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Film-Tipps für das Wochenende: "Trial of Chicago 7" kostenlos, "Paulette"

19.02.2021 | 15:30 Uhr | Peter Müller

Schon wieder eine Woche rum: Licht im Home-Office ausschalten und TV im Fernsehzimmer an. Auch wenn das der gleiche Raum ist.

In diesen Zeiten mag helfen, die täglichen Herausforderungen ähnlich strukturiert anzugehen, wie man es sonst auch täte. Es soll ja Leute geben, die deshalb im Home-Office Business-Wear tragen und erst am Wochenende Zeit haben, mal wieder in die Glotze zu schauen, was denn die Serien so an neuen Wendungen bieten und welche Filme sich in Mediatheken oder anderweitig lohnen.

"The Trial of the Chicago 7" kostenlos auf Youtube

Die Filme und Serien von Aaron Sorkin kann man uneingeschränkt empfehlen, egal für welches Geld. An diesem Wochenende jährt sich das berühmte Gerichtsverfahren von der Gruppe "Chicago Seven": Netflix stellt seinen Blockbuster rund um die Geschehnisse für 48 Stunden kostenlos auf YouTube zur Verfügung . Der Film dreht sich um das Verfahren gegen die Organisatoren der Proteste in den USA 1968. Allein wegen Sacha Baron Cohen in der Rolle des schlagfertigen Abbie Hoffman lohnt sich das Einschalten. Netflix will mit der Aktion auf Youtube zeigen, dass 2020 von den Tumulten im Jahr 1968 gar nicht so weit hergeholt ist. Hoffen wir, dass 2021 besser wird.

Paulette – Die etwas andere Oma

ARD bis 21. Februar 2021

Wem ein Gerichtsdrama zu ernsthaft für das Wochenende ist, kann sich für eine Komödie entscheiden. Und es gibt nichts Lustigeres als französische Komödien. In der "Paulette" steigt eine rüstige Rentnerin fast zu einem Drogen-Baron auf. Die Konkurrenz aus starken jungen Männern ist machtlos gegen die Quereinsteigerin, Paulette schaut zu unschuldig aus. Würden Sie eine betagte adrette Dame mit Kopftuch des Drogenhandels verdächtigen? Eben!

Das fliegende Klassenzimmer

Arte bis 05. März 2021

Weihnachten ist längst vorbei, doch die Verfilmung von Kästners Klassikers ist auch im Sommer, bzw. am Wochenende sehenswert, wenn nichts Besseres im Fernsehen läuft. "Ein Coming-Of-Age-Drama" würde der Verleger bzw. der Verfilmer im Klapptext schreiben, doch damals war der Begriff noch nicht bekannt. Es geht um eine Gruppe Internat-Schüler, die sich eine Fehde mit den Realschülern in der gleichen Stadt leistet. Erich Kästner tritt in dem Film als Cameo auf, wir vermuten aber, dass weder er noch die Filmemacher auch dieses Wort nicht gekannt haben.

Western von heute

Die Liebe zur Wahrheit und zum Verzeihen ist es, die Captain Jefferson Kyle Kidd (Tom Hanks) in "Neues aus der Welt" durch das Texas kurz nach dem Bürgerkrieg ziehen lässt, um dort den Leuten aus den aktuellen Zeitungen vorzulesen. Ein Film, für das Kino gemacht, der leider nur im Streaming Premiere haben kann – das kennt Tom Hanks, der erstmals in einem Western spielt, schon von seinem Weltkriegsdrama "Greyhound".  Der Film ist gleichzeitig ein Roadmovie und ein Versuch der Versöhnung des Amerika von heute, wie etwa die Süddeutsche Zeitung in ihrer Kritik schreibt . Und wer sitzt da neben dem Weltstar auf dem Kutschbock? Richtig: Helena Zengel, die "Systemsprengerin". Die junge Dame werden wir sicher noch öfter in herausragenden Filmen sehen.

"House of Cards" (Arte, ab 12.02)

Huch, verschenkt grade Netflix eine seiner Kronjuwelen an Öffentlich-Rechtliche? Der Polit-Thriller war einer der ersten großen Erfolge im Bereich Eigenproduktion des Streaming-Anbieters. Man munkelt, Netflix hat zwar die Serie wegen fallender Quoten abgesetzt, nicht aber wegen der Skandale rund um Hauptdarsteller Kevin Spacey, sondern weil die Protagonisten der Serie im Vergleich zu den im Januar abgetretenen Amtsinhabern zu integer und professionell erschienen und deswegen nach und nach unglaubwürdig wurden. Auf Arte allerdings wird nicht die Netflix-Produktion gezeigt, sondern quasi ein „Original“ aus Großbritannien. Keine Angst, britische Politiker verstehen sich genauso gut auf Sex, Geld, Macht und Intrigen wie die US-amerikanischen.

