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Frauen in der IT: Gerechte Bezahlung und gläserne Decke sind größten Probleme

23.04.2020 | 15:26 Uhr | Halyna Kubiv

Die IT-Firma aus Großbritannien Ivanti führt im zweiten Jahr eine Umfrage unter Frauen in der IT-Branche durch.

Die Umfrage verfolgt das Ziel, die gängigsten Probleme für weibliche Beschäftigten in der IT-Brache festzustellen und die Trends im Vergleich zu den vergangenen Jahren aufzuzeichnen. Nach eigenen Angaben hat Ivanti knapp 900 Frauen befragt und rund 800 Antworten erhalten. Bei der Umfrage haben allerdings nur US-amerikanische und britische Firmen teilgenommen. Die Umfrage beinhaltete acht Punkte:

  1. Haben Frauen einen Einfluss auf die IT-Branche?

  2. Aufgrund von welchen Parametern würden Sie sich für eine neue Stelle entscheiden?

  3. Wie können Firmen in der Branche mehr Frauen für die technischen Berufe begeistern?

  4. Was benötigen Sie von anderen, um im IT-Beruf weiterzukommen?

  5. Welche der genannten Frauen in der IT sind Ihnen bekannt?

  6. Was hindert Frauen in ihren IT-Berufen oder IT-Karriere am meisten?

  7. Was ist Ihre größte Herausforderung als Frau in der IT?

  8. Haben Sie Ihre persönlichen und beruflichen Ziele für dieses Jahr schriftlich festgehalten?

Die Ergebnisse der Studie kann man sich nach einer Anmeldung auf der Seite der Firma anschauen. Diese bestätigen nur noch die bekannten Probleme der weiblichen Beteiligung an den IT-Berufen, laut einer McKinskey-Studie aus den USA arbeiten in der IT-Branche nur knapp 26 Prozent Frauen, in den oberen Positionen der Branche ist der Anteil noch geringer – 11 Prozent. Die Ursachen sind ebenfalls bekannt: strukturelle Hindernisse, bewusste und unbewusste Vorurteile und vorherrschende Firmenkultur. So nennen rund 63 Prozent der Frauen in der Umfrage den vergleichbaren Lohn wie bei männlichen Kollegen als einen der Hauptgründe für eine neue Stelle. Rund 51 Prozent der Befragten nennt flexible Arbeitszeiten und Möglichkeit der Teilzeitbeschäftigung als das, was eine attraktive Arbeitsstelle ausmacht. Etwas mehr, 52 Prozent der Befragten, wünschen sich klare und gut dokumentierte Karriereoptionen. Als eine der meist gewählten Antworten auf Frage drei war mit knapp 46 Prozent ein Vorschlag, Frauen und Männer in den IT-Firmen gleichberechtigt zu bezahlen. Andere beliebte Vorschläge waren Frauen in der IT-Branche zu halten und sie als Botschafter zu engagieren (43,6 Prozent), mehr weibliche Sprecher auf großen IT-Events (40,5 Prozent), Unterstützung der MINT-Programme in den Schulen (38,1 Prozent), Kooperation mit Universitäten (36,1 Prozent).

Unter den bekannten Frauen aus der IT-Branche hatte sich Susan Wojcicki von Youtube mit 28,7 Prozent behauptet, als andere bekannte weiblichen IT-Persönlichkeiten waren Jaqueline der Rojas, Marissa Mayer, Ginni Rometty und Sheryl Sandberg genannt.

Als Haupthindernisse in eigener IT-Karierre haben die befragten Frauen mit einem Großteil (75 Prozent) familiäre Umstände genannt: Elternzeit mit 40 Prozent und Verbindung zwischen Beruf und Familie mit 35 Prozent. Weitere verbreitete Gründe waren Vorurteile (62 Prozent) und doppelte Standards für Frauen und Männer in gleichen Positionen (57 Prozent).

Als eine der größten Herausforderungen haben die meisten Befragten die Einstellung der Kollegen genannt. Als nicht ernst genommen fühlen sich 53,8 Prozent der befragten Frauen, immerhin eine Verbesserung im Vergleich mit 2018 (63 Prozent). Leicht haben sich die Unterschiede bei der Bezahlung von Frauen und Männer in der Industrie gebessert: 37,9 Prozent nennen das noch als Hindernis gegenüber 39,9 Prozent 2018. Das Problem der sogenannten Gläsernen Decke in der Industrie hat sich aber verschlechtert: 2019 nannten 30,9 Prozent aller Frauen dies ein Hindernis, 2018 waren es noch 24,3 Prozent der Befragten. Dass sich die Zahlen dabei erhöhen, ist kein Wunder, das Problem ist nicht aus der Welt und 2019 hatten die Befragten ein Jahr Berufserfahrung mehr als noch 2018, dementsprechend also sind die Erwartungen an die Karrierefortschritte gestiegen.

Dass die Ergebnisse in etwa auch auf deutsche IT-Branche übertragbar sind, verdeutlicht unser Redaktions-Chat (20 Beteiligte, 4 Frauen, 16 Männer): Wir haben gefragt, ob die Kollegen Frauen in den führenden Positionen in der deutschen IT-Branche kennen. Manche haben Mittelständische Gründerinnen genannt, die nichts mit IT zu tun haben, manche haben sich in die Ausreden geflüchtet, die Frage sei missverständlich formuliert gewesen oder dass es in Deutschland ohnehin keine großen IT-Firmen gibt. Einem Kollegen ist sofort der Fall SAP eingefallen , die Firma hat sich von seinem weiblichen CEO vor Kurzem verabschiedet. Kurzum, den Kennern der IT-Branche sind nach einem kurzen Brainsorm gerade mal drei bekannte Frauen in Führungspositionen eingefallen, die in der IT-Branche tätig sind oder waren: Sabine Bendiek, Microsoft Deutschland, Ina Schieferdecker , Abteilungsleiterin für Digitalisierung und Innovationen im BMBF und Marlene Buschbeck-Idlachemi, Chefredakteurin Macwelt 2011–2015.

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