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Forscherin Manuela Veloso: Roboter, die Menschen um Hilfe fragen

16.11.2016 | 14:04 Uhr |

Die Professorin für Maschinenintelligenz in Carnegie ist optimistisch über die positive Entwicklung von KI und glaubt an eine "symbiotische Autonomie".

In einem ausführlichen Interview beim Technik-Blog The Verge , das gerade seinen fünften Geburtstag feiert und nach und nach weitere interessante Gespräche mit relevanten Forschern und Personen veröffentlichen will , hat sich die Leiterin der Abteilung für Maschinenintelligenz an der Carnegie Mellon University, Professorin Manuela Veloso, optimistisch über eine künftige Zusammenarbeit zwischen menschlicher und künstlicher Intelligenz, namentlich in Robotern implementiert, ausgesprochen. Sie glaubt an eine Zukunft, in der menschliche und künstliche Intelligenz untrennbar sind, indem sie permanent Informationen und Ziele miteinander austauschen, und nennt dies eine "symbiotische Autonomie". Dass Menschen etwa digitale Assistenten wie Siri, Google Now oder Alexa um Auskunft und Hilfe bitten, ist nun schon vertraut. Doch Manuela Veloso sammelt bereits Erfahrungen mit sogenannten " Cobots ", die an ihrer Universität Gäste automatisch von Gebäude zu Gebäude begleiten, aber gegebenenfalls Menschen um Hilfe bitten, falls sie selbst nicht weiter wissen oder es ihnen an einer Fähigkeit mangelt – zum Beispiel den Liftknopf zu drücken. Insofern ist Veloso von einer Koexistenz zwischen Menschen und künstlichen Intelligenzsystemen überzeugt, die letztlich der Menschheit dienen würden.

Wichtige Handlungsfelder für die Zukunft seien hier etwa den Verkehr in einer großen Stadt zu regeln, komplexe Voraussagen über die Klimaentwicklung zu machen oder Menschen bei größeren Entscheidungen zu unterstützen. Sie wünscht und fordert eine Entwicklung der künstlichen Intelligenz in Robotern, die ihre eigenen Wege transparent macht. Etwa wenn man diese fragt: Warum kommst du so spät? Oder: Welchen Weg hast du hierher genommen? Warum empfiehlst mir gerade dieses Produkt, dessen Marke ich doch eigentlich nicht mag? – und anderes mehr. Dabei haben in ihrer Vision Roboter und allgemein Systeme mit künstlicher Intelligenz Zugriff auf das weltweit vernetzte Wissen und Know-how sowie natürlich auf die eigenen Vorlieben und Bedürfnisse.

Roboter sollten auch wissen, und zwar "proaktiv", wann sie etwas nicht können oder Hilfe benötigen. Und sie sollen erkennen, wenn ihnen wichtige Informationen noch fehlen, nach denen sie dann automatisch fahnden. Noch stecken wir gewissermaßen in den Kinderschuhen der künstlichen Intelligenz, was Algorithmen, Technik und Methoden der Verallgemeinerung respektive der Bereitstellung von Erklärungen betreffe, meint die Expertin. Dass sich das alles letztlich zum Guten entwickle, liegt ihrer Ansicht nach an der Menschheit selbst, die diese künstliche Intelligenz entworfen hat. Ja, in gewisser Weise werde sich die "Menschlichkeit" der KI zu einem Faktor entwickeln, der uns zusammen bringe, so ihre nachdrücklich optimistische Einschätzung.

Das Interview enthält auch einige Minuten Videodokumentation des Interviews mit Manuela Veloso.

Derweil hat die Süddeutsche Zeitung bereits am 14. November einen interessanten Artikel  über einen der Väter der modernen Computertechnologie, den Philosophen Gottfried Wilhelm Leibniz , zu dessen Würdigung veröffentlicht. Dieser hatte sich schon anfangs des 18. Jahrhunderts Gedanken darüber gemacht, ob sich eine denkende Maschine konstruieren ließe. Dabei argumentierte Leibniz im Gegensatz zu einem Zeitgenossen wie Descartes eher in die Richtung, dass ein aus Einzelteilen zusammengesetzter Automat die Ganzheit einer Empfindung nicht haben könne. Gewissermaßen sieht also auch Leibniz die KI allenfalls als eine Erweiterung unserer eigenen Intelligenz.

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