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"Kalibrierung" des Apple TV: Taugt die Funktion nichts?

19.05.2021 | 14:40 Uhr | Stephan Wiesend

Die neue Version von tvOS ermöglicht einen Weißabgleich des TV-Bildes, vor den Augen eines TV-Profis findet die Funktion aber wenig Gnade.

Vincent Teoh betreibt den renommierten Youtube-Kanal HDTVTest und hat sich Apple neue Farbbalance-Funktion von tvOS angesehen. Ab tvOS 14.5 gibt es nämlich eine neue Messfunktion für Apple TV-Geräte, über die man einen Weißabgleich  seines Fernsehers durchführen kann – fälschlich auch als Kalibrierungsfunktion bezeichnet. Das Apple TV zeigt dabei Testbilder, dieser man mit einem neueren iPhone abfilmen kann. Anhand der Daten wird dann ein Profil erstellt und die Farbdarstellung des Apple TV-Signals ändert sich.

Bei diesem TV-Gerät führte der Weißabgleich zu einem deutlichen Blaustich.
Vergrößern Bei diesem TV-Gerät führte der Weißabgleich zu einem deutlichen Blaustich.
© HDTVTest

Mit drei TV-Geräten und dem Mastering-Monitor BVM-HX310 von Sony überprüft Teoh die Ergebnisse dieser iPhone-Messung und kommt zu ernüchternden Ergebnissen. So sollte das Apple TV beim Referenz-Monitor HX310 eigentlich keine Änderung vornehmen, zeigt dieser doch ein perfektes Bildsignal nach dem TV-Standard D65. Nach der Einmessung ändert das Apple TV allerdings das eigentlich ideale Bildsignal des 35.000-Euro-Geräts und verschlechterte die Farbgenauigkeit – wie Messungen bestätigen. (Von Apples Pro-Monitor hält Teoh übrigens auch nicht sehr viel) . Auch bei den Monitoren Samsung Q80T und Sony X900H sorgte die Funktion für eine schlechtere Farbgenauigkeit, laut den Messungen erhielt das Bild ebenfalls einen kühlen Blaustich. Laut Teoh lag dies wohl an der Art des Panels, bei beiden TV-Geräten handelte es sich um LED-Geräte. Bei einem OLED-TV von LG sorgt die Apple-Technik dagegen für eine leichte Verbesserung der Farbgenauigkeit.

Nach Einschätzung des Testers liegt das Problem in der großen Vielfalt an Bildschirmtechnologien. Für jede Bildschirmart ob LED, QLED, OLED oder eine der Unterarten müsste das Messgerät (hier ein iPhone) neu kalibriert werden. Oder Apple müsste für jedes TV-Gerät individuelle Anpassungen vornehmen. Bei den Messungen nutzte Teoh den jeweiligen Bildschirmmodus, der die beste Farbgenauigkeit aufwies. Sehr wirksam sei die Funktion dagegen, wenn sie auf ein TV-Signal angewendet wird, das sehr stark vom Ideal abweicht. Allerdings führten dann die starken Anpassungen zu Fehlern.

Allgemein kommt der TV-Profi zu einem negativen Ergebnis, von einer echten Kalibrierung könne man sowieso nicht sprechen, schließlich handelt es sich um eine reine Farbanpassung (von Apples ausdrücklich als Weißabgleich benannt). Zu einer vollständigen Kalibrierung würden noch viele weitere Anpassungen wie Gamma, Rauschfilter, Schärfe und weitere gehören – am TV-Gerät selbst. Ein weiteres Problem sei, dass eben nur das Signal des Apple TV angepasst wird, keine weiteren Geräte wie etwa Kabeltuner und Bluray. Es wäre durchaus möglich, dass die Messung ein besseres Bild liefere, eine Überprüfung des Ergebnisses sei aber nur mit hochwertiger Hardware möglich.

Unsere Meinung:

Mit einer professionellen Kalibrierung kann Apples neue Funktion offenbar nicht mithalten, allerdings können wir Teohs Kritik nicht ganz teilen. Für viele Heimanwender ist eine solche Dienstleistung von einem Profi wohl zu teuer und bei vielen neueren TV-Geräten bringt sie wohl kaum Verbesserungen. Apples neue Funktion sollte aber nach unserer Einschätzung in vielen Fällen durchaus sinnvoll sein: Etwa bei einem alten oder falsch eingestellten TV-Gerät oder als Referenz – die ersten Kommentare von Nutzern der Funktion waren schließlich meist positiv, auch bei dem alten Sony-TV des Verfassers war subjektiv ein deutlicher Fortschritt zu sehen. Überprüfen kann man das etwa mit Testbildern von Burosch. 

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