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Hoffen auf den Zeitenwechsel

26.09.2003 | 11:57 Uhr |

Hoffen auf den Zeitenwechsel

Es besteht aber Hoffnung, vielleicht nicht so viel für die Sozialdemokraten in Bayern, sondern mehr für die Mitbewerber Microsofts. Als hätten sie die Plakate fast aller bayerischen Parteien gelesen, meinte in einer Studie Computer & Communications Industry Association (CCIA): "Macht braucht Kontrolle!". Da aber der Redmonder Softwarekonzern bislang in allen Kartellverfahren glimpflich davon gekommen ist, spricht das von Sun und Oracle unterstützte Gremium einen wesentlich empfindlicheren Punkt an. Die Monokultur an sich gefährde die nationale Sicherheit der USA, meinen die Experten. Trotz aller Sicherheitsbestrebungen, die man Microsoft einmal wohlwollend anerkennen möchte, habe man keine Chance, wenn wieder eine durch menschliches Versagen entstandene Lücke gleichzeitig in allen Rechnern landes- und gar weltweit offenbar werde. Reihenweise fielen Computersysteme wie eine Monokultur Fichten, für die der Borkenkäfer nach einem milden Winter in einem feuchten Sommer ein wahrlich gefundenes Fressen ist.. Der Rat an Regierenden: Setzt mehr auf heterogene Netze, und zwingt Microsoft, die eigenen Quasi-Standards zu öffnen und etwa Word auch für Linux anzubieten.

Doch nicht die Fehler der anderen sollten es sein, auf die man sein Geschäft aufbaut. Anstatt zu jammern, sich selbst zu zerfleischen und weit ab von den wirklichen Bedürfnissen des Kunden zu entwickeln - wie es bei der bayerischen SPD seit den frühen Siebzigern ist und es bei Apple während Steve Jobs' Abwesenheit lange Jahre so war - ist es wichtig und richtig, mit Innovationen zu glänzen. Irgendwann gelingt der große Wurf, den die Konkurrenz nicht mehr rechtzeitig zu kopieren versteht. Apple wird im Desktop- und Server-Bereich so schnell keine regierungsfähige Mehrheit oder gar ein Monopol zusammenbekommen - ganz abgesehen davon, dass dieses auch nicht gesund wäre. Den Trend zu mehr mobilem Computing hat Apple mit der Ausrufung des "Jahrs des Notebooks" rechtzeitig erkannt und gesetzt - dort wächst der Markanteil des Mac-Herstellers signifikant.
Wo für Apple aber wirklich die Lorbeeren zu holen sind, zeigt der iPod, der trotz aller Nachahmer immer noch der State-of-the-Art Musikplayer der digitalen Welt ist. Gerade in Verbindung mit dem iTunes Music Store, der noch eine Weile brauchen wird, bis er sich durch den europäischen Lizenzendschungel gekämpft hat, ist der iPod derzeit absolut konkurrenzlos, wie mehr als eine Million verkaufte Geräte eindrucksvoll zeigen.

Doch hoffentlich kommt es nicht wie schon so oft: Die Nachahmer stoßen auf einen vorbereiteten Markt, sparen sich Entwicklungskosten und aufgrund ihrer Größe können sie billige Geräte und Services herausbringen. Dell sucht nun auch sein Heil im Entertainment-Sektor und bringt neben einer iPod-artigen Digitalen Jukebox (DJ) auch den Dell Music Store auf den Markt. Laut Pressekonferenz sollen dem Anwender "tausende" von Stücken zum Downlaod auf den DJ bereit stehen. Fein - ein Dell-Anwender braucht keine hunderttausendes an Stücken umfassende Musikauswahl, wie mir der Blick in den Plattenschrank eines derartigen Zeitgenossen vor kurzem zeigte. Außer den "No Angels" und einem "DSDS"-Sampler standen da nur zwei grauenhafte Spätwerke von Chris de Burgh und Barclay James Harvest herum.

Aber es ist wohl zu spät, dass dem iPod und dem iTMS das Schicksal der Bayern-SPD droht. Diese kann sich immerhin damit trösten, dass die Verhältnisse sich langsam ändern, das Wirtschaftswachstum in Bayern liegt mittlerweile hinter dem Bundesdurchschnitt, durch Landesgelder extrem subventionierte Firmen wie der Kirch-Konzern oder Grundig machen trotz allem pleite und die Arbeitslosigkeit und die einhergehende Entvölkerung in manchen Landstrichen des Freistaates würde auch Mecklenburg-Vorpommern alle Ehre machen. Früher oder später wird die CSU auf Bundesebene wieder in die Verantwortung kommen, mit Total-Opposition und dem Herausstellen des "Bayerischen Weges" ist es dann vorbei. Nur müssen die bayerischen Sozis von Apple lernen: Es lassen sich nur Produkte gut verkaufen, welche die Leute so nicht kennen aber trotzdem schon immer haben wollten.

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