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Homepod Mini: Kein Spaß am Mac

10.03.2021 | 11:40 Uhr | Thomas Hartmann

Endlich steht er auf unserem Schreibtisch – der kleine Knubbel-Lautsprecher von Apple namens Homepod Mini in Weiß. Doch richtig Spaß macht es mit ihm an unserem Mac Mini nicht. Die Gründe …

Im November des vergangenen Jahres haben wir zum ersten Mal einen brandneuen Apple Homepod Mini in Weiß bestellt, damals bei Cyberport. Space Grey wollten wir nicht, obwohl der früher verfügbar war. Doch selbst der angekündigte Liefertermin Ende Januar konnte leider nicht eingehalten werden. Nach der Stornierung haben wir erst mal eine Weile abgewartet und dann ein Angebot der Telekom mit angeblich ein bis vier Tagen Lieferzeit akzeptiert. Für 95 Euro, nicht gerade ein Schnäppchen, aber nach drei Tagen war der kleine smarte Lautsprecher tatsächlich da. Über Qualität und Sound des kleineren Bruders vom Apple Homepod wurde schon genug geschrieben, getestet und berichtet, auch bei uns .

iOS hui, macOS pfui

Keine Frage, mit iOS-Geräten oder direkt mit Apple Music auf den Lautsprecher gestreamt, klappt das auch alles einwandfrei. Aber, und hier ist man doch überrascht bis entsetzt, am Mac Mini (2018) gibt es erhebliche Probleme bei der Verbindung. Diese kommt zwar zustande, aber das dauert manchmal. Was daran liegen mag, dass der Mac nicht etwa über Bluetooth den Sound sendet, sondern über Airplay 2. Anders die Apple Airpods Pro, die sich direkt über Bluetooth respektive den H1-Chip zuschalten lassen – und bei diesen ist der Sound in allen Anwendungen auch mit dem Mac fast vollständig synchron – nur in Garageband lässt sich eine leichte Verzögerung wahrnehmen, drahtlose Kopfhörer sind generell nicht für die Musikproduktion wegen dieses Lags geeignet.

Der Homepod Mini dagegen zeigt bei uns Verzögerungen ein breites Spektrum: Von noch wahrnehmbaren Bruchteilen einer Sekunde wie mit Safari, Apple TV+ oder Music und anderen Mac-Apps von Apple bis zu schmerzlich spürbaren Abständen in anderen Applikationen. So bemerken wir das deutlich beim Test des Spiels "Mutropolis" (demnächst auf Macwelt.de) – hier wird der eingeblendete Text der sprechenden Personen mindestens eine Sekunde vor der Sprachausgabe angezeigt. Sehr störend. Nimmt man stattdessen die Airpods Pro, hat man wieder völlige Synchronizität.

Böse Verzögerungen teils auch mit Apple-Apps

Aber es kommt noch schlimmer. Wie Macwelt-Redakteur Peter Müller ebenfalls mit einem Homepod Mini am Mac ausprobierte, stellte er in Safari bei der Wiedergabe zwar keine Verzögerung fest, und auch auf Youtube blieben Bild und Ton synchron. Auch bei ihm gab es allerdings ein wenig Nachlauf, denn der Ton lief noch gut eine Sekunde weiter, nachdem er auch das Video gestoppt hatte. Wir selbst merken es auch, wenn wir in Youtube auf Safari vorspulen, dass es mit dem Homepod Mini eine deutlichere Verzögerung gibt als sonst mit anderen Lautsprechern oder den Airpods.

Besonders auffällig war für Peter Müller der Effekt dann aber auch mit einer puren Mac-Applikation: Garageband. Hier sei die Verzögerung sogar ”immens”. Von Bluetooth-Kopfhörern kenne man den Lag ja (bei zirka 100 Millisekunden). Aber mit dem Homepod Mini drücke man eine Taste, erst eine gute Sekunde später kommt der Ton – in der Form also völlig unbrauchbar. Auch bei Siri bemerkt er eine Verzögerung in der Reaktion: ”Wenn ich sage ‚Siri, weiter‘, dauert das auch eine gute Sekunde, bis es zum nächsten Titel geht.” Die Verzögerung aus Garageband ist beim großen Homepod die Gleiche, nur reagiert der wesentlich schneller als die beiden Homepod Mini, die Müller zu einem Stereopaar gekoppelt hat.

Teurer Homepod am Apple-Gerät kaum brauchbar

Man könnte das fortführen mit besseren und schlechteren Erfahrungen. Fakt ist: in dieser Form sind die Homepod Mini für den Gebrauch an Macs als reguläre Lautsprecher fast unbrauchbar. Denn wenn es auch in einigen Fällen gut funktioniert – man kann ja auch etwa Netflix oder Amazon Prime über den Safari-Browser laufen lassen – in anderen Fällen ist es eine glatte Katastrophe, so etwa bei Videokonferenzen wie mit Zoom. Hier kann man als Soundausgabe ”Airplay” wählen, womit die Apple-Lautsprecher gemeint sind. Macht man dann in den Voreinstellungen den Test, sieht man an den grünen Balken, dass der Testton bereits abgespielt wird, aber mit einer mehr als ärgerlichen Verzögerung erst aus dem Homepod Mini ertönt. Das ist bei einer Live-Konferenz natürlich völlig unmöglich. Zeigt aber auch den Grund für diese Problematik: Weil die Homepods am Mac eben nicht per Bluetooth, sondern über Airplay 2 geschaltet werden. Von einem Klinkenkabel wollen wir gar nicht erst reden – oder von den Airpods Max träumen, die sich auch mit einem Klinken-auf-Lightning-Kabel drahtgebunden betreiben lassen.

Homepod-User drücken Ärger im Apple-Forum aus

Zu dieser Thematik gibt es im Apple-Forum unter ”Discussions” einen aufschlussreichen Thread . Dort werden fast identische Probleme wie hier angesprochen und geschildert. Und vor allem darauf hingewiesen, dass ein vergleichbares Phänomen auftaucht mit einem Sonos-Lautsprecher, wenn er über Airplay gestreamt wird. Diese Berichte, wohl gemerkt, stammen größtenteils schon vom letzten Jahr. Ein neuerer Bericht vom Januar weiß ebenfalls über Verzögerungen von zwei bis drei Sekunden bei der Verbindung mit einem Macbook Pro zu berichten.

Wann reagiert Apple?

Die Frage ist, was Apple hier macht. Bisher offenbar nichts. Denn entweder müsste Airplay 2 ein deutliches (Firmware-)Update erhalten, damit solche Verzögerungen am Mac nicht mehr auftreten. Oder auch die Homepods müssten für eine direkte Verbindung über Bluetooth freigegeben werden – denn die kleinen smarten Lautsprecher haben Bluetooth 5.0 an Bord, wie man bei Apple selbst nachlesen kann . Zugegeben, bei den Kompatibilitäten werden Macs nicht genannt, sondern lediglich iPhones, iPads und iPod Touch – aber da die Lautsprecher nicht mit anderen Produkten von Apple selbst konkurrieren und schließlich prinzipiell dazu fähig sind, warum nicht für die User, die gutes Geld dafür bezahlt haben, auch via Bluetooth freigeben? Wieder einmal eine äußerst proprietäre Apple-Entscheidung, die niemand wirklich versteht. Und den tollen Eindruck, den die kleinen Apple-Lautsprecher mit ihrem Klang bieten, unnötig schmälern, solange man sich nicht auf die iOS-Geräte beschränkt. Schade.

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