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Filtern oder bezahlen?

08.03.2007 | 15:17 Uhr | Peter Müller

Filtern oder bezahlen?

YouTube: Nicht nur selbst gedrehtes – Medienkonzerne sind skeptisch
Vergrößern YouTube: Nicht nur selbst gedrehtes – Medienkonzerne sind skeptisch

Für Google könnten sich die Zeiten, in denen die Suchmaschine den Zugang zu digitalen Inhalte aller Art kostenfrei ermöglicht, bald dem Ende entgegen neigen. Ärger beschert dem Unternehmen vor allem die populäre Videosharing-Site You Tube, die Google im Oktober 2006 für 1,65 Milliarden US-Dollar übernommen hat. Die Medienindustrie stößt sich daran, dass You-Tube-Nutzer nicht nur selbst gedrehte Filmchen ins Netz stellen und diese gegenseitig bewerten, sondern immer mehr urheberrechtliches Material auf den Servern von You Tube landet. Der Medienkonzern Viacom hat im Februar Google dazu aufgefordert, 100.000 Clips aus dem You-Tube-Angebot zu entfernen, die Nutzer aus den Programmen von VH-1, MTV, Nickelodeon oder Comedy Central entnommen haben. Dass urheberrechtlich geschütztes Material gar nicht erst auf You Tube auftaucht, sollten Copyright-Filter gewährleisten. Den versprochenen Termin Ende 2006 konnte Google / You Tube nicht einhalten . Das Thema steht laut Google-CEO und Apple-Aufsichtsrat Eric Schmidt aber ganz oben auf der Agenda, lange würden die Filter nicht mehr auf sich warten lassen , versicherte Schmidt gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Google steht dabei vor enormen technischen und administrativen Herausforderungen. Nicht zuletzt seien die Rechteinhaber zur Mitarbeit aufgefordert, mit den neuen Techniken ihre geschützten Inhalte zu identifizieren, damit diese von den Servern gelöscht werden. Neben wirkungsvollen Filtering stünde Google theoretisch eine Alternative bereit: Lizenzgebühren an die Rechteinhaber zu entrichten. Doch diese Option besteht zumindest im Falle Viacom nicht mehr. Der Medienriese will lieber mit dem Start-Up Joost bei der Verbreitung digitaler Inhalte kooperieren und Musikvideos, Fernsehserien und Comedy-Shows zum Download anbieten. "Wir sind daran interessiert, unsere Inhalte über so viele Plattformen wie möglich zu vertreiben - vorausgesetzt wir können in einer sicheren Umgebung agieren", sagte Viacom-Manager Philippe Dauman Ende Februar dem Wall Street Journal. Google ist dem Manager anscheinend suspekt, trotz – oder wegen – des Slogans „Don’t be evil“.

Google Earth: Aus dem All genau beobachtet

Google findet in China nicht alles, weil der Zensor es so will
Vergrößern Google findet in China nicht alles, weil der Zensor es so will

Kritik an Google war laut geworden, als das Unternehmen in China eine Suchmaschine startete und sie der staatlichen Zensur des Reiches der Mitte unterstellte. Auch die Mitbewerber blenden Suchergebnisse nach der vom Staat verbotenen Falun-Gong-Bewegung oder nach dem Massaker auf dem Tiananmenplatz aus, bei Google fällt jedoch der Widerspruch zum Firmenmotto auf, wenn sich die Suchmaschine übler staatlicher Machenschaften unterwirft. Als Quasimonopolist bekommt Google auch schlechte Presse, wenn es militärische Anlagen in seinem Satellitenbilddienst Google Earth ausblendet, wie zuletzt in Indien geschehen . Ob diese Praxis wirklich „evil“ ist, lässt sich diskutieren.

Der gläserne Bürger: Werner S. aus E. parkt seinen Karmann Ghia vor dem Haus. (Namen geändert)
Vergrößern Der gläserne Bürger: Werner S. aus E. parkt seinen Karmann Ghia vor dem Haus. (Namen geändert)

Wie detailgenau Google Earth Bilder vieler Landschaften, Städte und Häuser bereitstellt, ist einerseits faszinierend. Mehr muss aber verwundern, dass bisher nur Militärs Bedenken ob der jedermann zugänglichen Spionagebilder aus dem All angemeldet haben. Dem gelben Karmann Ghia in der Bildmitte kann man schon beinahe in den Innenraum sehen, so nah zoomt die Weltraumkamera heran. Stattdessen stellen Anwender freiwillig allerlei Daten dem Suchmaschinengiganten zur Verfügung, mit den KML-Informationen (Keyhole Markup Language) ist es beispielsweise möglich, Suchen nach Namen oder Service-Anbietern mit deren räumlichen Koordinaten zu verknüpfen . Praktisch, wenn man den Weg zum nächsten Großformat-Printservice sucht oder Daten zur Routenplanung direkt an seinen BMW sendet, überflüssig, wenn man wissen will, wo die Kanzlerin wohnt und bedenklich, wenn man via Satellit Prominenten oder eigenen Bekannten auf die Terrasse oder in den Pool glotzen kann – alles nach nur wenigen Klicks auf der Google-Website.

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