954639

„Kein Kavaliersdelikt“

30.08.2006 | 16:10 Uhr |

Welche Bevölkerungsschicht macht Ihnen bei der anhaltend hohen Nutzung illegaler Quellen im Internet die größten Sorgen?

Illegal zu tauschen und anzubieten hat natürlich auch damit zu tun, dass jemand eine hohe Affinität für Musik hat. Wenn wir uns diejenigen Fälle ansehen, bei denen wir Rechtsverletzer bereits erwischt haben, zieht sich das durch alle Altergruppen, mit einem Schwerpunkt auf jungen Leuten von etwa Zwanzig bis Mitte Dreißig.

Die großen Probleme entstehen allerdings erst bei der privaten Vervielfältigung: Der Paragraph 53 des Urheberrechtsgesetzes etwa erlaubt „einige wenige Kopien“ für den „privaten eigenen Gebrauch“ sowie den „(Mit-)Gebrauch durch Familienangehörige oder enge Freunde“. Wie bitte sollen diese schwammigen Ausnahmeregelungen kontrolliert werden?

Vorab gesagt handelt es sich bei der privaten Vervielfältigung um eine legale Verhaltensweise, wenn sie im Rahmen des Gesetzes stattfindet. Sie weisen allerdings zu Recht darauf hin, dass wir uns hier auf einem sehr schwammigen Gebiet bewegen. Die Gesetzgebung liefert keinen klaren, für Bürger nachvollziehbare Regelungen, die dem einzelnen ein eindeutiges Urteil ermöglicht, ob eine Vervielfältigung als „private“ zulässig ist oder nicht. Diese Regelung ist 1966 im Gesetz. Wir plädieren dafür, dass diese Regelung, die als Ausnahme gedacht war, auch wieder zu einer Ausnahme gemacht wird. Denn heute ist die private Vervielfältigung der Regelfall geworden: Unsere Marktforschungen haben ergeben, dass allein im Jahr 2005 ein Äquivalent von 439 Millionen CDs privat vervielfältigt wurde. Im selben Zeitraum haben wir ca. 128 Millionen Alben verkauft.

Wie genau wollen Sie die Gesetzgebung eingrenzen?

Wir konzentrieren uns auf drei wichtige Punkte. Erstens: Eine Vervielfältigung darf nur vom eigenen Original zulässig sein. Das unterstützt den Gedanken einer Sicherheitskopie, die man für sich selbst machen darf. Zweitens: Eine Vervielfältigung durch Dritte ist nicht gestattet. Hier liegt eine der größten Grauzonen, weil Vervielfältigungen nicht selten in „Klassenstärke“ für den gesamten Freundes- und Bekanntenkreis gemacht werden. Drittens: Die Vervielfältigung aus anderen, legalen Quelle nwie Radio oder Webcasting ist nur zum zeitversetzten hören zulässig. Wir beobachten nämlich mit großer Sorge die Tatsache, dass zunehmend intelligente Aufnahmesoftware genutzt wird, mit deren Hilfe vom Radio, Fernseher oder von Webcastern punktgenau einzelne Titel aufgezeichnet werden können. Diese Programme werden teilweise sogar mit dem Slogan beworben: Nie wieder eine CD kaufen! Die Nutzung solcher Software darf nicht zulässig bleiben. Sie gefährdet die wirtschaftliche Verwertung von Musik und die Funktionsfähigkeit des Marktes. Wir haben unsere Vorschläge der Regierung unterbreitet: die Entscheidung trifft der Gesetzgeber in der bevorstehenden parlamentarischen Debatte.

Macwelt Marktplatz

0 Kommentare zu diesem Artikel
954639