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Google: "Gruppenzwang und Mobbing" bei Apples iMessage

11.01.2022 | 09:30 Uhr |

Google kritisiert Apple in Folge eines Berichts des Wall Street Journals recht scharf ob seiner iMessage-Politik. Nur wird sich trotz eines Angebots von Google kaum etwas daran ändern, Apple hat andere Pläne.

Nur wenige Tage nach der Vorstellung einer neuen Android-Kampagne, die sich stark an Apples Strategie der Nahtlosigkeit anlehnt , wettert Google gegen Apple bezĂĽglich der grĂĽnen und blauen Sprechblasen in seiner App Nachrichten (iMessages).

Nach einem Bericht des Wall Street Journal, der den Druck dokumentiert, den blaue Sprechblasen auf die Kaufentscheidungen von Teenagern ausübt, hat Google-Manager Hiroshi Lockheimer auf Twitter Apples farbcodierte Sprechblasen scharf kritisiert und sie als "eine dokumentierte Strategie" des Unternehmens bezeichnet, das "Gruppendruck und Mobbing als Mittel zum Verkauf von Produkten" einsetzt. Blau sind Sprechblasen in Nachrichten / iMessages nur, wenn die Kommunikationspartner auf iPhones oder andere Apple-Geräte setzen und Nachrichten im proprietären System austauschen. Sobald fremde System wie Android ins Spiel kommen, werden die Blasen grün – und die Nachrichten nutzen den SMS-Dienst des jeweiligen Mobilfunkproviders, in dem – je nach Tarif – zusätzliche Kosten anfallen können.

Warum Apple Widerstand leistet

Der WSJ-Bericht bringt Dokumente aus dem Epic-Prozess ans Licht, die Apples Widerstand gegen die Ausweitung von iMessage auf Android aufzeigen. In einer Reihe von E-Mails befürchteten Craig Federighi, Phil Schiller und andere Apple-Führungskräfte, dass "iMessage auf Android einfach dazu dienen würde, [ein] Hindernis für iPhone-Familien zu beseitigen, ihren Kindern Android-Telefone zu geben".

Im Artikel kommen zahlreiche Highschool- und College-Schüler zu Wort, die Situationen beschrieben, in denen iMessage Android-Benutzer aus einer Kommunikationsblase ausschloss. In einem Fall machte sich die Schwester eines Mädchens "über sie lustig, weil sie mit potenziellen Partnern über Android-Telefone Texte austauschte" und nannte die grünen Sprechblasen "ekelhaft".

Woran Google arbeitet

Lockheimer erklärt dem Blatt, dass es "keine wirklichen technischen oder produktbezogenen Gründe" für die Beschränkung von iMessage gebe und forderte Apple auf, "sich dem Rest der Mobilfunkindustrie anzuschließen". Google hat im Laufe der Jahre zahlreiche proprietäre Messaging-Plattformen ausprobiert, darunter Allo und Hangouts, aber keine hat die Art von Zugkraft erlangt, die mit  der Attraktivität von Apples iMessage konkurrieren könnte.

Google hat seinerseits kürzlich seine eigene Nachrichten-App aktualisiert, um iMessage-Interaktionen wie "Gefällt mir" und "Lachen" zu unterstützen. Bisher führten die Reaktionen zu lästigen Texten, die die Nachricht, die jemandem gefallen hat, wiederholten und die Konversation durcheinander brachten, aber unter dem neuen System erscheinen die Emojis wie auf dem iPhone.

Google hat vor kurzem auch RCS (Rich Communication Services) für Messages eingeführt, das viele der Vorteile von iMessage bietet, aber nicht an ein bestimmtes Gerät gebunden ist. Ähnlich wie bei SMS handelt es sich um ein universelleres System, das von den Netzbetreibern unterstützt wird. Lockheimer folgte seiner Kritik mit einem Twitter-Thread, in dem er erklärte, warum Apple RCS unterstützen sollte und wie es "die Erfahrung für iOS- und Android-Nutzer gleichermaßen verbessern würde". Er bekräftigte zudem, dass Google "gerne mit Apple zusammenarbeitet, um die Interoperabilität von RCS zu verwirklichen".

Es bleibt aber unwahrscheinlich, dass sich die iMessage-Plattform in nächster Zeit ändern wird. Wie aus dem Bericht des Wall Street Journal hervorgeht, funktioniert das System wie vorgesehen und Apple hat keinen Grund, es zu ändern. Wenn überhaupt, ist es wahrscheinlich, dass wir eine Erweiterung erleben werden, da Apple neue tragbare Geräte plant und auf Augmented-Reality-Dienste setzen wird.

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