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Großer Andrang bei Apples Ladeneröffnung

21.05.2001 | 00:00 Uhr |

Seit Samstag weiß die Öffentlichkeit, wie sich Apple den "Gold-Standard" für die Präsentation des Mac im Handel vorstellt. In der Tat einmalig sein dürfte das rote Telefon, das jeden Apple Retail Store mit der Zentrale in Cupertino verbinden soll.

Massen von neugierigen Besuchern zogen am Samstag die ersten beiden Filialen der Apple eigenen Ladenkette in McLean, Virginia, und Glendale, Kalifornien, bei ihrer Eröffnung an. Unsere US-Schwestersite Maccentral führt Berichte von Lesern an , die dem Ereignis beiwohnten. Demnach sollen sich rund vierhundert Personen in die Schlange im Einkaufszentrum Tysons Corner vor den Toren Washingtons eingereiht haben. Sogar aus South Carolina seien Mac-Enthusiasten angereist, auch anderthalb Stunden nach der Eröffnung habe sich die Schlange quer durch das gesamte Einkaufszentrum gezogen. Regelmäßige Besucher der Mall, die zu den zehn größten der USA gehören soll, konnten sich den Berichten zufolge nicht an einen solchen Andrang erinnern.

Selbst vor Ort waren die Kollegen von Maccentral hingegen bei der zweiten Eröffnung eines Apple Retail Stores im südkalifornischen Glendale . Bis in das Parkhaus der Glendale Gallery reichte die Warteschlange, als um 10 Uhr Ortszeit die Tore öffneten, nach Schätzung von Apple-Mitarbeitern standen rund 1.500 Neugierige an. Enthusiastisch äusserte sich Ron Johnson, bei Apple "Senior Vice president of retailing". Er fühle sich an den Kevin-Costner-Film "Field of Dreams" erinnern: "Wir bauten es (im Film ein Baseballfeld, Anm. der Red.) - und sie kamen."

Unter Analysten herrscht jedoch geteilte Meinung über Apples Entscheidung, eine eigene Ladenkette zu starten. David Goldstein, Präsident des in Dallas ansässigen Unternehmensberaters Channel Marketing Corp., sieht "überhaupt keinen Sinn" in der Ladenkette. In spätestens zwei Jahren werde Apple seiner Meinung nach die "Lichter ausdrehen" und mit einer sehr schlechten und teuren Erfahrung aus dem Abenteuer gehen. Als eine "brilliante Idee" sieht hingegen George Rosenbaum, Vorstand bei den Chicagoer Marktforschern von Shapiro & Associates, Apples Zug an: "Man muss sich wundern, warum sie so lange dafür gebraucht haben". Würde Apple auf eine eigene Kette weiter verzichten, begäbe man sich laut Rosenbaum in die Abhängigkeit von Distributoren und würde um Präsenz im Markt schwer kämpfen müssen. Mit eigenen Läden zeige sich Apple nun "auf der Strasse" und könne nun auch Kunden ansprechen, denen die Marke bislang unbekannt war. Fans und potentielle Neukunden hätten in den Läden die Gelegenheit, die Rechner auszuprobieren anzufassen und könnten dadurch verstehen, was der Mac und Apple "wirklich bedeuten".

Skeptiker wie Goldstein führen jedoch an, dass Computer-Hersteller, die sich selbst als Retailer versuchen, in der Regel diese Experimente alsbald beenden. Man sei schlichtweg nicht in der Lage mit Add-ons, Peripheriegeräten oder Upgrades die Wünsche der Kunden zu befriedigen und könne zudem beim Preis nicht mit Resellern konkurrieren. Apple habe darüberhinaus das Problem, nur einen sehr kleinen Markt anzusprechen.

Die Fehler, die unter anderem Gateway dazu zwangen, im März 27 seiner Läden zu schließen, sollte nach Ansicht des Lehman Brothers-Analysten Daniel T. Niles Apple jedoch nicht wiederholen. Der Mac-Hersteller genieße durch zahlreiche Retailer - nach Steve Jobs Ankündigung etwa 3000 USA-weit - bereits eine hohe Aufmerksamkeit. Die Cupertino-Company habe bei der Auswahl seiner neuen Verkaufsstellen besonders auf den Standort geachtet und sei nur in belebte Geschäftszentren gezogen.

Wer den weiten Weg nach McLean oder Glendale nicht auf sich nehmen konnte oder wollte, kann auf Apples Website einen Eindruck von den Stores erhalten. In einem Quicktime-Film stellt Steve Jobs den in die

vier Bereiche "Home and Pro", "Solutions", "The Genius Bar", "Software" aufgeteilten Laden in Glendale vor. Der besondere Punkt an der Informationstheke "The Genius Bar" ist ein rotes Telefon, mit dem laut Jobs die Verkaufsberater die Zentrale in Cupertino anrufen können, sollten Kunden technische Fragen haben, die vor Ort nicht zu klären sind. Drei Quicktime-VR-Panoramen ermöglichen einen Rundumblick innerhalb des Stores. pm

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