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Impfen hilft nicht nur dem Mac – Macphisto am Freitag

12.11.2021 | 10:35 Uhr |

Es gibt keinen Grund, sich gegen Antivirenmaßnahmen zu wehren, hier nicht und da auch nicht. Macphisto am Freitag.

Erst letzte Woche hatte Macwelt einen wichtigen Artikel mit den jüngsten Ergebnissen aus dem Labor aktualisiert, den Test von Antivirusprogrammen für den Mac . Trend Micro Antivirus hat dabei am besten abgeschnitten, aber auch Platz zehn auf der Liste, TotalAV, sollte einen ausreichenden Schutz gegen die meisten Infektionen bieten – vielleicht verläuft das Problem dann auch milder, wenn doch etwas durchrutscht. Zu 100 Prozent schützt auch der beste Virenscanner nicht.

Gegner von Antivirensoftware machen indes mobil, melden Demonstrationen an oder versammeln sich als virtueller Mob. Impfen schade dem Mac ja nur, gerade die neuen Programme sind ja gar nicht ausgereift – wie konnten die nur so schnell programmiert und auf den Markt gelassen werden? Wer sich Antivirussoftware installiert, holt sich den Feind auf den Mac, Bill Gates verfolgt dann alles mit, was man auf dem Rechner so macht. Außerdem versprechen die uns 100-prozentigen Schutz!

Man halte sich besser an Hygienemaßnahmen, warte lieber auf Langzeitstudien über die Auswirkung von Virenscannern auf die Leistung der Maschine über deren gesamte Nutzungsdauer, außerdem gibt es gar keine Viren für den Mac. Und wenn ja, dann haben Chinesen sie im Labor entwickelt.

Macphisto, der Geist, der stets verneint, muss hier konstatieren: Der letzte Satz stimmt sogar, mit Einschränkungen. Denn nicht alle Chinesen programmieren (Mac-)Viren, dafür kommen solche auch aus Laboren in anderen Ländern. Richtig ist aber: Der Computervirus im Allgemeinen und der für den Mac im Speziellen ist von Menschen bewusst gemacht, um anderen Menschen, respektive deren Konten, zu schaden. Das ist bei Influenza-, Pocken- und Corona-Viren anders.

Ansonsten sieht Macphisto leider zahlreiche Parallelen: "Ich habe doch einen Mac, also ein gesundes Immunsystem, das kann mir doch nichts anhaben!" Mal abgesehen davon, dass man mit einer Impfung mit Antivirensoftware, die regelmäßige Tests beinhaltet, auch andere schützt, indem man gefährliche .exes nicht weiter gibt, stimmt das so nicht. Es gibt sehr wohl Schadsoftware für den Mac, manchmal gelangt diese auch ohne großes Zutun wie der Passworteingabe an ihr Ziel und ruiniert die Gesundheit des Rechners bis hin zum Exitus, der für den Mac nur dann nicht katastrophal ist, wenn man noch ein Backup ohne Malware vorhält, aus dem man das Leben des Mac wieder herstellen kann.

Impfen hilft – und wie!

Impfen hilft also auch hier und der Verweis auf das gesunde Immunsystem, auch bekannt als die Ausrede von der Seltenheit der Schadprogramme, ist hier wie dort gleichermaßen falsch. Nein, nein und nochmals nein: Ein auch noch so gesundes Immunsystem schützt nicht vor unbekannten und schädlichen Eindringlingen.

Man kann sich das in etwa  so vorstellen wie einen Türsteher vor der harten Tür eines exklusiven Clubs. Der weiß, dass er keine Schweden, Norweger oder Finnen reinlassen darf, weil die immer Stunk machen. Dass Dänen es aber genau so wild treiben oder gar noch wilder, weiß der Türsteher nicht, der durch gesunde Ernährung und auch sonstige Fitness seines Auftraggebers so breit wie hoch ist und noch nie einen Schweden und nur wenige Finnen durch die Tür ließ. Aber Dänen lügen nicht, geben sich an der Tür also nicht als Schweden aus und kommen daher rein. Dort dringen sie in Clubberer und Clubberinnen ein, damit viele weitere Dänen daraus werden, denen weitere Clubberer und Clubberinnen zum Opfer fallen.

Der Türsteher bekommt den Tumult irgendwann doch mit, ruft seine Kumpels von der Security, die aber so spät kommen, dass ihnen nur noch übrig bleibt, nicht nur die vielen Dänen zu verprügeln, sondern auch jede Menge Clubberer und Clubberinnen anzugreifen. Vom Club bleiben dann oft nur noch rauchende Trümmer.

Zeigt man dem Türsteher aber rechtzeitig, wie so ein dänischer Hörnerhelm aussieht, weil man mit einem Boten Clubberer und Clubberinnen dazu gebracht hat, für den Türsteher ein Bild des dänischen Horns anzufertigen, ist der Türsteher fortan gewarnt. Der ein oder andere Däne könnte immer noch durchrutschen, wenn man ihn nicht rechtzeitig an das Aussehen des Dänenhorns erinnert, sogar recht viele. Wenn er aber nur wenige durchlässt und die Kumpels von der Security die meisten schon kurz hinter der Tür unschädlich machen oder rausschmeißen, hat der Club nichts zu befürchten.

Ein gesunder Gatekeeper ist nicht genug

Ein wenig anders funktioniert das Immunsystem des Mac dann doch, ab Werk erledigt ein Türsteher namens Gatekeeper bereits die meisten Aufgaben zur Gefahrenabwehr. Der bekommt auch ständig von seinem Hersteller die allerneuesten Definitionen über die Gefahren aus dem Netz – vielleicht taucht mal ein Isländer auf, von dem man zuvor noch nie etwas gehört hat. Die Lage ändert sich laufend, Auffrischung tut ständig Not – da ist das humane Immunsystem schon wesentlich schlauer. Weil der Isländer dem Dänen ja wie ein Hörnerhelm dem anderen gleicht.

Und doch reicht der Gatekeeper alleine nicht. Denn so manche Macianer nehmen die Hygienemaßnahmen des Gatekeeper und die geprüfte Software aus dem Mac App Store als unverbindliche Empfehlung. Was soll schon passieren, wenn man den von dem seltsamen Pop-Up der Website mit Erwachsenenunterhaltung ausgehend dieses Flash-Plug-in installiert, um die bewegten Bilder auch tatsächlich zu sehen?

Dann lieber die paar Euro ausgeben, um eine Sicherheitssoftware zu installieren, die vor den schlimmsten Schäden bewahrt, als um Hab, Gut und Leben des Mac gebracht zu werden. Impfen hilft also auch dem Mac. Für Humanoide ist die Impfung sogar kostenlos, aber alles andere als umsonst.

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