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IFA 2001 wird zur Rekordveranstaltung

16.08.2001 | 00:00 Uhr |

Am Samstag nächster Woche eröffnet die Internationlae Funkausstellung in Berlin zum 43-sten Mal ihre Pforten. Aus 43 Ländern erwarten die Veranstalter 904 Aussteller, die einst kleine Rundfunkmesse ist zum Milliardengeschäft geworden.

Die Internationale Funkausstellung (IFA) präsentiert sich bei ihrer 43. Auflage in Rekordlaune. Mit 904 Ausstellern aus 40 Ländern gibt es eine noch nie erreichte Angebotsfülle. "Die IFA wird zu einem absoluten Festival der Innovationen", heißt es in einer Ankündigung der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu). Die "digitale Evolution" erreiche einen neuen Höhepunkt. Das betreffe das digitale Fernsehen und den Hörfunk ebenso wie die Aufzeichnungsmedien, das Fotografieren, die Telekommunikation und die Informationstechnologie.
Der gfu-Aufsichtsratsvorsitzende Rainer Hecker ist zuversichtlich, dass die Nachfrage nach einem schwächeren ersten Halbjahr nun wieder anzieht. Die Branche bleibt bei der bereits im Frühjahr gegebenen Prognose, dass der Umsatz nach 10 Prozent Plus im Vorjahr in diesem Jahr um 6 Prozent auf rund 40 Milliarden DM (20,45 Mrd Euro) steigen wird.

Unterhaltungsbranche ist zuversichtlich

Während für die meisten anderen Branchen kein plötzlichen Auftragsboom als zündender Impuls in Sicht ist, blicken die Hersteller der Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik freudig gespannt nach Berlin. Denn auf der Funkausstellung (25. August bis 2. September) können die Auftragsbücher meist prall gefüllt werden. Auf dem weltweit bedeutendster Branchentreff wurden nach Berechnungen der gfu bei der letzten IFA Aufträge zwischen drei und vier Milliarden DM erteilt.
Der internationale Handel deckt sich mit den vorgestellten Neuheiten für das Herbst- und vor allem für das Weihnachtsgeschäft ein. Die IFA sei wichtig, so gfu-Pressesprecher Jochen Wiesinger, da 50 Prozent des Branchenumsatzes zwischen Oktober und Januar erzielt werden. Die Zauberworte für die Branche heißen Digitalisierung und DVD. Die digitale Zeitwende, wie es die Branche formuliert, die eine Vernetzung von Unterhaltungselektronik, Telekommunikation, Informationselektronik und Inhalten (Programme und Dienste) ermöglicht, sei vergleichbar mit der Einführung des elektronischen Fernsehens vor 70 Jahren durch Manfred von Ardenne.

DVD boomt

Als Branchenliebling haben sich DVD(Digital-Versatile-Disk)- Spieler entpuppt. Auf der IFA sind DVD-Player deshalb ein Hoffnungsträger. Es wird auf den bisher einmaligen "Siegeszug" verwiesen. Während CD- und Videorecorder jeweils fünf Jahre brauchten, bis eine Million Geräte verkauft wurde, habe DVD dies bereits in vier Jahren geschafft. Zudem beginnt eine neue Ära mit der Möglichkeit zur Aufzeichnung auf Videorecorder mit Festplatte und DVD-Player. MP3-Spieler und digitale Camcorder sollen ebenfalls den Absatz ankurbeln.
Zudem gibt es laut gfu auch eine weiter gute Nachfrage nach TV- Geräten. Neue Plasma-Flachbildschirme seien ebenso gefragt wie Projektionsgeräte. Ein kontinuierliche Nachfrage bestehe zudem für den Ersatzbedarf für Altgeräten. Diesen Bedarf beziffert die gfu auf über 4,5 Millionen Stück. Trübe sind hingegen die Erwartungen für die private Nachfrage nach Handys und Computer. Nach sehr hohen Zuwachsraten in den vergangenen Jahren ist wegen einer allgemeinen Marktsättigung nun mit einer deutlichen Abflachung dieser Nachfrage zu rechnen, lautet die Prognose.

Seit 77 Jahren etabliert

Die IFA, nach Angaben der Messe Berlin neben der Autoausstellung IAA älteste deutsche Industriemesse, hat sich in den 77 Jahren ihres Bestehens von einer eher bescheidenen Ausstellung zu einem Milliarden-Markt und weltweiten Neuheiten-Termin entwickelt. Bei der ersten Auflage 1924 steckte die Rundfunk-Industrie noch in den Anfängen. Bei der "Großen Deutschen Funkausstellung" fehlten Glanz und Glamour völlig. Es gab keine Sensationen zu bewundern. Gezeigt wurde die noch junge Radiotechnik. In der Chronik ist die Zahl von 180 000 Besuchern vermerkt. 242 Aussteller präsentierten Detektor-Geräte, Röhren-Rundfunkempfang und Kopfhörer.
1933 nutzten die Nationalsozialisten die Messe zur Vorstellung des Einheitsradios. Für die Nazi-Propaganda spielte der so genannte Volksempfänger eine wichtige Rolle. Die Industrie verpflichtete sich, das Gerät in gleicher Bauweise und Qualität herzustellen. Von den insgesamt 700 000 Geräten aus dem schwarzem Kunstharz Bakelit wurden laut Chronik 100 000 bereits in den ersten Messetagen verkauft.

Erst seit 1971 wieder in Berlin

Mit den Anfängen des Rundfunks tauchte ein noch heute aktuelles Thema auf - die Schwarzhörer. Die damals angedrohte Einziehung des Geräts und eine Geldstrafe von bis zu 15 Mark waren damals nicht abschreckend genug, wird angemerkt.
Bis 1939 fand die Große Deutsche Rundfunkausstellung jährlich in Berlin statt. Rekord waren 370 Aussteller und 360 000 Besucher. Die Messe wurde immer wieder für besondere Anlässe genutzt. 1926 wurde das heutige Wahrzeichen Funkturm eingeweiht und es gab die erste Live-Rundfunksendung vom Messegelände. In der Neuauflage nach dem Krieg startete die Funkausstellung 1950 in Düsseldorf. Später waren Frankfurt/Main und Stuttgart Gastgeber. Das Jahr 1971 brachte der Veranstaltung eine wesentliche Wende: Die Messe öffnete sich für ausländische Anbieter, firmierte als Internationalen Funkausstellung und findet seitdem alle zwei Jahre in Berlin statt.
Mit der zunehmenden Zahl der TV-Geräte wurde die IFA von den Fernsehsendern als Bühne für Live-Programme mit Stars und Sternchen enteckt. 1963 wurde auch zum Mitschnitt von Radiosendungen auf der IFA der erste Kassettenrecorder vorgestellt. Natürlich war 1967 die Einführung des Farbfernsehens ein IFA-Termin. Mit Beginn des Privat- Fernsehens kamen auch die neuen Sender zur IFA unter dem Funkturm. Mehrere Privatsender haben sich aber in den letzten Jahren wieder von der IFA zurückgezogen. Das IFA-Ziel, bekannt zu werden, sei erreicht. dpa/pm

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