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Glücksspiele im App Store: Legal, illegal, ganz egal?

06.09.2017 | 16:31 Uhr |

In Deutschland sind Online-Glücksspiele verboten. Wie es kommt, dass sich dennoch im App Store so viele Poker-, Casino- und andere Zocker-Apps tummeln.

Die Zeiten der glamourösen Gesellschaften an Casino-Tischen in Baden-Baden, wo ein Dostojevski sein Vermögen verspielen kann, sind endgültig vorbei. Will man eine Spielehalle besuchen, muss man sich zumeist in ein Industriegebiet begeben oder in eine Gegend nahe des Bahnhofs mit den dort obligatorischen dubiösen Gestalten. So sieht zumindest eine verbreitete Vorstellung aus.

Glücksspiele respektive deren Betreiber haben längst andere Vermarktungskanäle gefunden, online über eine Webseite oder vor allem auf dem Smartphone locken unzählige Poker-Spiele, Online-Casinos und dergleichen. Die Suche nach dem Stichwort „Poker" spuckt allein im App Store an die zwanzig Apps aus, die in einer oder anderen Weise den Nutzern Texas Hold’em und verwandte Spiele erlauben.

Glücksspiele: Rechtslage in Deutschland

Generell sind in Deutschland Online-Glücksspiele verboten. Die Veranstaltung des Glücksspiels ist mit dem so genannten Glücksspielestaatsvertrag geregelt. Demnach liegt ein Glücksspiel nur dann vor, wenn die Gewinnchancen vom Zufall abhängen und die Gewinne sowie Spieleinsätze in Form von Echtgeld ausgezahlt werden. Zwar benötigen die Spieler bei einer Pokerrunde in der App virtuelle Chips, die lassen sich per In-App-Käufe erwerben – in vielen Apps können sie bis zu 100 Euro kosten. Die Gewinne sind aber nur virtuell und kommen nie auf einem Bankkonto der Gewinner an, bleiben also in der App verschlossen. Diesen Umstand nutzen viele Betreiber, um die Apps als Unterhaltungsspiele zu bezeichnen. So führt zum Beispiel Zynga bei der Spiel-Beschreibung der App „ Texas Holdem Poker ": "Dieses Spiel richtet sich an ein erwachsenes Publikum und bietet weder Glücksspiele um echtes Geld noch die Möglichkeit, echtes Geld oder Preise zu gewinnen. Übung oder Erfolge bei Spielen in sozialen Netzwerken sagen nichts über die Erfolgschancen bei Glücksspielen um Echtgeld aus." Gleichzeitig ist ein Download der App den Nutzern ab 12 Jahren erlaubt.

Ähnlich sieht die Lage Christiane Lieb, die Geschäftsführerin von Sucht Hamburg gGmbH : „ Derartige Angebote können grundsätzlich als eine Art „Trainingslager" für zukünftige Glücksspieler angesehen werden. Ein Glücksspiel liegt dann vor, wenn im Rahmen eines Spiel für den Erwerb einer Gewinnchance ein Entgelt verlangt wird (§3 GlüAendStVA)."

Wenige Ausnahmen bilden Apps, in denen sich die Einsätze und Gewinne in Echtgeld umwandeln lassen, so zum Beispiel „Poker Starts". Der Betreiber jedoch hat eine legale Konzession vom Bundesland Schleswig-Holstein erhalten und kann so über eine bestimmte Zeit die Glücksspiele online und in diversen App Stores betreiben. Bei solchen Spielen ist jedoch die Altersbegrenzung mit mehr als siebzehn Jahren angesetzt, sprich, Jugendliche dürfen das Spiel gar nicht herunterladen.

Alles gut?

In rechtlicher Sicht sind die meisten Glücksspiel-Apps zwar auf der sicheren Seite, bilden aber unserer Auffassung nach ein potentielles Risiko vor allem für Kinder und Jugendliche. All zu prominent sind in solchen Apps die Glücksspielemente hervorgehoben, die meisten der Anbieter senken die Altersbegrenzung auf die Mindestgrenze von zwölf Jahren. So ist den Kindern der Zugang zu den Glücksspielen erleichtert, weil es sich ja um reine Unterhaltungsspiele handelt. Gleichzeitig wird online und in der App der Einsatz mit dem Echtgeld relativiert, selbst reine digitale Gewinne in Form von Punkten oder Chips können ein Glücksspielerlebnis naturgetreu simulieren.

Selbst Experten im Bereich Glücksspiele sehen das Risiko einer Sucht als hoch ein. Martin Hill, der Chefredakteur von online-casino.de erklärt uns: „Jugendliche werden heute viel zu früh ans Glücksspiel herangeführt. Zwar geht es bei Zynga Poker nicht um echte Einsätze und Gewinne, doch eine Spielsucht lässt sich auch durch die Punktejagd und das Sammeln von virtuellem Geld auslösen. Heute sitzen Kinder ohnehin viel zu oft vor dem PC und am Smartphone. Sie dann auch noch mit Glücksspielen vertraut zu machen, ist in unseren Augen nicht förderlich und sollte unterbunden werden. Da jedoch kein Geld gesetzt wird, ist es den deutschen Glücksspielbehörden nahezu unmöglich, dem einen Riegel vorzuschieben. Glück braucht es schließlich, um sich gegen Mitspieler zu behaupten und zu gewinnen. Ob nun Einsätze stattfinden oder nicht, spielt demnach nur eine beiläufige Rolle. Die Gefahr, Jugendliche in die Spielsucht zu treiben, ist hier enorm hoch."

In die Spielsucht zu rutschen ist bei solchen Spielen sehr leicht, wieder diese loszuwerden dagegen – extrem schwierig: "Um Spielsucht zu behandeln, reicht ein einfacher „kalter Entzug“ nicht aus. Daher brauchen die meisten Betroffenen professionelle Hilfe, um den richtigen Umgang mit der Sucht zu lernen und die Probleme hinter der Sucht anzupacken", meint Peter Hamsen von Glücksspiel Selbsthilfe Interessengemeinschaft e. V .

Unser Fazit: Trotzt rechtlich sicheren Lage in Deutschland stellen die Glücksspiele in Form einer App dennoch ein Sucht-Risiko insbesondere für Jugendliche dar. Da sind die Spiele-Entwickler in der Pflicht, zumindest die Altersbegrenzung im App Store zu beachten, und eigene Spiele erst für eine ältere Zielgruppe (17+) anzubieten. Denn besonders für die Jugendliche fällt laut Studien der Unterschied schwer, ob es sich um ein tatsächliches oder nur virtuelles Gewinn handelt, sobald die Glücksspielelemente in der App vorhanden sind.

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