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INS gibt immer weniger Green Cards aus

21.05.2001 | 00:00 Uhr |

IT-Immigranten droht die Ausweisung aus den USA. Nur langsam bearbeitet die Einwanderungsbehörde INS Anträge für unbegrenzte Aufenthaltserlaubis, die Pleitewelle im Silicon Valley hat schon manchen "amerikanischen Traum" beendet.

Green Card - das ist das Zauberwort
für Millionen von US-Einwanderern aus aller Welt. Aber die begehrte
Arbeits- und Aufenthaltsberechtigung wird immer seltener vergeben.

Der Grund ist, dass die US-amerikanische Einwanderungsbehörde
Immigration and Naturalization Service (INS) die zunehmende Zahl von
Anträgen nur langsam bearbeitet. Das und die Pleitewelle von
Unternehmen aus der New Economy bedeutet für viele High-Tech-
Immigranten das Ende ihres amerikanischen Traums.

Die USA litten in den vergangenen Jahren, ähnlich wie Deutschland,
unter einem erheblichen Mangel an IT-Fachkräften. Diese sollten aus
dem Ausland angelockt werden. Eine schnelle Lösung musste her: Das
auf einen Aufenthalt von sechs Jahren befristete H-1b-Visum
ermöglichte eine schnelle Einwanderung von dringend benötigten
Spezialisten. Auf das riskante Arbeitsangebot aus Amerika reagierten
vor allem gut ausgebildete Programmierer aus Indien. Diese ließen
sich auf das Abenteuer nicht zuletzt ein, weil sie auf Umwandlung des
befristeten Visums in eine Green Card hofften.

Viele von ihnen werden nun zu Opfern der aktuellen
Entlassungswelle im High-Tech-Sektor. Im Silicon Valley und anderen
IT-Hochburgen müssen Tausende von langjährigen Mitarbeitern aus dem
Ausland nicht nur ihre Schreibtische verlassen: Sie haben nur zehn
Tage Zeit, um eine neue Beschäftigung zu finden. Wer das nicht
schafft, muss mit seiner Familie sofort ausreisen, selbst wenn eigene
Kinder in den USA geboren wurden und deshalb automatisch
amerikanische Staatsbürger sind. Mit der Beschäftigung endet auch die
Aufenthaltsgenehmigung.

Die Umwandlung des befristeten H-1b-Visums in eine permanente
Green Card war bis zu Beginn der 90er Jahre in wenigen Monaten
möglich, wenn alle Bedingungen erfüllt wurden. Der Arbeitgeber muss
unter anderem nachweisen, das sein ausländischer Arbeitnehmer eine
hohe Qualifikation besitzt und keinem US-Bürger eine Stelle wegnimmt.
Inzwischen aber dauert der Bearbeitungsvorgang bei der INS mehrere
Jahre, etwa 900 000 Anträge liegen herum.

Die Kritik an der Behörde wird immer lauter. Tageszeitungen wie
die «New York Times» berichten ausführlich über den «Visa-
Irrgarten», der inzwischen der amerikanischen Volkswirtschaft schade.
Denn selbst die wenigen Firmen, die noch händeringend zusätzliche
Mitarbeiter suchen, sind oft gezwungen, ausländische Fachkräfte vor
die Tür zu setzen: Wenn deren Visum ausläuft und trotz Antrag bei der
INS noch keine Green Card vorliegt. «Man hat eine Person gefunden und
möchte, dass sie an Bord bleibt, und dann soll man sie nach sechs
Jahren einfach wegschicken» - so beschreibt die Einwanderungsanwältin
Theresa Brown die verzwickte Lage vieler Firmen im Silicon Valley.
dpa

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