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Johanniter: QR-Codes sollen Unfall-Gaffer abschrecken

03.05.2021 | 11:59 Uhr | Panagiotis Kolokythas

Die Johanniter will mit QR-Codes die "Gaffer" davor abschrecken, an Unglücksorten ihre Handykamera zu zücken.

Die Johanniter hat ein neues Konzept zur Bekämpfung von Gaffern an Unglücksorten vorgestellt, welches nun im Rahmen eines Pilotprojekts in Berlin in der Praxis erprobt wird. Das Prinzip: An Rettungsfahrzeugen, Unglücksstellen und Rettungsgeräten werden QR-Codes angebracht, die beim Fotografieren des Unglücksorts sofort die mit Smartphones fotografierenden Personen ermahnt, aufzuhören.

Mit QR-Codes an Rettungsfahrzeugen und Geräten will Johanniter die Unfall-Gaffer abschrecken
Vergrößern Mit QR-Codes an Rettungsfahrzeugen und Geräten will Johanniter die Unfall-Gaffer abschrecken
© Youtube / Johanniter

Auf dem Bildschirm der Smartphones erscheint dann dank Nutzung der QR-Code-Technologie der Hinweis "Stopp! Gaffen tötet!" und die Erklärung "Du behinderst Rettungskräfte und machst dich strafbar".

Große QR-Codes an Rettungsfahrzeugen

Die QR-Codes sind großflächig an den Rettungsfahrzeugen angebracht. Hinzu kommen auch entsprechende QR-Codes auf den von den eingesetzten Geräten. Ebenso können auch an einem Unglücksort die QR-Codes über Planen etwa auf umgekippten Fahrzeugen angebracht werden. Dieses Konzept für das Pilotprojekt wurde laut Angaben der "Johanniter Unfall Hilfe" gemeinsam mit einer Kreativagentur entwickelt.

Der Bedarf an so einem Konzept ist groß: "Auf einen Unfall-Rettungseinsatz in Deutschland kommen durchschnittlich 26 Schaulustige", heißt es in dem Clip der Johanniter, in dem das neue Anti-Gaffer-Konzept vorgestellt wird. Rettungskräfte berichten in dem Clip aus ihrem Alltag und wie die Schaulustigen bei Rettungseinsätzen die Smartphones zücken, um das Geschehen zu fotografieren und dadurch auch die Rettungskräfte behindern. Auch die Anfahrtswege zur Unglücksstelle werden durch das Verhalten der Gaffer stark negativ beeinflusst, wodurch das Leben der Verunglückten gefährdet wird.

Gaffern droht Freiheitsstrafe von bis zu 2 Jahren

Und dies alles, obwohl sich die Gaffer strafbar machen und ihnen sogar seit der Verschärfung des entsprechenden Strafgesetzbuch-Paragrafen 201a am 1.1.2021 eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren droht. Die starke Verbreitung der Smartphones habe das Problem nur verschlimmert, so die Johanniter. "Das muss sich ändern, denn oft entscheiden schon wenige Minuten über Leben oder Tod", fordert Jörg Lüssem, Mitglied des Bundesvorstandes der Johanniter-Unfall-Hilfe.

Die Johanniter wird das Projekt nun in den kommenden Monaten in Berlin erproben und damit Erfahrungen sammeln. Die Erkenntnisse sollen dann zeigen, wie wirksam Gaffer abgeschreckt werden können. Ziel sei es auch zu ermitteln, wie das Prinzip auch "in die Breite getragen werden kann, auch über die eigene Organisation heraus".

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