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Gassée muss gehen

24.01.2009 | 00:00 Uhr

Gassée muss gehen

Palm One Life Drive: Steckte da Be-Technologie drin?
Vergrößern Palm One Life Drive: Steckte da Be-Technologie drin?

Nur wenige Wochen vor der Markteinführung des Mac Classic verließ Jean-Louis Gassée das Unternehmen. Seit der Entmachtung und dem Ausscheiden des Gründers Steve Jobs hatte Gassée einige seiner Funktionen inne, er zeichnete etwa als Chef der Entwicklungsabteilung verantwortlich. Als solcher wusste er um die Schwächen des entscheidenden Mac-Merkmals: Das Betriebssystem, mit dem Mac IIfx auf Version 6.0.5 aktualisiert, hatte seine besten Zeiten gesehen. Nicht nur musste sich Betriebssystem des Angriffes aus Redmond erwehren, eine deutliche Schwäche konnte es auch neun Jahre später, als es mit dem Namen Mac-OS 9.2.2 zum letzten Male aktualisiert wurde, nicht verhehlen: Die fehlende Multitasking- und Multithreading-Fähigkeit. Seit System 6 erst konnte neben dem Finder noch ein Anwendungsprogramm gleichzeitig laufen, das 1991 veröffentlichte System 7 kam erstmals mit 32-Bit-Adressierung und Filesharing. Stürzte ein Programm unter dem klassischen System ab, riss es of den gesamten Computer mit, da einzelne Prozesse nicht in voneinander abgeschirmten Speicherbereichen liefen. Gassée forderte seinen Arbeitgeber auf, ein vollkommen neues Betriebssystem zu entwickeln, konnte sich aber nicht durchsetzen. So wie Jobs nach Apple sein NeXTes Abenteuer anging, hatte auch Gassée einen Plan B. Oder vielmehr einen Plan Be: Be OS war die Antwort auf Apples zögerliche OS-Politik. Beinahe wäre der Plan auch aufgegangen und Apple hätte in der zweiten Hälfte der Neunziger Be samt Betriebssystem übernommen. Das Rennen um die Zukunft des Mac-Betriebssystems machte dann aber ein anderer, wir kennen ihn: Steve Jobs. Gassée verkaufte seine Firma an Palm, wo er bis 2005 Aufsichtsratsvorsitzender war. Ob Technologien von BeOS noch im heutigen Palm-Betriebssystem arbeiten, ist nicht unwahrscheinlich, wurde aber niemals offiziell bestätigt. Nach Jahren der Krise versucht Palm sich nun an Apple zu orientieren, das Smartphone Palm Pre kommt mit einem Touchscreen, GPS und WiFi. Und einem neuen Betriebssystem, "Web OS". Anders als es auf dem iPhone möglich ist, soll Palms neues System mehrere Programme gleichzeitig ablaufen lassen. Ob da noch eine Spur von Be drin ist?

Das Ende von Be OS war eher traurig, im Jahr 2000 verteilten einige Computerzeitschriften das auf Intel- und Power-PCs lauffähige Betriebssystem auf ihren Heft-CDs, wir von Macwelt konnten dem gar nicht zusehen und verzichteten darauf. Zumal stand das auf Next-Entwicklungen aufbauende Mac-OS X in den Startlöchern, mit der im September zur Apple Expo herausgegebenen Public Beta. Diesem System sollte die Zukunft gehören...

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