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Kampf um EU-Richtlinie: Wie Apple seit Jahren einheitliche Ladekabel verhindert

12.03.2019 | 17:50 Uhr |

Apple verdient gutes Geld mit Ladekabeln für iPhone, iPad und Co. Die meisten Hersteller haben schon vor Jahren auf einheitliche Standards umgestellt, Apple setzt auf eigene, exklusive Patente. Vorstöße der EU für gesetzliche Regulierungen scheiterten an der Lobbyarbeit des US-Konzerns.

Mit dem gleichen Kabel jedes Smartphone aufladen – Das versucht das EU-Parlament seit 2009 zu ermöglichen. Das soll dem Verbraucher nützen und Tonnen an Elektroschrott sparen. Seitdem sind die allermeisten Hersteller auf einen einheitlichen Ladestandard umgestiegen. Lange Zeit war das Micro-USB, die Umstellung auf USB-C wird wohl in den nächsten Jahren vollzogen sein. Doch diese Vereinheitlichung geht größtenteils von den Konzernen aus, denn eine verbindliche Regelung auf EU-Ebene gibt es bis heute nicht. Und laut einem Bericht von Netzpolitik.org ist Apples Lobbyarbeit einer der Hauptgründe dafür.

Schluss mit dem Kabelsalat

Die Idee für eine einheitliche Regelung kam zu einer Zeit, als fast jeder Hersteller über einen eigenen Anschluss verfügte. Mit einem (damals noch beliebten) Sony Ericsson-Ladekabel ließ sich kein Nokia-Handy aufladen. Die EU entschied sich aber dafür, keinen konkreten Ladestandard vorzuschreiben. Stattdessen sollen die Konzerne eine Lösung finden. Noch im selben Jahr unterschreiben zehn Hersteller eine Absichtserklärung (darunter heutige Marktführer wie Samsung und Apple). In dieser Erklärung geloben die Unternehmen eine Vereinheitlichung der Ladeanschlüsse. Außerdem sollen Netzteile und Kabel getrennt sein, damit sich diese auch einzeln nutzen lassen. Doch Apple macht Druck und lässt eine Passage in die Absichtserklärung einbauen.

Die Passage erlaubt den Konzernen die Nutzung eigener Ladegeräte, solange das Unternehmen Adapter im eigenen Sortiment anbietet. Also kann Apple weiterhin auf Lightning setzen, solange im Apple Store Adapter verkauft werden. Die kosten natürlich extra und produzieren Elektromüll.

Apple umgeht Absichtserklärung

Diese Klausel erlaubt es Apple, die Absichtserklärung zu umgehen. Bis heute setzt das Unternehmen beim Verkaufsschlager iPhone auf einen eigenen Standard. Eine verbindliche EU-Richtlinie könnte mehr bewirken. Doch Apple lobbyiert erfolgreich dagegen und investiert dafür viel Geld. Im Geschäftsjahr 2016/17 gab Apple mehr als eine Millionen Euro für Lobbyarbeiten aus. Die Interessensvertreter argumentieren, durch die Umstellung von Lightning auf einen anderen Anschluss würden Millionen Kabel und Peripheriegeräte nicht mehr nutzbar. Diese würden entweder entsorgt werden oder um Adapter ergänzt, dadurch entstehe dann noch mehr Elektromüll. Kritiker kontern, diese Situation hätte Apple selber erzeugt, indem der Konzern nicht zeitig mit den anderen großen Herstellern auf einen gemeinsamen Standard umgestellte. Außerdem wird ein iPhone mit dem Lightning-Anschluss und das passende Zubehör nicht automatisch zum Schrott, sobald der Hersteller einen neuen Standard einführt. Schließlich verkauft Apple in seinem Store iPads mit zwei möglichen Anschlüssen – USB-C und Lightning gleichzeitig.

Zustätzliche Rechtsmittel für EU-Kommission

Seit 2014 hat die EU-Kommisionen zusätzliche rechtliche Mittel, europäische Standards vorzuschreiben. Statt einem eigenen Gesetz ist nur noch ein einfacher Rechtsakt nötig. Doch es tat sich nichts. Erst 2018 kam wieder Schwung in die Angelegenheit. Laut Netzpolitik.org plant die EU-Kommission eine Folgeabschätzung. Doch mit den Ergebnissen sei nicht vor September 2019 zu rechnen. Und bis dahin ist auch schon das nächste iPhone erschienen, die meisten Experten rechnen wieder mit einem Lightning-Anschluss.

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