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Impftermin per Web: Was nützen Dienste wie Sofort-impfen.de?

29.05.2021 | 11:29 Uhr | Stephan Wiesend

Hat ein Arzt noch einen Covid-Impftermin frei, wird man dank einiger Dienste und Messenger-Dienste sofort benachrichtigt. Es gibt aber einen Haken – Angebot und Nachfrage.

Seit Beginn der Impfkampagne gibt es ein Problem bei der Vermittlung von Impfterminen: Nicht alle Impfwilligen können ihre Termine einhalten, Lieferungen sind unzuverlässig und Ärzte stehen ständig vor dem Problem sich mit hunderten Anfragen abzumühen. Eigentlich gibt es bereits seit Jahren mehrere Dienste für die Vermittlung von Arztterminen. Über Doctolib oder Jameda sind neben herkömmlichen Arzt-Terminen längst auch Impf-Termine vermittelbar. Der Dienst 116117 – der offizielle Dienst der Fachärzte – vergibt zwar Termine für Corona-Tests, aber keine Impftermine. Wie jeder Impfwillige aber wohl feststellte, sind freie Impftermine äußerst rar und nach der Veröffentlichung im Netz fast sofort ausgebucht. Bei tausenden Impfinteressenten pro Termin stößt das Konzept dieser Dienste offenbar an seine Grenzen und ist für die Suchenden wohl auf Dauer recht frustrierend  – wie auch für die Arztpraxen.

Eine Lösung für Impfwillige versprechen Dienste wie Sofort-impfen und der Telegram-Kanal "Corona Impftermine". Melden Sie sich bei diesen Diensten an, werden Sie über einen freien Impftermin in der Nähe aktiv informiert. Mit Impf-Finder gibt es auch eine App von Randstand, die nach freien Terminen sucht – allerdings ist der Dienst noch im Aufbau und es mangelt aktuell noch an Impfangeboten.

Impftermin per Telegram

Der kostenlose Dienst "Corona Impftermine" von Max Ritter basiert etwa auf Telegram und steht für Nutzer der Messenger-Apps offen. Haben Sie die App Telegram auf Ihrem Smartphone installiert, können Sie sich bei einem der Kanäle – für 20 deutsche Städte gibt es einen eigenen – anmelden. Sie werden dann von Ihrem Smartphone per Systemnachricht sofort aktiv auf jeden freien Impftermin in München oder einer von mehreren weiteren Städten hingewiesen. Der Dienst durchsucht dazu Termin-Vermittlungsdienste wie Doctolib und Jameda, Kliniken, Gesundheitszentren und weitere Quellen und erfasst automatisch jeden freien Impftermin. Auf Wunsch wird man auch nur über Termine für eine Impfung mit dem Produkt von Moderna/Pfizer informiert.

Dabei gibt es aber ein Problem, das uns bei unserem kurzen Selbstversuch auffiel: Der Dienst funktioniert in kleinen Städten wie Leipzig und Magdeburg hervorragend. In manchen ist er aber längst kein Geheimtipp mehr und einfach zu beliebt: So hat der Kanal für München bereits über 8000 Abonnenten und nur noch wenig nützlich. Wird ein Impftermin bei einem Arzt verfügbar, reagieren nach unserer eigenen Erfahrung knapp 800 Nutzer innerhalb der ersten Minute und alle Termine sind nach Sekunden vergeben. Das hat nebenbei wohl den Effekt, dass herkömmliche Nutzer von Jameda und Doctolib, die Termine manuell suchen, sich über die wenigen freien Impftermine wundern. Zumindest könnten aber in den kommenden Wochen vermehrt Termine angeboten werden, wenn die Liefermengen der Impfstoffe wieder steigen.

Sofort-impfen.de

Ein anderes Konzept plant die Plattform Sofort-Impfen , das in Kürze starten soll. Das Prinzip ist ähnlich wie bei "Corona Impftermine": Sie erhalten per E-Mail eine Nachricht, sobald ein Impftermin in der Nähe des eigenen Standortes verfügbar ist. Der Dienst will mit hunderten Ärzten zusammenarbeiten und ist als Non-Profit-Unternehmen neu gegründet worden. Auch freie Termine in Impfzentren können von diesen gemeldet werden. Ärzte und Mitarbeiter von Impfzentren sollen ihre freien Termine bei dem Dienst melden und sollen sich so viel Arbeit sparen können. In gewisser Weise konkurriert der Dienst dadurch mit anderen Termin-Diensten.

Eine Anmeldung ist bereits möglich.
Vergrößern Eine Anmeldung ist bereits möglich.

Bisher sollen sich bereits 1,7 Millionen Nutzer und Ärzte  angemeldet haben, als Nutzer meldet man sich mit Postleitzahl und E-Mail-Adresse an. Auch hier handelt es sich allerdings nach dem aktuellen Konzept nicht um eine echte Warteliste: Man erhält nicht als einziger die Information über den Termin und muss sofort reagieren. Auch hier werden die Termine nach dem Prinzip „first come, first served“. In einer Großstadt wie München muss man sich also auf eine harte Konkurrenz gefasst machen.

Unsere Meinung:

Zumindest bis Mitte Juni sollte man sich von den Diensten nicht zu viel versprechen, zu knapp sind aktuell Termine bzw. Impfstoffe. Relativ oft sind Termine für Zweitimpfungen und Erstimpfungen mit dem Impfstoff von Astra Zeneca verfügbar, aber auch hier ist in einer Stadt wie München die Konkurrenz groß. Wir sind aber gespannt, ob sich die neue Plattform Sofort-Impfen auch bei den Ärzten durchsetzt – ist sie doch auf deren Engagement angewiesen. Wir vermuten außerdem, dass sich in den nächsten Wochen auch Termin-Vermittler wie etwa Doctolib und Jameda einige Verbesserungen für die Terminvergabe einfallen lassen.

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