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Gaming auf dem Macbook Pro: Darum passt es (noch) nicht

04.11.2021 | 11:10 Uhr | Andreas Müller

Nach den positiven Erfahrungen mit den leistungsstarken M1 Prozessoren, sorgt Apple nun mit den Chipsätzen M1 Pro und M1 Max für absolute Begeisterung. Die unglaublichen Ankündigungen zur Performance manifestieren sich zunehmend in realen Testergebnissen. Dabei strahlen die Notebooks eine beeindruckende Souveränität aus und lassen sich scheinbar von keinem Task in die Knie zwingen. Sind die neuen Macbooks Pro also die perfekte Plattform für Spiele?

Die Games-Branche ist ein Wirtschaftszweig, der zunehmend komplexer wird. Konnten Computer- und Videospiele vor einigen Jahren noch von kleinen Teams in überschaubarer Zeit entwickelt werden, sprengen viele aktuelle Projekte jeden Rahmen. Ein populäres Beispiel wäre das Spiel „Cyberpunk 2077“, dessen Entwicklung bei niedrigen Kostenstrukturen acht Jahre gedauert und über 135 Millionen Euro verschlungen hat. Das sind Budget-Dimensionen, die durchaus mit denen aktueller Hollywood-Blockbuster zu vergleichen sind.

Spiele-Entwicklung unter Vermeidung sämtlicher Risiken

Analog zur Leistung einer Plattform steigen zugleich auch die Ansprüche der Spieler. Wer sich ein Spiel für seine Plattform kauft erwartet, dass das Potenzial auch ausgeschöpft wird. Die Komplexität und Entwicklungszeit steigen dramatisch an, um den Anforderungen gerecht zu werden. Konnten sich Entwickler und Publisher früher noch einen kreativen Fehltritt leisten, sind schlechte Verkaufszahlen heute existenzbedrohend. Eine jahrelange Entwicklung muss einfach zu einem hohen Erlös führen.

Letztlich hat diese Konstellation unterschiedliche Auswirkungen. Einerseits sehen wir immer weniger Nischenprodukte. Unpopuläre Genre werden kaum noch bedient, der Mut für Innovation und neue Wege bleibt aus. Statt frische Konzepte zu erarbeiten werden Erfolgsgeschichten unermüdlich kopiert. Zugleich muss auch der technische Aufwand bei der Entwicklung so gering wie möglich gehalten werden. Architektonisch neue Plattformen abzudecken ist eine Komplikation, die nur dann attraktiv ist, wenn der Mehraufwand den Umsatz garantiert erheblich steigert.

Das Macbook Pro richtet sich traditionell vor allem an professionelle Anwender.
Vergrößern Das Macbook Pro richtet sich traditionell vor allem an professionelle Anwender.
© Apple

One for All - technische Diversität ist unerwünscht

Grundsätzlich ist die Entwicklung eines Spieles darauf ausgelegt, mit einem Quellcode möglichst viele Plattformen zugleich abdecken zu können. Je ähnlicher sich die Plattformen sind, desto praktikabler und profitabler gestaltet sich die Entwicklung. Aus diesem Grund haben sich die Plattformen von Microsoft (PC, XBox) und Sony (Playstation) in den letzten Jahren auch zunehmend angenähert. Beiden Herstellern ist klar, dass sich eine Vereinheitlichung positiv auf die Gesamtqualität der Spiele auswirken wird - und davon profitieren letztlich alle. Gibt es einen Titel wirklich mal nur exklusiv für eine Plattform, so ist das durch Marketingstrategien und weniger durch technische Machbarkeit begründet.

Ein gutes Beispiel für die Problematik individueller Hardware ist die Playstation in der dritten Generation. Bei der Veröffentlichung galt diese Konsole aufgrund ihrer speziellen technischen Architektur als besonders leistungsstark. Um die Leistung jedoch zu nutzen, mussten Spiele speziell für die Hardware optimiert werden. Ein Aufwand, den nur wenige Entwickler betreiben wollten. Letztlich wurde das Potenzial der Konsole kaum genutzt und die außergewöhnlichen Fähigkeiten der Plattform blitzten nur selten auf.

High-End-Gaming für Pro-Anwender?

Würde man nun versuchen, das Macbook Pro als Plattform für Spiele zu etablieren, würde das geradezu eine Trendumkehr einleiten. Mit einer individuellen Prozessorarchitektur bildet Apple einen Kontrast zu etablierten System wie dem PC oder diversen Konsolen. Gleichzeitig würden Besitzer der performanten Notebooks jedoch höchste Ansprüche an die grafische Qualität der Spiele stellen - Benchmarks und resultierende Messdaten steigern die Erwartungen schließlich erheblich. Ein Konflikt, der sich vor allem aus Sicht der Entwickler nur schwer lösen lässt.

