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Jony Ive angeblich von Apple frustriert – Cook dementiert

02.07.2019 | 09:25 Uhr | Peter Müller

Warum Jony Ive Apple verlässt, versucht "Wall Street Journal" zu erklären. Tim Cook ist mit der Erklärung nicht einverstanden.

Gegenüber dem "Wall Street Journal" und "Bloomberg" haben ungenannte Quellen Hintergründe von Jony Ives Ausscheiden bei Apple genannt. Ive und sein Arbeitgeber hätten sich danach zusehends entfremdet, dem CDO habe der von Design auf Bilanzen verschobene Fokus nicht mehr gefallen haben. Mit Tim Cook habe er einen Vorgesetzten, der im Vergleich zu Steve Jobs kaum Interesse an Design zeige, heißt es weiter. Bereits seitdem die Apple Watch auf den Markt kam, sei Ive immer seltener ins Büro gekommen. Für ihn war die Uhr mehr als ein Peripheriegerät für das iPhone, sondern ein Lifestyle-Gadget. Über die Marktpositionierung sei er mit seinem Vorgesetzten und seinen Vorstandskollegen in Meinungsverschiedenheiten geraten. Ive habe viele Meetings mit seinem Team an seinem Wohnort San Francisco abgehalten, etwa in Hotels. Nach Cupertino sei er nur noch "an einigen Tagen der Woche" gefahren, was sein Team im Apple Campus zunehmend frustriert habe.

Den Bericht des "Wall Street Journals" über Jony Ives angeblichen Frust hat Tim Cook am Montag in einer E-Mail an NBC-News als "absurd"  zurück gewiesen. Ein großer Anteil des Berichts und vor allem die Schlüsse, die er zieht, würden nicht der Wahrheit entsprechen. Der Bericht zeige Mangel an Verständnis, wie Apple operiere und das Design-Team arbeite, beschwert sich Cook, der nur sehr selten auf Presseberichte öffentlich reagiert, von dem Wall-Street-Journal-Stück aber verärgert erscheint. Der Artikel würde das Bild derart verzerren, dass man die darin beschriebe Firma nicht mehr wieder erkenne. Colleen Schwartz, Senior Vice President of Communications beim "Wall Street Journal" bleibt jedoch bei der Darstellung des Blattes.

Forbes-Redakteur Peter Cohan scheint eher der Darstellung des "Wall Street Journals" zu glauben als dem Dementi aus Cupertino und sieht in Ives Abgang  ein weiteres Zeichen für Apples langsamen Niedergang, der dem von IBM gleiche. Das Wachstum der Riesen sei gestoppt und in ein langsames Schrumpfen übergegangen. Dennoch würden die beiden CEOs Tim Cook und Ginni Rometty lieber auf Details der Bilanz verweisen, in denen Zuwächse stünden, anstatt weiter gehende Strategien zu diskutieren. Cohan erinnert an seine Idee von vor sechs Jahren, dass Jony Ive den Posten des CEO bei Apple übernehmen sollte, um dessen "Innovations-Mojo" nicht langsam sterben zu lassen, wie es unter Cook der Fall sei. Doch hätten Ive die Visionen gefehlt, neue Business-Möglichkeiten für Apple zu entdecken und auszunutzen. Das scheine aber auch Tim Cook abzugehen, meint Cohan.

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