen Interessenten besonders günstige Tarife vorenthalten. Findet ein Strom- oder Gas-Kunde dann keinen anderen preiswerten Ambieter, droht im schlimmsten Fall der Grundversorgungstarif. Mit absurd hohen Preisen.

Kostenbewusste Kunden, die häufig den Anbieter wechseln, sind für die Strom- und Gasversorger relativ unattraktiv. Besonders dann, wenn die Kunden vor allem Tarife mit Bonus buchen und diese dann bereits nach einem Jahr - wenn der Bonus ausgezahlt wird oder ausläuft - wieder kündigen.

Tipp: PC-WELT-Tarifrechner für Strom und Gas

Laut NDR und SZ wollen sich die Datenschutzbehörden der Bundesländer Anfang November 2020 darüber abstimmen, ob eine derartige Datenbank beziehungsweise der Austausch dieser Kundendaten überhaupt rechtens ist. Denn bisher, so der NDR, dürfen nur die Daten von Kunden, die ihren Rechnungen nicht bezahlen oder betrügen, innerhalb der Branche ausgetauscht werden. Das ist ja der Zweck der Schufa. Doch die Weitergabe der Daten von vertragstreuen Kunden verstoße gegen den Datenschutz, zitiert der NDR den Datenschutzexperten Thilo Weichert. Das würde zudem den Wettbewerb unter den Anbietern zerstören.

Laut NDR und SZ hat die Schufa bereits eine Datenbank namens "Schufa-E-Pool" konzipiert. Diese soll die Schufa unter anderem damit bewerben, dass sie "wertvolle Hinweise zur Laufzeit des bestehenden Energievertrags enthalten soll“. Die Wirtschaftsauskunftei CRIF Bürgel soll laut den Berichten eine ähnliche Datensammlung entwickelt haben. Laut NDR und SZ hätten Schufa und/oder CRIF Bürgel bereits Strom- und Gasversorger wegen dieser Datenbank angesprochen.

Stellungnahme der Schufa

Die Schufa ist von dem Bericht von NDR und SZ offensichtlich nicht begeistert, wie man der Stellungnahme entnehmen kann, die uns die Schufa auf unsere Nachfrage zugeschickt hat:

„Die Berichterstattung des Norddeutschen Rundfunk (NDR) und der Süddeutschen Zeitung (SZ) sind in Bezug auf den von der SCHUFA geplanten, jedoch noch nicht zur Marktreife entwickelten E-Pool irreführend und rücken ihn in ein falsches Licht. In einem wettbewerbsintensiven freien Markt ist es das legitime Interesse eines Energieunternehmens, notwendige Informationen über mögliche Kunden zu erhalten.
 
Es war allerdings nicht das Ziel eines E-Pools, „Vielwechsler“ zu identifizieren um diese an der Möglichkeit des Wechsels ihres Energieversorgers zu hindern. Die Idee hinter einem E-Pool verfolgt entgegen den Darstellungen von NDR und SZ vielmehr das Ziel, branchenbezogene Informationen bereitzustellen, auf deren Basis Energieversorger entscheiden können, ob sie einem Verbraucher den Wechsel zu ihrem Unternehmen doch noch anbieten wollen, selbst wenn dieser aufgrund von vorherigen Zahlungsstörungen ansonsten nicht eingeräumt worden wäre. Dies ist in Märkten mit zunehmender Wettbewerbsintensität typischerweise zu beobachten.
 
Die bisher angedachte Konstruktion eines E-Pools ist auf die kolportierte Identifikation von „Vielwechslern“ schlicht nicht ausgelegt. Dies wurde seitens der SCHUFA gegenüber NDR und SZ im Rahmen der Recherche auch eindeutig klargestellt.
 
Wir verstehen es seit Gründung im Jahr 1927 als eine unserer Aufgaben, durch die Bereitstellung von relevanten Informationen, Unternehmen fundierte und sicherere Entscheidungen zu ermöglichen. Da Unternehmen das Interesse haben, Produkte und Leistungen zu verkaufen, geht es also grundsätzlich um das Ziel, Geschäft zwischen Verbrauchern und Unternehmen zu ermöglichen.“ Zitat Ende

Die Schufa betont noch, dass „ein E-Pool bisher weder Marktreife erlangt hat noch gar in Betrieb ist“.

Stellungnahme von CRIF Bürgel

Die CRIF Bürgel GmbH antwortete auf unsere Nachfrage folgendermaßen: „In Deutschland unterstützt die CRIF Bürgel GmbH circa 50.000 Kunden im Chancen- und Risikomanagement und ist bevorzugter Partner von Bank- und Finanzinstituten, Versicherungen, Telekommunikationsunternehmen, Unternehmen aus dem Bereich Energie, Handel und Gewerbe und e-Commerce… Datenschutzrechtliche Sicherheit war von Beginn an eine unserer zentralen Anforderungen an unsere bereits bestehenden Daten-Pools. Vor diesem Hintergrund haben wir die Aufsichtsbehörden stets proaktiv und transparent informiert und den Aufbau, die fachliche und die technische Umsetzung der Daten-Pools sowie die Wahrung und Umsetzung der Betroffenenrechte umfangreich mit den Aufsichtsbehörden erörtert.
 
Wir stehen mit Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen im Austausch, ob unser Angebot an Produkten und Dienstleistungen von deren Interesse ist bzw. wir wie die Branchen durch unsere Services unterstützen können.
 
Derzeit bieten wir keinen geschlossenen Datenpool für Energieversorger an. Wir bitten weiterhin um Verständnis, dass wir generell keine Auskunft über potentielle zukünftige Projekte geben. Im Falle einer Produkteinführung werden wir im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit in gewohnter Weise informieren." Zitat Ende
 

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