Solange sich die leistungsstarken M1 Pro und M1 Max Prozessoren nur in den Macbook Pros befinden ist zudem schwer abzuschätzen, welches Absatzpotenzial für Unterhaltungssoftware überhaupt in dieser Architektur steckt. Speziell ein Macbook Pro zielt konzeptionell und aufgrund des hohen Anschaffungspreises eindeutig auf professionelle Anwender ab. Eine Zielgruppe also, die sich scheinbar rudimentär von der des klassischen Spielers unterscheidet. Ob es hier signifikante Schnittmengen gibt, lässt sich nur schwer abschätzen.

Apple Spielekonsole als mögliche Zukunftsperspektive

Ein Game-Changer wäre die Einführung einer Apple Spielekonsole, die auf die gleiche Hardwarebasis zurückgreift. Sobald sich hier Marktanteile von Sony, Nintendo und Microsoft zu Apple verschieben, stehen Entwickler unter Zugzwang. Die Apple Konsole könnte somit den Weg von großen Games auf die Arm-basierte Plattform ebnen, wovon letztlich auch Besitzer anderer Apple Hardware profitieren. Im Umkehrschluss wird sich eine Apple Spielekonsole aber auch nur dann gut verkaufen, wenn es zum Launch bereits ein breites Spiele-Repertoire gibt. Würde Apple also wirklich die Markteinführung einer Konsole planen, könnte es nicht schaden wenn es vorab Titel gäbe, die auf der Plattform laufen. Ein Hoffnungsschimmer für alle, die auf Spiele für ihr Macbook Pro hoffen.

1996 brachte Apple ihre bislang einzige Spielekonsole heraus - doch der Apple Pippin brachte keinen kommerziellen Erfolg.
Vergrößern 1996 brachte Apple ihre bislang einzige Spielekonsole heraus - doch der Apple Pippin brachte keinen kommerziellen Erfolg.
© Wikipedia Commons / Evan-Amos

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass die technische Plattform ideal für eine Spielekonsole wäre. Zum Einen sind die reinen Leistungsdaten natürlich beeindruckend. Sowohl bei der Datenbandbreite als auch bei der mit Teraflops bemessenen Leistung, liegen M1 Max und eine Playstation 5 in etwa auf Augenhöhe. Auch vor der Leistung einer hochpreisigen Grafikkarte  müsste sich Apples Chipsatz vermutlich nicht verstecken. Aktuell sind Treiber und die Architektur natürlich noch nicht für Gaming-Anwendungen optimiert, was einen Vergleich erschwert und nur bedingt sinnvoll erscheinen lässt. Faktisch hervorragend wäre jedoch die Eigenschaft des geringen Leistungsverbrauchs und dem damit auch geringeren Kühlbedarfs.

Coole Aussichten und Alternativen für Macbook Pro Besitzer

Leistungsaufnahme und Hitzeentwicklung waren die schwierigsten Themen, mit denen man sich bei der Entwicklung der aktuellen Playstation und Xbox Konsolen auseinandersetzen musste. Bei der Präsentation der Playstation 5 wurden viele von den Maßen der neuen Konsole überrascht. Für den immensen Platzbedarf sind dabei vor allem ein großer Lüfter und aufwändige Luftkanäle für die Wärmeabfuhr verantwortlich. Letztlich steigert das die Produktions-, Transport- und Lagerkosten - ein Problem, das der genügsame Chipsatz von Apple elegant umgehen würde.

Der M1-Pro und M1-Max bestechen vor allem durch Ihre Energieeffizienz.
Vergrößern Der M1-Pro und M1-Max bestechen vor allem durch Ihre Energieeffizienz.
© Apple

Für alle, die bereits jetzt auf ihrem Macbook Pro spielen möchten, gibt es aktuell nur wenige Optionen. Eine äußerst kleine Auswahl von Spielen im App Store wie beispielsweise der Umsetzung von „Disco Elysium“ dürfte die wenigsten zufriedenstellen. Auch die Emulation einer Windows-Umgebung führt unter M1 nur bedingt zum Ziel. Über die Software Parallels lässt sich zwar Windows 10 installieren, allerdings nur in der ARM-Version. Die Einschränkungen durch die Architektur bleiben also auch hier bestehen und die Auswahl an Spielen gering. Darüber hinaus sorgt der Umweg für Leistungsverluste. Ein Spiel auf einer emulierten Umgebung kann das beeindruckende Potenzial der Hardware nur bedingt widerspiegeln.

Apple und Gaming - was bringt die Zukunft?

Für die Zukunft bleibt das Thema Gaming spannend. Für iPads und iPhones wird geschätzt, dass Spiele rund Dreiviertel des Umsatzes im App Store ausmachen. Das sind Zahlen, die Apples Zukunftsvisionen und Strategien sicherlich beeinflussen. Der entscheidende Unterschied ist jedoch, dass es sich dabei größtenteils um kleinere Spiele handelt, die Gelegenheitsspieler ansprechen. Welchen Stellenwert eine Expansion in diesem Markt für Apple hat, ist schwer abzuschätzen. Eines ist jedoch klar - mit den neuen Chipsätzen wurde eine technische Basis für weitreichende Ambitionen und Produktlinien geschaffen.

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