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"Gefahr für die Pressefreiheit" - Journalisten verurteilen Apples Kinderporno-Scan

17.08.2021 | 14:00 Uhr |

Die Kritik an Apples Vorhaben, künftig iPhones und die iCloud durch künstliche Intelligenz auf Kinderpornografie zu untersuchen, reißt nicht ab.

In einem öffentlichen Brief haben sich Medienverbände aus Deutschland, Österreich und der Schweiz an die Innenminister der drei Länder, die jeweiligen Datenschutzbeauftragten sowie die Europäische Kommission gewandt. Sie fordern, Maßnahmen zu ergreifen, um Apples Kinderpornografie-Scannig in der EU zu verhindern. Hintergrund: Apple hat vor kurzem angekündigt, künftig iPhones und die iCloud mittels künstlicher Intelligenz auf Fotos mit kinderpornografischem Inhalt zu überprüfen und bei Treffern die Behörden zu informieren. Datenschützer verurteilen dieses Vorhaben stark, da es einen direkten Eingriff in die Privatsphäre darstellt. Außerdem könnte es ein Türöffner sein, um künftig private Daten aus anderen Gründen zu durchsuchen, zum Beispiel mit der Begründung der Terrorabwehr.

Mehr dazu: Apples Kinderporno-Scan: Warum sich Experten sorgen

Das Schreiben der Journalisten, zu deren Absendern auch der deutsche Journalistenverband gehört, kritisiert Apples Vorhaben als Schritt zur Überwachung und Verstoß gegen die Pressefreiheit. So heißt es in dem Schreiben:

"Wir fragen uns: Wann werden andere Daten als Fotos ausgelesen? Wann sind es Fotos der LGBT-Gemeinschaft, die möglicherweise in Ungarn oder Russland durch Behörden missbraucht werden können? Wann werden Kontakte abgegriffen? Was wird in totalitären Staaten passieren? Die Apple-Pläne sind eine große Gefahr für die Pressefreiheit und Privatsphäre!"

Sie verweisen außerdem darauf, dass Journalisten oft vertrauliche Daten auf ihren Mobilgeräten speichern. Und selbst wenn Apples Vorhaben zunächst nur in den USA angewandt wird, seien trotzdem europäische Nutzer davon betroffen. Viele Journalisten unterhalten Kontakte zu amerikanischen Korrespondenten und Kontaktpersonen. US-Unternehmen dürfte nicht erlaubt werden, Zugriff auf private Daten zu nehmen, über deren Zulässigkeit zu urteilen und diese gegebenenfalls sogar weiterzuleiten.

Apple hat den Datenschutz auf seinen Geräten seit Jahren ausgebaut und somit zu einem wichtigen Kaufargument für iPhone und Co. gemacht. Dass das Unternehmen jetzt einen derart radikalen Kurswechsel einschlägt, hat viele überrascht. Das Für und Wider von Apples Plänen haben wir in diesem Beitrag beleuchtet.

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