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Filemaker-Chef im Macwelt-Interview

11.01.2001 | 00:00 Uhr |

Am Rande der Macworld Expo hatten wir die Gelegenheitmit Filemaker-Chef Dominique Goupil über die Zukunftvon Filmaker Inc. und der Datenbanksoftware FilemakerPro 5 zu sprechen.

Macwelt: Wie steht es um Filemaker Pro für Mac-OS X?

Goupil: Momentan zeigen wir die Software auf der
Messe. Sie ist jedoch noch nicht fertig. Wer die
Apple-Keynote von Steve Jobs gesehen hat, weiß, dass
die meisten Programme für OS X im Sommer auf den Markt
kommen werden. Wir wollen jedoch mit Filemaker Pro für
Mac-OS X im Frühjahr fertig sein.

Macwelt: Gibt es Unterschiede zwischen den
Filermaker-Versionen für Mac-OS 9 und OS X?

Goupil: Wir werden noch nichts ankündigen. Fest steht
jedoch, dass Filemaker für Mac-OS X Gebrauch von den
Systemfunktionen machen wird. Die Software wird
deutlich stabiler sein und auch die
Speichermanagement-Funktionen von Mac-OS X nutzen
können. Umsonst bekommen wir quasi die PDF-Funktion
des Betriebssystems.

Macwelt: Wie schaut es mit der aktuellen Produktlinie
aus? Welche Neuerungen gibt es?

Goupil: Wir haben derzeit fünf Produkte auf dem Markt
wobei die Entwickler-Version von Filemaker Pro 5
sicherlich die meisten Funktionen bietet. Neu ist
unsere Datenbank für den Palm PDA. Wir haben das
Produkt bereits im Dezember angekündigt, die Macworld
Expo in San Francisco ist jedoch die eigentliche
Plattform für dieses Produkt. Filemaker Pro 5 liegt
die PDA-Version bei, da wir festgestellt haben, dass
mehr als 30 Prozent unserer Kunden einen Palm PDA
verwenden. Wichtig für uns: Mit dem Palm-Filemaker
stellen wir ein Produkt vor, dass nicht Mac-Only ist.
Wir halten uns an Steve Jobs' Aussage, dass die
Zukunft in den digitalen Peripherie-Geräten liegt. Der
Mac stellt jedoch die Schnittstelle dar.

Macwelt: Was halten sie von der Steve-Jobs-Vision,
dass der Mac eine Zukunft als üDigitale Schnittstelleä
zwischen MP3-Playern und Videorekordern hat?

Goupil: Die Keynote von Jobs war sehr gut. Ich muss
wirklich eingestehen, dass ich alle Ankündigungen
unterstütze und auch persönlich mag. Besonders wichtig
finde ich das Auslieferungsdatum von Mac-OS X. Aber
auch die Hardware ist gelungen. Steve Jobs Vision
teile ich ebenfalls. Schauen Sie nur auf unser neues
PDA-Produkt. Auch wir denken, dass der Mac die
Schnittstelle zwischen unterschiedlichen Geräten und
Medien darstellen wird. Apple ist die einzige Firma,
die ein derartiges Produkt entwickeln kann. Das
unternehmen kontrolliert Software und Hardware und ist
mutig genug, neue Wege zu gehen.

Macwelt: Was will Filemaker Inc. zukünftig verbessern?
Die Kritik zur Filermaker-5-Produktreihe war nicht
ausschließlich positiv.

Goupil: Zunächst haben sich viele Kunden beklagt, dass
in der Grundversion von Filemaker Pro 5 nur zehn
Anwender gleichzeitig die Web-Funktionen nutzen
können. Wir haben jedoch versucht zu erklären, dass es
auch ein Produkt mit mehr Funktionen gibt.
Mittlerweile verstehen unsere Anwender unsere
Produktpalette. Auch die XML-Funktionen sind sehr
gefragt. Die vollständige Dokumentation haben wir
jedoch der Entwicklerversion vorbehalten.

Macwelt: Wie geht es der Firma Filemaker Inc? Während
Apple rote Zahlen verkünden muss, hat das
Tochterunternehmen bisher für positive Schlagzeilen
gesorgt. Auch im letzten Jahr?