„Charité“ (ARD)

Mittlerweile gibt es dritte Staffel von „Charité“ , einer Serie rund um das berühmte Berliner Krankenhaus. Diese dritte Staffel spielt  im Jahr 1961, in Berlin wird eine Mauer errichtet – das Krankenhaus steht plötzlich in einem Grenzgebiet.

Ziehvater wider Willen

Vor zwei Wochen hatten wir an dieser Stelle auf die Premiere des Spielfilms "Palmer" mit Justin Timberlake in der Titelrolle hingewiesen, der Film ist nach wie vor eine Empfehlung wert. Apple hat der Film nach eigenen Angaben einen neuen Zuschauerrekord gebracht, die Zahlen seien um 33 Prozent nach oben gegangen, berichtet Deadline . Man darf nur keine allzu großen Erwartungen an die schauspielerische Leistung der Titelfigur haben, die Story ist aber herzerwärmend, ohne in Klischees abzudriften. Ja, es geht auch hier um Liebe, wie es fast immer der Fall ist, im Leben wie im Film.  Dem Ende  des Films hätten aber einige Erzählminuten mehr nicht geschadet.

Einen Trailer hat Apple hier veröffentlicht:

"No Time to Die"

Nein, die Macher von James Bond wollen den 25sten Film der Reihe um den Geheimagenten ihrer Majestät nicht an Streamingdienste verkaufen, da könnten Apple, Netflix und Co. noch so viel bieten. Lieber verschiebt man die Premiere ein weiteres Mal und hofft, "Keine Zeit zu sterben" im Herbst weltweit in die Kinos bringen zu können. Nur sind Bond-Bösewichter eben leichter zu besiegen als ein vermaledeites Virus. Wie man hört, sollen bereits für einzelne Szenen Nachdrehs geplant sein, da die darin gezeigten Produkte bis Herbst veraltet sind – und Product-Placement einen wesentlichen Teil des Bond-Geschäftsmodells ausmacht. Man stelle sich vor, Bond würde mit einem vier Jahre alten Smartphone telefonieren, das dann auch noch aussieht wie neu. Undenkbar!

Also hören wir weiter nur den Soundtrack, den Titelsong steuert diesmal Billie Eilish bei. Es steht nicht zu befürchten, dass die junge Künstlerin wieder "out" sein wird, wenn der Film endlich in die Kinos kommt. Mit zum Hype beitragen wird womöglich der Dokumentarfilm "The World's a Little Blurry", der in drei Wochen auf Apple TV+ Premiere haben wird.

Einen Trailer kann man bereits in Apples Youtube-Kanal bewundern:

Zurück auf den Mond

Um die Möglichkeit und Unmöglichkeit der Liebe geht es natürlich auch in der Weltraumserie in alternativer Realität "For All Mankind", wenn auch nur am Rande. Aber fragen Sie mal die Figur, die da am Ende der ersten Staffel die Mondbasis verlässt und auch jene, die sie ersetzt, um die Stellung zu halten.

Erst am Freitag nächster Woche schießt Apple TV+ seine Zuschauer wieder auf den Mond – in die alternative Realität der zweiten Staffel, in der die Sowjets den Mond als erste betreten haben, das Rennen um den Weltraum nie endete und der NASA die Mittel nicht gekürzt wurden. Ein rund dreiminütiger Blick hinter die Kulissen, den Apple in seinem Youtube-Kanal veröffentlicht hat, stimmt auf die zweite Staffel ein. Diese spielt ein gutes Jahrzehnt nach den Ereignissen der Ersten, also in den Achtzigern auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges. Nur eben, dass der Mond ein Feld militärischer Spannung wird.

Auch Interviews mit den Hauptdarstellern findet man auf Youtube sowie einige Zusammenfassungen der Serie, mehr haben wir hier berichtet . Bis nächste Woche könnte man sich zwar alle Folgen der ersten Staffel noch mal ansehen, es ist ja noch ein wenig Zeit. Dabei könnte man unter Umständen auch eine AR-App auf Geräten mit Lidar (iPhone 12 Pro und Pro Max sowie iPad Pro 2020) einsetzen, die Apple extra zum Start der zweiten Staffel entwickelt hat, die im deutschen App Store aber noch fehlt.

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