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Intel will Apple zurück: Wie das gelingen soll

18.10.2021 | 12:00 Uhr | Peter Müller

"How many times can I say, I'm sorry?" Was schon im Song kaum funktioniert, versucht Intel-CEO Pat Gelsinger nun im Interview, in dem er eine alte Liebe anfleht.

Menschen reagieren oft seltsam, werden sie von einem langjährigen Partner oder einer langjährigen Partnerin verlassen. Gerne sucht man die Schuld nicht bei sich - und mit schönen Kindern anderer Mütter sind ja noch viel bessere Dinge möglich. Danach oder sogar gleichzeitig kommt das Flehen: "Ich will dich zurück! Wie oft muss ich noch "es tut mir leid!" sagen?" Eine ganze Kulturbranche lebt davon, das Zitat entnehmen wir schließlich dem Phil-Collins-Song " Something Happened on the Way to Heaven ". Der mit dem starken Single-Note-Riff von Daryl Stuermer und dem kraftvollen Bläsersatz der Memphis Horns, vom Album " … But Seriously".

Aber ernsthaft: Wie kommen wir darauf? Nun, auch Firmen sind bloß Menschen und reagieren so. Als Apple vor gut einem Jahr die ersten Macs mit eigenen Prozessoren herausbrachte und damit Intel nach 15 Jahren Beziehung wieder verließ, zog sich der Chip-Hersteller erst mal in die Schmollecke zurück und lobte in aufwendigen Werbekampagnen, dass man mit anderen Herstellern doch viel schönere, sinnvollere und flexiblere Produkte bauen könnte. Einmal heuert man den Ex-Mac Justin Long als Testimonial an, aber der war ja nie mit Apple verheiratet, sondern als Schauspieler bezahlt - völlig in Ordnung, nur eben seltsam. Noch seltsamer die angeblichen Apple-Fans, die von Hardware anderer Hersteller - die man auch mit AMD-Chip oder selbst Apple Silicon betreiben könnte - so begeistert waren, dass einige von ihnen vor laufender Kamera die Scheidung von Apple einreichten. Waren eben bezahlte Schauspieler.

Gelsinger zeigt späte Reue

Dass die Sache eher nach hinten losgeht, hat Intels CEO Pat Gelsinger offenbar begriffen und legt im Interview mit Axios on HBO ( via Macrumors )  nun die Platte des reuigen Sünders auf, der die alte Liebe zurückwill, da er seine offensichtlichen Fehler einsieht und Besserung schwört. Im Gegensatz zu seiner Marketingabteilung gesteht Gelsinger zerknirscht ein, dass Intel Probleme hatte, die Apple offenbar bewogen, die Plattform zu wechseln. Doch wolle man die Vision nicht aufgeben, dass Macs auf Intel-Chips laufen, wie auch viele andere Geräte "Intel inside" haben sollte, erklärt Gelsinger. Zu diesem Zweck müsse man einfach nur bessere Chips bauen als Apple selbst und eine lebhaftere Plattform anbieten, die Entwickler anziehe.

Nun ist das Bild schief: Apples Beziehung zu Intel war nie eine "Hochzeit im Himmel"; wie es sich damals die Chefs von Chrysler und Daimler vorstellten - nur wenige Jahre später kam es bekanntlich zur Scheidung und Chryslers Neuvermählung mit Fiat. Nein, da ist nichts passiert, auf dem Weg in den Himmel: Apple hatte um 2005 klar kommuniziert, was man vom neuen Partner bekommt, was der alte (IBM) eben nicht mehr bot: Mehr Leistungsfähigkeit pro Watt. Genau der gleiche Grund bewog 15 Jahre später zum nächsten Plattformwechsel. Wenn man sieht, welche Performance schon das Macbook Air auch ohne Lüfter mit dem M1-Chip bringt und man da das von Intels Core-M getriebene Macbook 12'' daneben stellt, weiß man, warum Apple die Trennung vorantreibt. Gelsinger mag das im Gegensatz zum Intel-Marketing verstanden haben, aber mit einer Rückkehr Apples zur alten Liebe wird es so schnell nichts werden. Ist in den meisten Fällen ohnehin nicht ratsam. Menschen kennen das: Oft führt das Gewähren einer zweiten Chance in die gleichen Abgründe des Scheiterns wie zuvor.

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