Goupil: Das Geschäftsjahr 2000 war außer ordentlich
erfolgreich. Wir haben es geschafft, die
100-Millionen-Marke zu durchbrechen. Im vergangenen
Geschäftsjahr konnten wir mit 111 Millionen US-Dollar
einen Umsatzrekord verbuchen. Davon entfallen 50
Prozent auf die USA, 25 Prozent auf Europa und der
Rest vor allem auf Japan. Gleichzeitig waren wir in
der Lage, über 1,2 Millionen Anwendungen unser
Produktfamilie Filemaker Pro 5 zu verkaufen, wobei ein
großer Teil an Lizenzgeschäften zu diesem Resultat
beitrug. Die ETH in der Schweiz hat etwa 110000
Benutzerrechte. Insgesamt gibt es mittlerweile rund 6
Millionen Filemaker-Kopien. Wir sind sowohl auf
Macintosh als auch auf Windows vertreten. Zu Linux
möchte ich keinen Kommentar abgeben. Als Manager muss
ich jedoch eines können, nämlich zwischen Hype und
Technologie unterscheiden zu können.

Macwelt: Bleibt Filemaker vom Enterprise-Geschäft
entfernt?

Goupil: Wir sind nicht so sehr im Enterprise-Markt
engagiert. Wir richten uns vor allem auf die
Unternehmungsabteilungen. Dort wollen wir die Anwender
gewinnen. Die IS-Manager sehen diese Lösungen,
tolerieren sie und integrieren sie meistens auch. Wir
bieten in erster Linie ein Produktivitätswerkzeug.

Macwelt: Muss Filemaker in Zukunft neue
Einnahmequellen finden, um profitabel zu bleiben?

Goupil: Wir sind profitabel und waren es vom ersten
Tag an. Es gibt zwar in vielen Unternehmen einen Trend
zum Consulting, wir verwenden jedoch unsere Sales
Engineers nicht als Einnahmequellen. Sie sind dazu da,
um Lösungen zu finden und unsere Programme in
heterogene Umgebungen zu integrieren. Software-Leasing
ist für andere Hersteller ebenfalls eine Option. Da
wir jedoch preisgünstige Programme anbieten, kommt
dies für uns nicht in Frage. Wir konzentrieren uns auf
die sogenannten Knowledge-Workers in Unternehmen. Für
sie machen wir technische Anwendungen, mit denen sie
ohne Programmierkentnisse ihre eigenen Lösungen
erstellen können.

Macwelt: Wie gut ist die Zusammenarbeit mit Microsoft?

Goupil: Wir können uns nicht beklagen. Mit Office 2001
setzt Microsoft auf unsere Datenbank. Zuvor haben wir
bereits Funktionen für Microsoft Office 98 angeboten.
Neben Filemaker Pro stellt Office die wichtigste
Büroanwendung dar. Sicherlich wird es auch in Zukunft
eine enge Zusammenarbeit zwischen beiden Unternehmen
geben.

Macwelt: Wo wird Filemaker Inc.in fünf Jahren stehen?

Goupil: Wir wollen eine Datenbank-Company bleiben. Das
Motto: Unleash the Power of the Software ö Nutze die
Möglichkeiten der Anwendungen. Auch in Zukunft wird es
sicherlich wichtig sein, einfache und schöne Programme
anzubieten. Es wird vielleicht mehr Internet und mehr
Wireless-Produkte geben, wir konzentrieren uns jedoch
auf die Anwender. Unsere Philosophie ist zeitlos,
deshalb hoffen wir, auch in Zukunft erfolgreich zu
sein. Neue Produkte können wir uns im PDA-Bereich
vorstellen. Wir sind jetzt auf dem Palm vertreten,
sollte es weitere wichtige Plattformen geben, werden
wir uns sicherlich einige Gedanken machen müssen. Im
Mac-Business haben wir jedoch eines gelernt, dass wir
gerne auch unseren Konkurrenten mitteilen wollen: Die
Mac-Kunden sind loyal, aber auch anspruchsvoll. Wir
nehmen sie ernst und haben deshalb die Chance gehabt,
ein sehr gutes Produkt zu entwickeln. Das wollen wir
auch in der Zukunft tun.

Das Interview führte Martin Stein

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