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Gigahertz-G3, virtueller Power PC und erster Embedded Crusoe

16.10.2001 | 00:00 Uhr |

Das Microprocessor Forum in San Jose wird wie jedes Jahr zur Leistungsschau der CPU-Hersteller. Motorola lässt Innovationen bislang vermissen

München/Macwelt - Der Weg zu einem 1GHz-iMac ist frei. Auf dem Microprocessor Forum hat IBM gestern den Power-PC 750 FX vorgestellt, der mit Taktraten von 700 MHz bis 1 GHz arbeiten soll. Der Nachfolger der in iBooks und iMacs verbauten G3-Prozessoren 750 CX und 750 CXe wird der erste in Massenproduktion mit 0,13-Mikron-Technik gefertige IBM-Chip sein. Dank SOI (Silicon on Insulator) und Low-k SiLK dielectric will der Hersteller vor allen Dingen eine größere Performance bei geringeren Stromverbrauch erreichen. Die SOI-Technologie reduziert nicht nur die Leistungsaufnahme des Prozessors, sondern sorgt auch für schnelleres Öffnen und Schließen seiner Gates. Der von Dow Chemical hergestellte Isolator SiLK (mit geringer dielektrischer Konstante) soll eine "Übersprechen" der Signale auf eng beieinander liegenden Kupferdrähten verhindern. Auf 34,6 Quadratmillimetern finden nun laut IBM 39 Millionen Transistoren Platz, bei einer Taktrate von 800 MHz will man eine Wärmeabstrahlung von lediglich 3,6 Watt gemessen haben.
Eine der Altivec-Maschine des G4-Prozessors ähnliche SIMD-Einheit (Single Instruction Multiple Data) weist der neue G3 jedoch nicht auf, jüngst spekulierten Insider über eine Vektoreinheit für den Power-PC 750 FX. Ob IBM in künftigen Versionen SIMD integrieren werde, darüber gab Parker keine Auskunft: "Ich kann keine Details unserer Road-Map nennen."
Nach Macwelt-Schätzungen dürfte das neue Spitzenmodell Power-PC 750 FX bei eiem GHz Taktrate etwa um zwanzig Prozent schneller arbeiten, als der heute in iMacs verbaute 700-MHz-Prozessor. Wichtiger dürfte jedoch sein, dass IBM - und damit in absehbarer Zeit auch Apple - mit der neuen CPU die psychologisch wichtige 1-GHz-Barriere überspringt.
Der auf dem Power-PC 750 CX integrierte L2-Cache weist mit 512 KB den doppelten Wert seiner Vorgänger auf, die maximale Rate des Bustaktes hat IBM ebenfalls verdoppelt, auf 200 MHz. Im Januar sollen die ersten Exemplare verfügbar sein, "kurz danach" will IBM den schnelleren G3 in Massen ausliefern. Laut IBMs Marketing-Manager Dean Parker habe "Big Blue" den 750 FX entwickelt, um seinen "Kunden eine einfache Möglichkeit zum Upgrade" zu geben.

Mehr als ein Gigahertz


Mit noch höherer Taktrate will Transitive Technologies für den Power-PC-Prozessor kompilierte Anwendungen laufen lassen. Dazu setzt Transitive die eigene Code-morphing-Software Dynamite ein, um auf einem X86-Prozessor einer Anwendung eine Power-PC-Umgebung zu emulieren. Wie der Hersteller auf dem Microprocessor Forum zeigt, übersetzt zunächst ein nativ auf dem X86er laufender Decoder den Power-PC-Code abstrakt in eine interne Sprache und gibt das Zwischenergebnis an den Dynamite-Kernel weiter. Dieser übersetzt nun die Befehle in die Maschinensprache des X86-Prozessors. Mit zunehmender Benutzungsdauer soll Dynamite den Vorgang schneller ausführen, da die Software lernt, den Code besser anzupassen. Wie Transitive-CEO John Graham unseren Kollegen von Maccentral mitteilte, liegt die Übersetzungssoftware erst in einer Alphafassung vor. Konkrete Gespräche mit Apple habe man nicht geführt, doch sieht Graham eine mögliche Anwendung für das Mac-OS auf Subnotebooks oder in mobilen Anwendungen.

Transmeta will bald liefern


Transmeta nutzte das Forum, um den Crusoe TM6000 anzukündigen. Außerdem sei der verspätete TM5800 jetzt bald lieferbar, erklärte das Unternehmen. Beim TM6000 handelt es sich um die erste System-on-chip-Lösung aus dem Hause Transmeta, der "embedded" seinen Dienst in unterschiedlichster Hardware verrichten soll: Die Einsatzpalette reicht von Routern und Settop-Boxen bis hin zu DVD-Playern und Highend-Printservern.

Der Intel-kompatible Chip sei in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres lieferbar. Er wird in 0.13-Mikron-Technik produziert und erziele Taktraten von bis zu 1 Gigahertz, und das bei einer Strom sparenden Funktionsweise dank erweitertem "LongRun Power Management". Noch für dieses Quartal verspricht Transmeta die Auslieferung des verspäteten TM5800, der in 0.13-Mikron-Technik produziert wird und damit schneller ist, weniger Wärme erzeugt und weniger Strom frisst als die 0.18-Mikron-Chips. Ursprünglich sollte der Prozessor im Juni auf den Markt gebracht werden. Noch in der ersten Hälfte 2002 soll der TM5800 auf eine Taktrate von 1 Gigahertz gebracht werden.

Motorola unter Zugzwang


Das Microprocessor Forum in San Jose dauert noch bis Ende der Woche, so dass auch Apples G4-Prozessoren-Lieferant Motorola noch Gelegenheit hätte, einen neuen Chip zu präsentieren. Bereits vor vier Wochen wollen Insider erfahren haben, dass Motorola seine Hausaufgaben erledigt hätte und mit der Serienfertigung des G5-Prozessors beginnen könne. ( macwelt.de berichtete ) Von Motorola war in San Jose jedoch bislang nichts zu hören. pm/cw

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