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Hat das Macbook Air ein Hitzeproblem? Die Ursache

17.05.2020 | 12:34 Uhr | Stephan Wiesend

Einige Kunden beschweren sich über laute Lüftergeräusche beim Macbook Air, ihr Macbook würde zu schnell überhitzen. Das hat mehrere Ursachen.

Das neue Macbook Air 2020 wirkt für viele Anwender wie der ideale Rechner: Kompakt, günstig und endlich mit einer Tastatur, die ihren Namen verdient. Nach längeren Erfahrungen mit dem Gerät sind aber doch einige Kritikpunkte laut geworden . Vor allem geht es dabei um die Lüfter und die Performance des günstigsten Macbooks. Wie bei solchen Berichten üblich, sind die Nutzerkommentare hier gespalten, bei einigen treten die Probleme ständig auf, bei anderen sind sie völlig unbekannt. Die Kritik selbst, etwa bei Macrumors, kling aber sehr ähnlich: Bei hoher Systemlast soll der Lüfter sehr laut werden, vor allem bei langer und hoher Systemlast wie Videoschnitt oder Videokonferenzen. Das soll sogar bei einfachen Alltagsaktivitäten auftreten, etwa wenn man ein Youtube-Video in 4K-Auflösun g ansieht. Das dürfte eigentlich nicht passieren.

Der Vorwurf: Das Kühlsystem scheint nicht sehr leistungsfähig zu sein und das Macbook zu schnell zu überhitzen. Wie schon die Seite Notebookcheck richtigstellte, ist aber Überhitzung eigentlich der falsche Vorwurf. Das Macbook Air sorgt offensichtlich nämlich mit schnell laufendem Lüfter und Ausbremsen des Prozessors dafür, dass das Gerät gerade nicht überhitzt. Bei der Klärung gibt es aber einige Hintergründe zu Berücksichtigen.

Das Air hat nur einen einzigen und dazu kleinen Lüfter.
Vergrößern Das Air hat nur einen einzigen und dazu kleinen Lüfter.
© Youtube

Die CPU: Schnell aber nur ein Sprinter

Von der niedrigen angegebenen Taktung des Macbook-Air-Prozessors von 1,1 GHZ  muss man nicht enttäuscht sein: Die CPU des Einstiegsmodells ist eine Intel i3-CPU mit zwei CPU-Kernen, kann aber kurzzeitig mit höherem Takt laufen – wenn man eine komplexe Webseite öffnet oder ein Foto bearbeitet springt der Takt kurzzeitig von 1,1 GHz auf bis zu 3,2 GHz. Um eine Überhitzung zu vermeiden, wird aber die Leistung schnell wieder reduziert. Wie schnell dieses Heruntertakten aktiv wird, kann der Hersteller vorgeben. Offensichtlich hat sich Apple für häufiges Heruntertakten entschieden. Das soll vielleicht auch die Akku-Laufdauer verbessern, die für viele Anwender sehr wichtig ist. Gleichzeitig spring der Lüfter aber erst relativ spät an. Das sorgt für niedrige Lautstärke, bei hoher Erwärmung muss der Lüfter dann aber sehr schnell und etwas länger laufen, um die Wärme wieder zu reduzieren.

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Hohe Lüfterdrehzahlen sind aber lästig und verärgern den Nutzern. Nach unserer Meinung ein Problem: Warum die CPU sehr stark strapaziert wird, ist für den Anwender oft nicht erkennbar. Kurz nach dem Kauf wird etwa das System durch eine Reihe an Hintergrundaktivitäten stark belastet. Unter Umständen wird die Fotobibliothek im Hintergrund nach Gesichtern durchsucht oder iCloud führt langwierige Aktionen durch. Die CPU-Last, die Dienste wie Youtube oder auch Spotify verursachen, wird oft unterschätzt. Unter Umständen liegt das Youtubevideo nur in einem speziellen Google-Format vor, dass die CPU stark belastet  – und der Lüfter läuft bald auf Hochtouren. Was die CPU belastet kann man aber mit einem Blick in das Dienstprogramm Aktivitätsanzeige herausfinden. Oft liegt es nur an einer einzige Webseite, oft  aber auch an iCloud.

