2428085

Kann Apple News Plus den Journalismus retten?

13.05.2019 | 10:15 Uhr | Peter Müller, Halyna Kubiv

iPod hat der Musikbranche aus der Krise geholfen, iPhone hat den Smartphone-Markt umgewälzt. Wie steht es jetzt mit Apple News+ und Journalismus?

In einem längeren Lesestück sind die Kollegen bei Appleinsider der Frage nachgegangen, ob und wie Apple mit Apple News+ den Journalismus "retten" könne, der im Zeitalter von Clickbait und Fake News dringend der Rettung bedürfe. Apple mache es mit dem Abo wieder attraktiv, für Qualitätsjournalismus zu bezahlen, seine enorme Kundenbasis helfe dabei, den Service unter die Leute zu bringen. Der Plan kann aufgehen, so wie es schon beim iPhone passiert ist, dass Apple die Kunden dazu brachte, für höherwertige Technik zu bezahlen - vor dem iPhone waren Handys meist per Subvention zu günstigen Anschaffungspreisen zu haben, die Innovation schritt aber nur langsam voran. Apple habe zudem mit dem iTunes Store und später dem Streamingdienst Apple Music der Musikindustrie wieder auf die Sprünge geholfen. Apple News+ hat für Apple nur wenig Risiko, wenn sich das Geschäft nicht selbst trägt, hat der iPhone-Anbieter immerhin ein attraktives Verkaufsargument.

Unsere Meinung : Natürlich stellt Apple mit seiner installierten Nutzer-Basis von knapp einer Milliarde aktiver iOS-Geräte ein mächtiges Tool für Redaktionen und Journalisten zur Verfügung, das Inhalte schnell und zuverlässig zu verbreiten scheint. Natürlich kann dieses Tool auch helfen, qualitative Inhalte den Nutzern  zu empfehlen, die wohl nie von selbst auf einen Artikel, eine Ausgabe oder ein Magazin gekommen wären. Doch die mächtigsten Tools nützen nichts, wenn Journalisten, aber auch Leser, nichts dazu tun, qualitativer Berichterstattung zu helfen. Und wenn schon die Betreiber diverser sozialen Medien die Verantwortung bei der Verbreitung von Fake News nicht übernehmen wollen oder können, dann müssen wir es tun. Wir als Journalisten müssen alles dazu tun, selbst komplizierte und abstrakte Themen so menschlich und einfach abzubilden, wie es nur geht. Und vielleicht bei dem einen oder anderen Titel auf schnelle Klicks und Likes verzichten, und etwas seriösere Formulierungen wählen. Aber auch bei Ihnen, werte Leser liegt eine gewisse Verantwortung: Wenn ein Beitrag sofort Emotionen hervorruft, dann wurde er auch so geschrieben, um diese Emotionen hervorzurufen. Wenn aber schon Wut, Freude, Liebe im Spiel sind, werden sachliche Argumente oder Fakten gerne mal ausgeblendet, ja gar nicht wahrgenommen. Daher bei der nächsten Sensation – Durchatmen, bis drei zählen, im Nachhinein stellt sich in 90 Prozent der Fälle alles nicht so schlimm heraus, wie anfangs behauptet.

Macwelt Marktplatz

0 Kommentare zu diesem Artikel
2428085