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Hey Apple: Sanktionen gegen Russland jetzt!

24.02.2022 | 16:30 Uhr | Halyna Kubiv

In Europa herrscht Krieg, seit dem Morgen des 24. Februar 2022. Was Apple als größte Firma der Welt gegen russische Kriegsgelüste unternehmen kann.

Ich bin eine Ukrainerin, im Pass und im Herzen, und dieses Herz schlägt seit heute morgen recht schnell, selbst im Ruhezustand, sagt mir zumindest meine Apple Watch. Ok, einen eleganteren rhetorischen Bogen bekomme ich unter diesen Umständen nicht mehr hin, weswegen ich gleich zum Punkt komme: 

Ich verlange von Apple ungeachtet der Sanktionen der USA und der EU eigene Maßnahmen gegen Russland. Ein Verbrechen gegen die Menschheit, wie es Russland momentan begeht, darf nicht unbestraft bleiben und muss geahndet werden, mit allen möglichen Mitteln. Und Apple als größte Firma der Welt mit mehr als einer Milliarde aktiver Geräte ist da nicht komplett machtlos:

Apple Pay in Russland abschalten: Der Dienst funktioniert in der Zusammenarbeit mit lokalen Banken und anderen Finanzinstanzen, der Schalter für ein bestimmtes Land lässt sich höchstwahrscheinlich schnell und ohne Auswirkung auf andere Regionen umlegen. 

Kostenlose iCloud-Dienste in Russland deaktivieren: Das klingt recht hart, aber offenbar scheut sich Apple nicht davor, die eigene iCloud in bestimmten Regionen lahmzulegen, wenn die US-amerikanische Regierung die entsprechenden Regelungen erlässt. So weist der Hersteller auf seiner Website hin , dass iCloud bzw. ihre kostenlosen Services in Nordkorea und Syrien nicht zugänglich sind. Einige Einschränkungen bei iCloud erleben die Nutzer auf der Krim (Ukraine), auf Kuba und in Iran. 

iCloud – Einschränkungen
Vergrößern iCloud – Einschränkungen

Die iCloud abzuschalten wäre einer der wirkungsvollsten Schritte: Mit jeder neuen Betriebssystemversion verfrachtet Apple immer mehr eigene Dienste in die Cloud. Seit kurzem synchronisieren sich per iCloud auch Health-Daten, vom iCloud-Schlüsselbund ganz zu schweigen. 

Entwickler-Konten aus Russland einfrieren : Diese Maßnahme hat Apple bereits 2014 durchexerziert, als Russland die Halbinsel Krim annektiert hat. Die Entwickler aus der Region konnten ihre Apps nicht mehr in den Store bringen, auch alle Zahlungen wurden eingefroren. Dass es recht leicht geht, beweist ein Zwischenfall von vor zwei Wochen. Offenbar hat Apple alle Entwickler-Konten aus Belarus eingefroren , die Nutzer bekamen eine Fehlernachricht, ihr Konto stünde auf der Sanktionsliste. Einige mögen sagen, das würde allzusehr auch Nutzer in anderen Ländern betreffen, die auf russische Apps setzen. Aber Hand aufs Herz, welche russische App haben Sie gerade auf Ihrem iPhone? 

Russischen App-Store abschalten: Zusammen mit Abschaltung von iCloud in Russland wäre dies eine effektive Methode,  sämtliche Apple-Geräte im Land quasi außer Betrieb zu setzten, denn nichts würde dann normal gehen: Keine App-Updates, keine Käufe oder Abos, keine neuen Apps etc. Selbst Apple Configurator 2, eine Hintertür für nicht-distribuierte Apps, wäre damit verschlossen, denn die App muss man aus dem Mac App Store herunterladen. 

Die oben skizzierten Maßnahmen betreffen nur digitale Services, keine Hardware, das heißt, nach Wunsch kann Apple dies recht problemlos und leicht implementieren. Dafür muss das Unternehmen keine Regierungserlasse abwarten, die sicherlich noch kommen. Mehr noch, Smartphones wie die iPhones von Apple bestimmen das Alltagsleben überall auf der Welt so sehr, dass nicht gescheit funktionierende iPhones wahrscheinlich mehr Auswirkung haben werden als Abschalten von Swift und anderen Finanz-Technologien.

Und wenn man gleich kommentieren will, dass damit auch die russische Bevölkerung betroffen sein wird: Ja, das stimmt, das wird sie. Aber frei nach Jaspers "Schuldfrage" übernimmt jeder eine politische Verantwortung für die Handlungen seiner Regierung, selbst wenn man eine direkte politische Handlung verweigert. 

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