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Irische Datenschutzbehörde befragt Apple zu Siri-Abhöraktionen

25.05.2020 | 08:31 Uhr | Thomas Hartmann

Der offene Brief eines früher Siri-Aufzeichnungen auswertenden Whistleblowers, der Apple vorwirft, seine Lauschaktionen ohne Zustimmung der User fort zu setzen, hat die irische Datenschutzbehörde auf den Plan gerufen.

Bereits im letzten Jahr hatte Thomas Le Bonniec, der für eine Dienstleistungsfirma in Irland im Auftrag von Apple tätig war, um Siri-Mitschnitte zur Verbesserung der Qualität der Spracherkennung auszuwerten, darüber berichtet, wie er Gespräche von Nutzern über intimste oder persönlichste Details wie Sex, Kreditkarten und bis hin zu Krebserkrankungen mithören konnte. Siri habe sich oft eingeschaltet, ohne tatsächlich vom User angefordert worden zu sein. Aufgrund bestimmter Trigger wie Namen, Adressen und anderen Details hätte man Personen in manchen Fällen und bei etwas bösem Willen ohne Probleme identifizieren können.

Apple habe diese Praxis toleriert. Auch beispielsweise Amazons Alexa war mit ähnlichen Vorwürfen konfrontiert. Le Bonniec hatte sich damals gegenüber dem Guardian geäußert .

Nun prangert er in einem offenen Brief an europäische Datenschutzbehörden an ( PDF des Briefs ), dass Apple trotz Entschuldigung und Versicherung, diese Praktiken einzustellen, weiterhin und ohne Siri-Aktivierung private Gespräche der Nutzer mithöre, wie ihm eigene Quellen versichert hätten. Es reiche nicht, nur Gesetze zu erlassen, diese müssten auch überprüft werden, so Le Bonniec. Dies betreffe auch andere Unternehmen als Apple allein. Jeder solle wissen, welche Informationen diese Firmen von ihm sammeln, sowohl als Kunde wie auch als Bürger.

Darauf hat die zuständige Datenschutzbehörde in Irland (Ireland’s Data Protection Commissioner DPC) reagiert, berichtet der Nachrichtendienst Reuters . Die DPC nahm demnach Kontakt mit Apple auf und erwartet seitens des Konzerns eine Stellungnahme zu den Vorwürfen. Allgemein arbeitet die europäische Datenschutzbehörde an Leitlinien für den Umgang mit Sprachassistent-Technologien, heißt es dort weiter.

Apple habe bereits einige Änderungen vorgenommen, versichert Graham Doyle, stellvertretender Kommissar des irischen DPC. Insbesondere sollen Siri-Audiomitschnitte bei unabsichtlicher Aktivierung unmittelbar gelöscht und nicht ausgewertet werden. Widersprechen User bei der erstmaligen Abfrage für die menschliche Auswertung der Mitschnitte, werden diese demnach lediglich maschinell bearbeitet. So die offizielle Marschrichtung – zu den jüngsten Vorwürfen hat Apple bislang noch keine offizielle Stellung bezogen.

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