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Kann Apple mit seiner grünen Initiative die ganze Industrie beeinflussen?

20.09.2020 | 07:30 Uhr | Stephan Wiesend

Mit seinen Bekenntnissen zur Klimaneutralität meint es Apple offensichtlich wirklich ernst und kann für die gesamte Industrie ein Beispiel sein.

Bei Unternehmen gehört es mittlerweile zum guten Ton, dass man sich zur emissionsfreien Produktion bekennt, SAP will dieses Ziel bis 2025 erreichen, Munich RE ist dies schon seit 2015. Ein Hersteller wie Apple hat es dabei deutlich schwerer als ein Software-Hersteller oder eine Versicherung, trotzdem hat hier Apple sehr weitgehende Versprechungen gemacht. Bis 2030 soll sogar die gesamte Zulieferkette klimaneutral arbeiten, in einem längeren Artikel hat sich das Magazin GQ Apples Initiativen etwas näher angesehen – und viel Licht – aber auch Schatten entdeckt.

Die Vorgeschichte

Tim Cook hat den Apple-Gründer Steve Jobs zwar schon lange abgelöst, Apples ökologisches Bewusstsein hat aber eine lange Tradition und keineswegs mit Lippenbekenntnissen zu verwechseln. Eine ungewöhnliche Entscheidung war etwa, mit Lisa Perez Jackson 2013 eine eigenen leitende Stelle zu schaffen. Später wurde Jackson Vice President of Environment und berichtet direkt an Tim Cook. Bei der ehemaligen Präsidentin der Umweltschutzbehörde EPA handelt es sich aber um eine prominente Politikerin, die von Apple erst überzeugt werden musste, dass das Unternehmen es wirklich ernst meint. Wie GQ berichtet , sehen Organisationen wie der WWF und Greenpeace Apple bereits als Schlüsselfigur für die Umgestaltung der Industrie: Könnten doch auch Hersteller wie Samsung oder Huawei von ihren Kunden zu ähnlicher Nachhaltigkeit gezwungen werden. Im Unterschied zu anderen Unternehmen setzt Apple dabei nicht nur auf den Kauf von Zertifikaten, sondern investiert sogar selbst in die nötige Infrastruktur wie Kraftwerke. Bei seinen eigenen Stores und Fabriken setzt Apple schon komplett auf erneuerbare Energien, für Zulieferer in China wurde eigens der 300 Millionen Dollar beinhaltende China Clean Energy Fund aufgelegt. Bereits 71 von Apples 200 Zulieferern habe sich zur Nutzung von 100 Prozent erneuerbarer Energien verpflichtet, darunter vor kurzem auch der Airpod-Akku-Hersteller Varta .

Ein weiterer Schwerpunkt beim Weg zu einem „grünen“ Unternehmen ist aber auch die Nutzung von Recycling-Materialien. So nutzt Apple in iPhone, iPad, Mac und Watch bereits wiederverwertete Materialien, vor allem die weiter steigende Rückgewinnung von Rohstoffen ist geplant. Bei immer mehr aktuellen Geräten setzt Apple etwa Recycling-Aluminium ein, so ist beim iPhone 11 die so genannte Taptic Engine bereits komplett aus recycelten Materialien alter Taptic Engines hergestellt. Apple ermöglicht die Abgabe von alten iPhones im Apple Store, allerdings ist die Zahl noch gering. 2019 wurden 197 Millionen iPhones verkauft, abgegeben wurden in den Stores aber nur etwa eine Million Geräte.

Kritikpunkte

Ganz ohne Kritik bleibt Apple aber im Artikel nicht. So wirft laut Artikel Kyle Wiens von iFixit Apple vor, dass die Reparatur von iPhones unnötig erschwert werde. Das führe dazu, dass unzählige alte Smartphones ungenutzt herumlägen. Apple wolle aber die komplette Kontrolle über den kompletten Lebenszyklus behalten. Greg Joswiak von Apple verweist dagegen auf die lange Unterstützung der iPhones mit Softwareupdates und laut Lisa Jackson würde die Kontrolle über die Reparaturmöglichkeiten gerade die Nutzungsdauer verlängern – weil die Reparaturen korrekt durchgeführt würden...

Unsere Meinung:

Apples Bekenntnis zu Umweltschutz ist ernst zu nehmen und beispielhaft für die Industrie. Apple bleibt aber ein US-Unternehmen, das andere Grundsätze als EU-Firmen befolgt und auch seinen eigenen Spielregeln folgt. Vor allem bei den Reparaturmöglichkeiten hat Apple nach unserer Meinung wirklich Nachholbedarf und ist keineswegs ein Musterschüler. Bei manchen Macbooks ist etwa die Reparatur der Tastatur nur bei gleichzeitigem Austausch von Akku und Gehäuseteilen möglich und ein Airpod Pro mit defektem Akku ist ein Komplettausfall – da sich das 5-Euro-Bauteil nicht austauschen lässt. Offensichtlich hat die Attraktivität und Leistung der Geräte bei Apple dann eben doch Priorität – selbst wenn die Reparierbarkeit und damit Nachhaltigkeit leidet. Dabei wollen wir auf das Thema proprietärer Kabel und Netzteile gar nicht erst eingehen.

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