931168

Frank Steinhoff - eine "tragische Figur zwischen den Stühlen"

20.01.2005 | 17:16 Uhr |

Frank Steinhoff - eine "tragische Figur zwischen den Stühlen"

Je südlicher man aber vorstößt, desto vorsichtiger werden die Stimmen: Hinter vorgehaltener Hand sprechen die Händler von der "tragischen Figur", die bis gestern "zwischen zwei Stühlen" saß. Das Engagement Steinhoffs für die niedergelassenen Fachhändler korrespondierte wohl nicht mit der Neuausrichtung des Vertriebs. Seit den späten Neunzigerjahren verkauft Apple seine Produkte auch direkt an den Kunden über den eigenen Web-Store, und von den 101 Company-Stores ist einer bereits in Europa. Ob das Londoner Vorbild auch in Berlin, Hamburg oder München Schule machen kann? Selbstsicher meint Martin Willmann, der mit seinem Systemhaus auch in Berlin vertreten ist: "Ich habe keine Angst vor einem Apple-Store Unter den Linden!" Der sei eher als Marketing-Instrument der Company zu sehen, Willmann bezweifelt, dass die Stores überhaupt Profit erwirtschaften. Doch mit der Meinung steht er ziemlich alleine da.

Bei anderen Händlern hingegen herrscht nackte Angst, einer spricht sogar vom "Kalten Krieg", denn seit zwei Jahren weht ihnen ein scharfer Wind entgegen. Und zwar nicht etwa aus Feldkirchen, sondern aus der europäischen Niederlassung in Paris, die viel dichter dran ist an den Entscheidern aus Cupertino. "So straff und zentral, wie der Konzern gegenwärtig geführt wird", meint ein Händler, "wäre es nicht verwunderlich, wenn der Posten des deutschen Geschäftsführers gar nicht wiederbesetzt wird." Seit sechs Monaten ist auch die Position des österreichischen Geschäftsführers vakant, seit Christian Maranitsch’ Wechsel zu Microsoft hatte Steinhoff dessen Aufgaben übernommen. Wenn Apple für die deutsche Niederlassung einen Geschäftsführer bestellt, dann werden einem externen Bewerber größere Chancen eingeräumt als einem internen, nur müsse der sich dann in der Rolle eines verlängerten Armes von Europa-Chef Pascal Cagni gefallen. In Händlerkreisen rechnet man jedenfalls nicht damit, dass ein möglicher Nachfolger überhaupt irgendeinen Gestaltungsspielraum besitzt.

0 Kommentare zu diesem Artikel

Macwelt Marktplatz

931168