Was  aber erste Tests zeigen: Wie schnell die Lüfter anspringen, hängt ebenfalls von dem gewählten Modell ab: Das Basismodell mit i3-CPU ist langsamer, bleibt aber auch länger kühl als die schnelleren Modelle mit i5-CPU und Quadcore-CPU oder das Top-Model mit i7-CPU. Das langsamste Modell und günstigstes Modell ist darum anscheinend auch das leiseste Modell. Probleme mit lauten Lüftern hatten übrigens auch schon frühere Top-Macbook-Versionen mit der i7-CPU.

Lahm durch lahmes Kühlsystem?

Kritik wurde auch am Kühlsystem des Macbook Air laut, hier sorgt nämlich ein einzelner Lüfter für die Kühlung des Gerätes. Ein einzelner Lüfter ist aber gerade bei den Top-Modellen von dieser Aufgabe überfordert und muss mit seiner Maximalgeschwindigkeit laufen – und das Macbook Air wird richtig laut. Warum Apple kein leistungsfähigeres Kühlsystem verbaut hat, hat vermutlich Kostengründe. Eigentlich ist das Air ja auch für Büroanwender und Einsteiger gedacht, weshalb die Macbook Air langsamere CPUs als die Macbook-Pro-Modelle besitze.

Erste Benutzer haben anscheinend bereits versucht, das Kühlsystem zu verbessern – etwa mit neuer Kühlpaste – das würden wir aber nicht empfehlen.

Wie man hohe CPU-Leistung mit niedriger Lautstärke kombinieren kann, zeigen die äußerlich sehr ähnlichen Macbook Pro 13-Zoll mit vier Thunderbolt-Schnittstellen. Was viele nicht wissen: Es gibt zwei Macbook Pro 13-Zoll-Versionen, die sich äußerlich nur durch die Zahl ihrer Thunderbolt-Schnittstellen unterscheiden. Die Modelle mit vier Ports bieten aber unter der Haube nicht nur schnellere CPU-Modelle (statt Mittelklasse-CPUs der 8. Generation nun Top-CPUs der 10. Generation) sondern auch ein viel besseres Kühlsystem. Während das Macbook Air und das Macbook Pro mit zwei Thunderbolt-Schnittstellen nur einen Lüfter spendiert bekamen, erhielten die Top-Modelle mit vier Ports ein besseres Kühlsystem mit zwei Lüftern. Die Folge: Die Leistung der CPU und Grafikkarte wird bei diesen Modellen später gedrosselt und der Lüfter kann länger mit niedriger Drehzahl laufen. Die Rechner erreichen dadurch unter Dauerlast höhere Leistungen, sind aber unter Volllast sogar leiser. Die Preise für die Modelle von 2020 fangen im Apple Store allerdings erst bei 2129 Euro an.

Das Modell mit vier Ports bietet nicht nur zwei große Lüfter, das Kühlsystem ist sehr aufwendig aufgebaut.
Vergrößern Das Modell mit vier Ports bietet nicht nur zwei große Lüfter, das Kühlsystem ist sehr aufwendig aufgebaut.
© IFixit

Die Folge: Der Video-Profi, der vielleicht über Tage 4K-Videos mit Premiere bearbeitet oder aufwendige Foto-Projekte durchführt, sollte vielleicht eher zum Macbook Pro mit vier Thunderbolt-Schnittstellen greifen. Arbeitet jemand aber nur mit Outlook und Excel, liefert ein Macbook Air mehr als genug Leistung – auch für gelegentlichen Videoschnitt mit Final Cut Pro X.

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