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Intel inside

24.01.2009 | 00:00 Uhr

Intel inside

Keine weiteren Klagen will Apple seinem Prozessorlieferanten IBM mehr stellen müssen über die mangelnde Performance pro Watt von dessen G5-Chips, so die offizielle Lesart. Erst wenige Wochen vor der WWDC 2005 waren Spekulationen darüber laut geworden, Apple würde den Termin nutzen, um seinen Wechsel zur Intel-Plattform anzukündigen. In den Jahren zuvor waren immer wieder mal Meldungen zu hören, Apple arbeite an einer Mac-OS-X-Version für Intel-Chips. War Rhapsody seinerzeit nicht darauf angelegt, die beiden Plattformen PPC und x86 zu bedienen? Und hatte Next seinerzeit nicht Plattform übergreifend entwickelt? Allein, es fehlte der Glaube, Apple könne es wirklich tun, denn die ominöse "Megahertz-Lücke" war wieder kleiner geworden, die Multicore-Fähigkeiten des Betriebssystems beträchtlich, IBMs Anstrengungen für Mehrkernprozessoren viel versprechend und der von Sony, IBM und Toshiba konzipierte Cell-Chip glänzte als potentieller G6 am Horizont. Nein, das gefällt uns alles nichts, Intels Roadmap für die Zukunft verspricht uns mehr, erklärte Jobs den konsternierten Entwicklern im Moscone Center. "Ja, es ist wahr: Wir wechseln zu Intel." Binnen eines Jahres sollten die ersten Macs mit Intel-Chip auf den Markt kommen, eine Vorabversion des Intel-Macs konnten ADC-Mitglieder für 999 Euro erstehen. Bis Ende 2007 wollte man die dritte große Transformation nach 68k zu PowerPC und Mac-OS 9 zu Mac-OS X abgeschlossen haben. In einem Jahr der erste Intel-Mac? Das wäre dann ja am 6. Juni 2006, am 06.06.06, am 666! Die Zahl des Leibhaftigen! PPC-Ideologen wurden kreidebleich und wechselten nahtlos von Apple-Lobeshymnen auf Steve-Jobs-Hasstiraden. Andere freuten sich auf die Aussicht fallender Preise für Mac-Hardware und Dual-Boot-Systemen, radikale Mac-Evangelisten träumten gar von einer Lizenzierung des Betriebssystems und dem darauf folgenden Triumph des Guten über das Böse aus Redmond. Der Markt als solcher sah die Sache gelassen, den meisten Mac-Anwendern ist es egal, ob ihre Maschine von einer CPU von IBM, Sony, Toshiba, AMD, ARM, Transmeta, Motorola, Dingenskirchen oder etwa Intel angetrieben ist: Hauptsache, es ist ein Mac. Und wann ist ein Mac ein Mac? Eben: It’s the Software, stupid. Und damit die auch klaglos funktioniert, erteilte Apple noch auf der WWDC einer Lizenzierung seines Betriebssystems eine klare Absage. Der Mac würde so beliebig und der Ruf der Marke ruiniert, ränne der Tiger auf einem Aldi-PC in unlösbare Treiberkonflikte. Damit es dabei bleibt, verteidigt Apple vehement seine Rechte an Mac-OS X vor Gericht, seitdem es im April 2008 die ominöse Firma Psystar gewagt hat, einen "Open Computer" mit vorinstalliertem Mac-OS X anzubieten.

Windows auf dem Mac: Das geht jetzt ohne eine zusätzliche Prozessorkarte wie seinerzeit beim Power Mac 6100/66 DOS.
Vergrößern Windows auf dem Mac: Das geht jetzt ohne eine zusätzliche Prozessorkarte wie seinerzeit beim Power Mac 6100/66 DOS.

Dreieinhalb Jahre nach der Ankündigung scheint der Markt Apple Recht zu geben: Intel spuckt eine leistungsfähigere Prozessorgeneration nach der anderen aus, die Macs sind nicht wesentlich billiger geworden, kommen aber dann in ausreichenden Stückzahlen in den Handel, wenn sie es sollten und leiden nicht unter den Lieferschwierigkeiten von IBM, Motorola und Konsorten. Der Energieverbrauch ist in akzeptablen Bereichen und von brüllenden Lüftern hat man auch schon lange nichts mehr gehört. Wie gesagt, Apple verkauft derzeit so viele Macs wie nie zuvor, was auch an den Leuten liegt, die den Mac einfach mal ausprobieren. Die Hürde war nie der Preis, die Hürde war die Furcht, alte Windows-Programme und -Daten nicht mehr nutzen zu können. Seit Boot Camp, Parallels, VMWare und Crossover ist diese Furcht passé. Sicher, wo Apple und der Mac heute wären, wenn man weiter am PPC festgehalten hätte, kann man nur vermuten. Sicher ist aber auch, dass der Mac auch in seinen kommenden 25 und mehr Jahren wandlungsfähig bleiben wird.

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