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Gassée zweifelt am Apple Car

03.06.2019 | 13:35 Uhr | Peter Müller

Jean-Lois Gassée zweifelt daran, dass Apple tatsächlich an einem autonomen Fahrzeug arbeitet. Was treibt Cupertino aber in seinem "Project Titan" an?

Die Skizze eines Apple-Autos, die Jean-Lous Gassée in seinem Blog Monday Note entwirft, klingt vielversprechend. Die Kunden würden ein solches "iPhone des Automobilbaus" lieben, das man im Apple Store erwirbt und bei zertifizierten Werkstätten warten lässt. Elegant, an der Spitze der technischen Entwicklung: Apple könnte ein solches Auto aufgrund seiner vorhandenen Ressourcen gewiss bauen und die treue Kundschaft würde es wegen den Rufs Apple, hochwertige Produkte und Services zu bieten, dem Hersteller auch aus der Hand reißen.

Die Realität ist dem Traum aber nicht gewachsen, erklärt Jean-Louis Gassée, der zwar seit 1990 nicht mehr bei Apple ist, die Firma, ihre Fähigkeiten, Ziele und Philosophien immer noch recht gut kennen dürfte.

Das größte Problem an der Vision der selbtsfahrenden Apfelkiste: Das komplett autonome Fahren, bei dem der Mensch nicht mehr eingreifen muss, wenn er von einem beliebigen Ort zu einem beliebigen Ziel gelangen will, ist wohl noch Jahrzehnte entfernt. Apple und andere Hersteller mögen zwar daran forschen, mehr als intelligente Assistenz- und/oder Unterhaltungssysteme scheinen auf Sicht nicht Marktreife werden zu können.

 Was für die Buchhalter auf den ersten Blick wie ein Absagegrund erscheint: Die Margen sind in der Automobilindustrie weit geringer. Während Apple seit Jahren eine Bruttomarge um die 40 Prozent einfährt, kommen General Motors, Fiat Chrsyler, Volkswagen oder Daimler auf Werte um die 15 Prozent - das klingt erst einmal nicht sehr lukrativ. Zumal Apple mit Industriegütern dieser Größe noch nie etwas zu tun hatte. Aber Zweifel am Erfolg eines von Apple gebauten Telefons waren vor einem dutzend Jahren auch recht laut.

Bliebe für Apple noch die Software, mit CarPlay hat man bereits ein Eisen im Feuer. Aber auch hier ist Gassée skeptisch, dass Apple das System so ohne Weiteres ausweiten könnte. Denn die Schwachstelle sind die im Fahrzeug integrierten Systeme, die in einer enormen Varianz daher kämen und nicht immer hohe Ansprüche an die Qualität erfüllen würden. 

Einen Service speziell für Autofahrer hält Gassée ebenso für recht unwahrscheinlich, Apple würde keine Dienste für eine kleine Anzahl von Geräten entwickeln, sondern eher bestehende dahin ausrollen, wie iOS-Apps auf die Apple Watch. Und eine Hardware, wie ein Rundumkamera sei auch nicht Apples Ziel.

Was bleibt? Ganz offensichtlich bearbeitet Apple das Thema ja mit vielen Mitarbeitern, deren Anzahl aber stark zu schwanken scheint. Gassée vermutet, Apple könnte an der Vernetzung des Autos selbst interessiert sein, etwa nach dem Vorbild von Audio Connect, wofür der Ingolstädter Hersteller 200 Dollar für das Halbjahr verlangt. Vor allem sei aber Apple an der Forschung und ihren Ergebnissen interessiert, zahlreiche Patente rund um das autonome Fahren habe Cupertino bereits beantragt. Apple wolle vor allem nicht zurück bleiben, wenn die Konkurrenz sich mit Zukunftstechnik beschäftigt. Ein Produkt werde deshalb noch lange nicht draus. Das ursprüngliche Project Titan, das ein Apple Car als visionäres Ziel gehabt haben könnte, ist für Gassée aber längst passé.

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