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Junge Studierende: Kein Plan von Ordnern und Dateien

27.09.2021 | 13:51 Uhr | Thomas Hartmann

Professorinnen und Professoren beklagen das mangelnde Verständnis von klassischer Ordnerstruktur auf Computern. Die jungen Leute kennen fast nur noch Smartphones.

So schildert "The Verge" in einem längeren Artikel verschiedene Beispiele selbst von Studierenden des Ingenieurswesens, die ihre Dateien auf dem Computer nicht mehr finden konnten und dafür Fehlermeldungen bekamen. Andere in einer Gruppe von Forschungsstudierenden sollten eine Datei aus einem bestimmten Verzeichnis herausziehen und begegneten ihrem Dozenten ”mit leeren Blicken”.

Nur an das schlanke iOS gewohnt

Es sind also ausgerechnet die ”Digital Natives”, die von der hierarchischen Ordnerstruktur und dem Ablegen von gesicherten Dateien oft keinen Schimmer mehr haben, während ihre auch noch verhältnismäßig jungen Professorinnen und Professoren etwa in den Neunzigerjahren genau damit groß geworden sind. Diese stellen sich die Ordnerstruktur auf einem Computer vielleicht im Sinne eines Aktenschrankes mit zahlreichen Schubladen und Fächern vor. Heutige junge Menschen denken in dem Sinne bestenfalls an einen riesigen Eimer oder einen Wäschekorb, in dem alle Dateien drin liegen, wo man sie nach Bedarf einfach öffnen kann – im Zweifel erledigt das ein ”Roboter” etwa über eine Suchmaschine oder die integrierte Suche für sie. Vielleicht haben sie ihre Dateien einfach nur auf Online-Speicherplätzen wie Dropbox oder One Drive gesichert, ohne sich Gedanken über deren ebenfalls vorhandene Strukturen zu machen. Dem können offenbar nicht einmal die an sich weitverbreiteten Programmierklassen an den Oberstufen der Schulen abhelfen. So müssen Lehrende aus dem sogenannten MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) ihren Schülerinnen und Schülern oder Studierenden erst einmal wieder grundlegende Computerkenntnisse beibringen. Doch gerade beim Thema Datei- und Verzeichnisstruktur scheint dies nicht leicht, weil dieses Konzept für heutige Generationen nicht sehr intuitiv ist.

Hintergrund dieses Mangels an Grundkenntnissen ist wohl der oft exklusive Gebrauch von Smartphones und vielleicht noch Tablets, wo solche Tiefenstrukturen für Dateien und Ordner zur Bedienung kaum eine Rolle spielen (müssen). So kann die Verzweiflung der Lehrenden in der sicherlich nicht ganz ernst gemeinten Forderung gipfeln: ”Nehmt ihnen ihre Smartphones weg und geht Ihnen Windows 98”. Doch Erfolg versprechender scheint es zu sein, zu akzeptieren, was ist und damit zu rechnen, dass diese jetzt noch jungen Leute mit genau diesem Wissensstand über ”richtige Computer” älter und einmal selbst Professorinnen und Professoren werden. Und zu hoffen, dass sich künftige Betriebssysteme für Computer dem veränderten Verhalten einfach besser anpassen …

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