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Juni: Der Wechsel zu Intel

28.12.2005 | 00:01 Uhr |

Weder zeigt Steve Jobs Details des Intel-Tigers, den er auf einem Rechner mit G5-Gehäuse und Intel-Pentium-4-Chip vorführt, noch geht er auf den Nachfolger des aktuellen Betriebssystems ein, gibt aber einen Zeitrahmen für dessen Veröffentlichung. Die nächste Fassung von Mac-OS X werde den Codenamen „Leopard“ tragen und Ende 2006 oder Anfang 2007 erscheinen.

Die meisten Entwickler nehmen die Nachricht gelassen hin. Schon während der Keynote erklärt Theo Gray von Wolfram Research, wie leicht es war, die komplexe Wissenschaftssoftware Mathematica auf die neue Plattform zu portieren. Ein Universal Binary, das auf PPC- und Intel-Macs gleichermaßen installierbar ist, sei in wenigen Stunden geschrieben gewesen. Auch Maxon Computer sieht keine Probleme: „Wir sehen den Umstieg auf Intel-Chips locker, denn etwas Besseres kann einem Entwickler von Cross-Plattform-Software wohl kaum passieren.“, verrät Geschäftsführer Harald Schneider gegenüber Macwelt. Etwas schwieriger Gestalte sich die Aufgabe für El Gato, meint dessen Gründer Dr. Markus Fest: „ Apples Entscheidung stellt für uns insofern eine besondere Herausforderung dar, dass unser Code zu weiten Teilen und in hohem Maße für Altivec-optimiert ist.“

Die meisten Spielentwickler begrüßen den Switch, nur Vertreter von Epic und Ambrosia bleiben skeptisch. Da die Intel-Macs auch Windows booten könnten, würde kein Gamer mehr sich spezielle Mac-Spiele zulegen, sondern eher auf die Windows-Fassungen zurückgreifen.

Weniger begeistert sind Vertreter von Apples bisherigen Chip-Lieferanten IBM und der Motorola-Tochter Freescale. Freescale-CEO Michael Mayer bedauert in einem Memo zwar die Entscheidung, relativiert jedoch deren Bedeutung: Apple stelle ja "nur 3 Prozent" der Einkünfte von Freescale. Außerdem seien Freescales Einkünfte durch Apple in den letzten Jahren unverändert oder gar schrumpfend gewesen, während die Kosten der Chips für Apple stiegen.

Glen Brandow von IBM sagt, dass Apples Entscheidung wenig schlaflose Nächte bei "Big Blue" verursachen wird. Denn IBM würde die PowerPC-Architektur mit Nachdruck vom PC zu neuen Ufern wie beispielsweise den Next-Generation-Spielkonsolen von Sony, Nintendo und Microsoft treiben.

In Presse- und Analystenkreisen wird die Nachricht in der Regel positiv angenommen, es gibt jedoch auch skeptische Stimmen. Die Prudential Equity Group warnt etwa, dass Apple seine Marktmacht riskiere, da der Hersteller keinen Einfluss mehr auf die Roadmap seines Partners habe.

Die Aussichten, Apple könne mit Intel-Prozessoren den Preis pro System um bis zu 100 Dollar senken, lässt jedoch Keith Bachmann von der Bank of America jubeln: Ein niedrigerer Preis für den Konsumenten mag ein Pluspunkt für Apple sein.“ Und: „Der Umzug zu Intel-Prozessoren könnte Apple helfen, die Performance und die Akku-Laufzeit bei den Laptops zu steigern.“

Die PowerPC-Plattform ist noch nicht ganz erledigt, wie Steve Jobs auf der WWDC verspricht und wie Apple im Herbst mit Dual-Core-G5-Power-Macs beweist. Gegen Ende des Jahres spricht viel dafür, dass die ersten Intel-Macs bereits im Januar 2006 Premiere haben werden, mit Consumer-Rechner soll es anfangen, Nachfolgern von iBook und Mac Mini. Wegen welcher Produkte Apple wirklich den Umstieg wagte, werde man erst in zwei, drei Jahren in der Retrospektive sehen, heißt es aus gut unterrichteten Kreisen. In den Jahresrückblicken 2006, 2007 und 2008 werden wir darauf weiter eingehen.

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